Lebenskunst
4./5.4. | 07:05 | Ö1
„Und dann war Jesus nicht mehr tot“ – Ostern mit Kindern feiern und verstehen
Ostern ist ein Fest, das sich bei Kindern großer Beliebtheit erfreut: Es gibt Süßigkeiten, man kann Eier suchen, alles ist mit herzigen Häschen geschmückt. Der Hintergrund des Osterfestes freilich ist nicht so leicht verständlich. Wie das Geschehen von Ostern erklären? Brigitte Krautgartner hat bei Familie Schröckenfuchs nachgefragt, Mutter Yvonne ist Palliativbeauftrage in der Caritas-Hauskrankenpflege und Vater Stefan Superintendent der evangelisch-methodistischen Kirche, die es seit genau 150 Jahren auch in Österreich gibt. Eines sei gleich vorweggenommen: Auch bei den Schröckenfuchs-Kindern stehen Schokolade und Eiersuchen hoch im Kurs. Aber sie lieben zudem das Osterfeuer, in dessen Schein biblische Geschichten gelesen und österliche Lieder gesungen werden, in einer Nacht des Übergangs vom Dunkel zum Licht, vom Tod zum Leben, von der Trauer zur Freude. Und sie beschäftigen sich mit theologischen Fragen, so etwa die 8-jährige Tabea, die wissen möchte, wer den Stein weggerollt hat, der nach der Auferweckung des Jesus aus Nazareth vor dem leeren Grab gelegen ist. Seither verehren diesen Jesus weltweit Menschen als Christus, wie die lateinische Übersetzung von Maschiach/Messias lautet. Nicht nur bei Familie Schröckenfuchs: Für Diskussionsstoff und einen lebendigen Austausch ist gesorgt.
Eine Kapelle in der Kapelle – Die Wiener Hofmusikkapelle und die musikalische Botschaft von Ostern
In der „Nacht der Nächte“ und am Morgen nach der Osternacht erschallt es wieder, das Gloria, das in vielen Kirchen mehr als sechs Wochen, in der Fastenzeit, nicht zu hören war. Grandios und reflektierend gleichzeitig in Mozarts Krönungsmesse, das hätte auch gern die Wiener Hofmusikkapelle intoniert. Doch sie muss Corona-bedingt noch etwas warten. Eine Kapelle in der Kapelle, eine Musikkapelle in einem – höchst traditionsreichen – Kirchenraum: Wenn die Pandemieauflagen es erlauben, wird seit mehr als 500 Jahren jeden Sonntag im Herzen Wiens, in der Kapelle der Wiener Hofburg, oberhalb der Kaiserlichen Schatzkammer, eine katholische Messe gefeiert. Einzigartig ist bis heute die musikalische Gestaltung dieser Gottesdienste. Denn das Ensemble der dort musizierenden Wiener Hofmusikkapelle besteht aus den Wiener Sängerknaben, Mitgliedern des Herrenchors der Wiener Staatsoper und der Wiener Philharmoniker sowie der Choralschola der Wiener Hofburgkapelle. Maria Harmer hat mit Direktor Jürgen Partaj und mit Mitwirkenden gesprochen, ist auf die Orgelempore der Hofburgkapelle geklettert und hat deren Rektor, den Generalsekretär der Österreichischen katholischen Bischofskonferenz, Peter Schipka, nach der österlichen Botschaft von Musik gefragt. Ein Vorgeschmack auf eine musikalische Auferstehung nach Ostern: Am 18. April wird die Wiener Hofmusikkapelle mit der Piccolomini-Messe von Wolfgang Amadeus Mozart den Sonntagsgottesdienst feiern. (Die Messe wird am 18.4. um 10.00 in ORF III übertragen.)
Langes Hoffen, großes Sehnen – Erlösung und Auferstehung in der Lyrik
„Uhr ohne Zeiger, der Kompass hat keine Magnetnadel“, schreibt die Lyrikerin Rose Ausländer in ihrem Gedicht „Passah II“, das sich auf Pessach und Ostern bezieht. Ohne Zeitstruktur, mit wenig Zukunft, so erscheint vielen Menschen das bisherige von Lockdowns geprägte Corona-Jahr. Langes Hoffen, großes Sehnen: Wie – zum zweiten Mal – Erlösung und Auferstehung feiern in einer durch ein Virus so begrenzten und beengten Welt? Judith Strauss sucht mit der literaturaffinen evangelischen Theologin und Pfarrerin Clarissa Breu nach Antworten bei Dichterinnen und Dichtern von Johann Wolfgang von Goethe über Rose Ausländer und Paul Celan bis zu Amanda Gorman.
