Lebenskunst
6.12. | 07:05 | Ö1
Vom Stärken der Herzen – Eine Adventfigur und die Kraft der Ermutigung in herausfordernden Zeiten
Geduld war noch nie seine Stärke, sagt der evangelische Theologe und Pfarrer für Öffentlichkeitsarbeit der evangelischen Kirche in Österreich, Marco Uschmann. Aufgewachsen in Niedersachsen, gehörte die Zeit vor Weihnachten in seiner Kindheit zu den schwierigsten Tagen im Jahr: Es dauerte endlos, bis endlich Weihnachten war. Ein wenig gelindert hat seine Ungeduld der Adventkalender, wie er sich erinnert – „und der Nikolo“. Gedanken zu einer vermeintlich so gar nicht evangelischen Adventfigur und der Kraft der Ermutigung in herausfordernden Zeiten.
Schutzpatron der Schiffsleute – Der Hl. Nikolaus in Stein an der Donau
Es hat ihn tatsächlich gegeben. Nikolaus, dargestellt mit weißem Rauschebart und Bischofsmütze, dessen vielerorts am 6. Dezember gedacht wird, wurde wohl zwischen 280 und 286 in Patara in der heutigen Türkei geboren und ist an einem 6. Dezember gestorben. Mit etwa 19 Jahren wurde er zum Priester geweiht und wenig später zum Bischof von Myra in der Region Lykien ernannt. Heute heißt dieser kleine Ort Demre und liegt etwa 100 Kilometer südwestlich der türkischen Großstadt Antalya. 325 nahm Nikolaus am Konzil von Nicäa teil, wo es um die Lehre des Arius ging, derzufolge Jesus von Nazareth nicht gottgleich ist. Nikolaus soll dem als Häretiker verurteilten Arius eine schallende Ohrfeige verpasst haben. Zahlreiche Legenden und volkstümliches Brauchtum formten über die Jahrhunderte das Bild des 1222 heiliggesprochenen Bischofs, unter anderem die Überlieferung, wonach er in Not geratene Seeleute vor dem Tod rettete. So wurde Nikolaus zum Schutzpatron der Seefahrer – und das Schiff zu einem Attribut des Heiligen in der Kunst. Später ersetzte man allerdings die gebastelten Nikolaus-Schiffchen durch Stiefel, Schuhe, Strümpfe oder Gabenteller. An den Schutzpatron der Schiffsleute erinnert auch die Pfarrkirche St. Nikolaus in Stein an der Donau – u.a. mit einem Gemälde des „Kremser Schmidt“, das den Hl. Nikolaus bei der Errettung der Schiffbrüchigen zeigt. Maria Harmer hat St. Nikolaus an der Donau besucht.
Mythos, Mais und Menschenopfer – Opferkulte und Götter der Azteken
Am kommenden Montag (7.12.) ist es soweit: Die österreichischen Museen dürfen wieder aufsperren, und im Weltmuseum in Wien erwartet eine faszinierende Ausstellung zur sagenumwobenen Kunst und Kultur der Azteken (ca. 1430 – 1521 n. Chr.) die Besucher/innen. Im Fokus dieser Highlight-Schau stehen Tribute und Opferungen, die einen wichtigen Platz im wirtschaftlichen und religiösen Leben der Azteken bildeten. Besondere Aufmerksamkeit wird der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlan geschenkt, die als religiöses und kulturelles Zentrum des Reiches fungierte. Religion bestimmte das Leben der Azteken vom Tag ihrer Geburt bis zum Tod. Keine wichtige Handlung im Lauf des Lebens wurde ohne rituelle Handlung begonnen, weder Aussaat noch Hausbau oder Inthronisierung eines neuen Herrschers. Das Götterpantheon wuchs beständig. Für jeden Bereich war eine Göttin, war ein Gott quasi „zuständig“. Feste wurden veranstaltet, Opfer gebracht: Maiskörner und Blumen, aber auch das Kostbarste, das ein Mensch geben kann: sein eigenes Blut. Am meisten wurde von den Azteken der Gott Huitzilopochtli verehrt. Er war der Schutzgott des Landes, der Gott der Sonne und der Gott des Krieges, der oft als Adler – Symbol des Krieges – dargestellt wurde. Die Azteken hielten sich für das Volk der Sonne, für ihren Nationalgott errichteten sie ein riesiges Heiligtum in Tenochtitlan, dem heutigen Mexico City. Vor 500 Jahren war Tenochtitlan eine prachtvolle Stadt mit beeindruckenden Palästen und Tempelpyramiden, einem ausgeklügelten System von Brücken, Kanälen und Aquädukten. Doch sie wurde im 16. Jahrhundert von den Spaniern erobert, die Kultur der Azteken und ihre Tempel zerstört. Die Ausstellung im Weltmuseum Wien lässt 500 Jahre nach der Belagerung und Eroberung von Tenochtitlan die Mythen und Opfer der Azteken wiederaufleben. Maria Harmer hat sich noch vor dem harten Lockdown ein Bild davon machen können.
Der coole Jazzer und sein Glaube – Zum 100. Geburtstag von Dave Brubeck
Der am 6. Dezember 1920 in Concord, Kalifornien, in eine protestantische Familie geborene Jazzpianist, Komponist und Bandleader Dave Brubeck war ein höchst spiritueller Mensch, 1980 wurde er Katholik. Unmittelbarer Anstoß dazu dürfte seine Arbeit an der Messkomposition „To Hope – A Celebration“ gewesen sein, und er bezeichnete diesen Schritt nicht als Konversion, sondern als Anfang eines ernsthaften religiösen Bekenntnisses. Jeder, der Brubeck in Interviews reden hörte, begegnete immer wieder Bibelzitaten und einer von tiefer Zuversicht getragenen Jenseitshoffnung. Freiheit faszinierte ihn, die Gleichheit der Menschen, unabhängig von Herkunft oder Hautfarbe – und immer wieder die Religion: Brubeck hat viel geistliche Musik komponiert; nur das wenigste davon ist in Form von Aufnahmen zugänglich. Martin Gross bringt – neben historischen Interviewausschnitten des am 5. Dezember 2012 verstorbenen Brubeck – einige dieser Stücke, abseits von „Take Five“ und „Unsquare Dance“ zu Gehör, - auf den Tag genau 100 Jahre nach der Geburt des großen Jazzers.
Geduld lohnt sich – Bibelessay zu Jakobus 5,7-8
Davon, dass Geduld eine durchaus notwendige Tugend des täglichen Lebens ist, erzählt die evangelische Theologin Esther Handschin – und davon, dass sie eine adventliche Tugend ist. Denn Warten will gelernt sein, zeigt der Advent, eine Zeitspanne, die ihre Bedeutung vom lateinischen advenire – ankommen, sich nähern – hat. Die in der Schweiz aufgewachsene Pastorin der evangelisch-methodistischen Kirche in Wien-Floridsdorf hat sich für ihren LEBENSKUNST-Bibelessay jenen Bibeltext ausgesucht, der am 2. Adventsonntag in evangelischen Kirchen auf dem Leseplan steht. Er findet sich im sogenannten Jakobusbrief, der in der zweiten Hälfte des ersten Jahrhunderts verfasst worden sein dürfte und so manche Durchhalteparole beinhaltet.
Redaktion & Moderation: Doris Appel
8.12. | 07:05 | Ö1
Ein himmlisches Versicherungspaket – Die 14 Nothelfer/innen und mehr
Sie versprechen 14 Mal Hilfe in der Not: Für jede missliche Lage, für jedes Problem, für jede (Corona-)Krise findet sich eine oder einer. Die christliche Tradition kennt 14 hochspezialisierte „Nothelfer“ und „Nothelferinnen“ für die unterschiedlichsten Situationen, von Achatius bis Vitus, allesamt Heldinnen und Heilige aus dem zweiten bis vierten Jahrhundert. Bekannte wie die Heilige Barbara haben im Advent ihre Gedenktage, in dem Fall am 4. Dezember. Doch auch an Maria, die jüdische Frau aus Nazareth und Mutter des Jesus, wenden sich manche gläubige Menschen gern, wenn sie in Not sind. Sie gehört zur Reihe der großen erwählten Männer und Frauen in der katholischen Kirche: Unter anderem am 8. Dezember wird ihrer Erwählung gedacht, wenn ihre Empfängnis im Leib ihrer Mutter Anna gefeiert wird. Kerstin Tretina begibt sich zu Mariä Empfängnis auf die Spuren unterschiedlichster Perspektiven einer Hilfe „von oben“.
Gar nicht so anders als Weihnachten? – Gedanken zum jüdischen Lichterfest Chanukka
Sie ist 26 Jahre alt, Österreicherin, in Wien aufgewachsen und sie feiert mitunter noch mehr Feste als üblicherweise die Mehrheit der Menschen hierzulande: Avia Seeliger. Derzeit steht Chanukka an, das jüdische Lichterfest, das gemäß dem jüdischen Mondkalender immer in die Lichterzeit von Advent oder Weihnachten fällt. Diesmal beginnt Chanukka, übersetzt Tempelweihfest, am Abend des 10. Dezember und dauert bis zum 18. Dabei erinnern sich Jüdinnen und Juden weltweit an ein Wunder vor fast 2.200 Jahren, als der Tempel von Jerusalem zurückerobert und neu eingeweiht werden konnte. Die studierte Theater-, Film- und Medienwissenschaftlerin Avia Seeliger, die auch immer wieder bei Radio und Fernsehen arbeitet, denkt zurück an ihre Kindheit, als auf Initiative ihrer Eltern und engagierter Lehrerinnen die Weihnachtsfeier in der Schule um eine Chanukka-Ecke erweitert wurde. So konnte sie allen erzählen, was ihre Familie da so macht: „Essen, Geschenke verteilen und noch mehr essen. Also doch gar nicht so anders als Weihnachten? Oder vielleicht auch gar nicht so anders wegen Weihnachten? Nur feiern wir eben ohne Weihnachtsbaum oder das Christkind. Dafür mit einem Kerzenleuchter, dessen Kerzen acht Tage lang – jeden Tag eine mehr – angezündet werden.“ Begleitet von Chanukkamusik ihrer Generation erzählt Avia Seeliger auch von den Kreiseln oder Dreideln, die so mancher und manchem die Augen öffnen können für große und kleine Wunder.
Vater der Achtsamkeit und stiller Erneuerer – Der buddhistische Mönch, Schriftsteller und Lyriker Thich Nhat Hanh
Der 8. Dezember ist freilich nicht nur ein katholischer Feiertag, sondern auch ein buddhistischer. Der sogenannte Erleuchtungstag oder Bodhi-Tag erinnert an die Erleuchtung des als Buddha verehrten Siddharta Gautama unter dem „Bodhi-Baum“, dem „Baum des Erwachens“ im heutigen indischen Bundesstaat Bihar. Nach Buddha selbst – und nach dem Dalai Lama – ist er der vielleicht bekannteste Buddhist: der vietnamesische Mönch, Schriftsteller und Lyriker Thich Nhat Hanh, der Begründer des sogenannten Engagierten oder Angewandten Buddhismus und Vater der Achtsamkeit, wie er oft genannt wird. Heute blickt er auf ein bewegtes Leben zurück. Mit seinem Einsatz für den Frieden in seinem Heimatland in den 1960er Jahren wurde er zur Lichtgestalt für spirituell aufgeschlossene Hippies und für Friedensbewegungen weltweit – und zur persona non grata für die politischen Verantwortlichen in Vietnam. Fast vier Jahrzehnte musste er im Exil in Europa leben, insbesondere in Frankreich. Dort hat er auch in der Nähe von Bordeaux das Praxiszentrum „Plum Village“ etabliert. Seine buddhistische Praxis verbindet spirituelle Übung mit sozialem und politischem Engagement. Mittlerweile ist der 94-Jährige schwer erkrankt und soll, wie es heißt, dieses Leben bald verlassen. Kerstin Tretina über einen stillen Erneuerer und Übersetzer buddhistischer Lehren ins Heute.
Zwischen Hingabe und Selbstbehauptung – Bibelessay zu Lukas 1,26–38
Auch wenn es am katholischen Feiertag „Mariä Empfängnis“ oder „Erwählung Mariens“ um die Empfängnis der Maria von Nazareth im Schoß ihrer Mutter geht, also um ihre Erwählung von der allerersten Sekunde ihres Lebens an, steht das „Ave Maria“ auf dem Leseplan der katholischen Kirche: Der Text aus dem Lukasevangelium erzählt von der Empfängnis ihres Sohnes Jesus. Mirja Kutzer, Professorin für Systematische Theologie am Institut für Katholische Theologie der Universität Kassel, blickt in ihrem Essay zu besagter Bibelstelle auf eine aktive, auf eine dynamische Maria aus Nazareth, als diese erfährt, dass sie mit Jesus schwanger ist. Sie hat nicht sofort JA gesagt. Und mag sein, dass ein Engel vor ihr gekniet ist und sie gebeten hat, sich dem Wirken Gottes zu öffnen.
Moderation: Brigitte Krautgartner
Redaktion: Doris Appel