Um des Lebens willen: Von der Auferstehungskultur „Ostern“ – Bibelessay zu 1 Korinther 15,12-14
Am Ostersonntag ist in evangelischen und katholischen Kirchen die Erzählung vom Auffinden des leeren Grabes durch Frauen aus der Gefolgschaft des Jesus aus Nazareth zu hören, wie sie die Evangelien in Varianten berichten. Einer älteren Quelle wendet sich indes die evangelische Theologin und Religionspsychologin Susanne Heine zu, einem Text von Paulus, geschrieben im Jahr 54. In seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth widmet er dem Thema Auferstehung das ganze Kapitel 15. „Religion ist keine Nachricht über die Wirklichkeit, sondern erzählt von einer Haltung, die ich gegenüber der Wirklichkeit einnehmen kann, um nicht in Depression zu fallen“, bemerkt Susanne Heine dazu. Für sie ist Ostern ein Fest der Zuversicht, dass die Schrecken der Welt nicht das letzte Wort haben. Es fordere dazu heraus, der realen Todeswelt eine Auferstehungskultur einzuschreiben: Arme versorgen, Leidenden beistehen, Fremde aufnehmen. Und das ohne zu fragen, sind die das wert, gewinne oder verliere ich dadurch Wählerstimmen? Nein, einfach so – um des Lebens willen.
LEBENSKUNST – Begegnungen am Feiertag, Ostermontag, 5.4.2021, 7.05 – 8.00, Ö1
Eine junge Frau lehrt alte Klänge – Antanina Kalechyts und die Gregorianik
„Den menschlichen Geist erheben“ – das ist laut kirchlicher Definition die vornehmste Funktion der gregorianischen Choräle. Benannt sind die Gesänge nach Papst Gregor I. (540–604), der damit begonnen hat, diese Texte und Melodien zu sammeln. Mit anderen Worten: Die Gregorianik stellt ein viele Jahrhunderte altes geistliches Kulturgut dar. An der Wiener Universität für Musik und darstellende Kunst wird dieses Fach nun von einer jungen Frau unterrichtet, von Antanina Kalechyts. Sie gibt im Gespräch mit Brigitte Krautgartner auch Auskunft über die österliche Botschaft der Gregorianik.
Ausflüge anderer Art – Das „volle Leben“ in Paradiesgärten
Wohin in beengten und begrenzten Zeiten? Vielleicht auf eine gedankliche Reise in Paradiesgärten? Sind sie doch der Inbegriff des vollen, glückseligen Lebens, wonach sich wohl viele derzeit sehnen. Sie existieren als Vorstellung in zahlreichen religiösen Traditionen: vom Avalon („Apfelgarten“ oder „Apfelinsel“) der Kelten, über den Garten der Hesperiden der Griechen bis hin zum paradiesischen „Reinen Land“ des Amitabha-Buddhismus. Hierzulande am bekanntesten ist wahrscheinlich der üppige „Garten Eden“. Kerstin Tretina als Reiseleiterin zu den Garten-Inseln der Seligen.
Transkulturell und engagiert – Ein Treffen mit dem jungen Roma-Aktivisten Samuel Mago
Er war 15 und besuchte ein renommiertes Gymnasium in Wien, als er sich, wie er es ausdrückt, „geoutet“ hat – weil ein Mitschüler abfällig über „Zigeuner“ gesprochen hatte. Bis heute engagiert sich der 25-jährige Samuel Mago für seine Volksgruppe, die Roma. Geschätzte 40.000 Angehörige der am meisten diskriminierten Volksgruppe in Europa leben derzeit in Österreich. Maria Harmer hat kurz vor dem 50. Internationalen Tag der Roma, der alljährlich am 8. April begangen wird, den Aktivisten, Schriftsteller und Studenten der Transkulturellen Kommunikation am Ceija-Stojka-Platz in Wien getroffen. Dabei hat ihr Samuel Mago über die Bedeutung dieses Tages und dieses Platzes ebenso erzählt wie über seine jüdischen Wurzeln und seinen Kampf gegen ziganistische Vorurteile.
Was Texte „heilig“ macht. Von Erzählungen, Erfahrungen und Begegnungen – Bibelessay zu Lukas 24, 13-35
Sogenannte heilige Texte, auch wenn sie vertraut sind, sind nicht aus sich selbst heraus einfach „heilig“, nicht bedeutsam, sagt die an der Universität Kassel lehrende katholische Theologin Mirja Kutzer. Die Texte werden es erst dann, wenn Menschen diese verbinden mit ihren eigenen Erzählungen, mit dem, was sie umtreibt. Dann kann es sein, dass die Herzen beginnen zu brennen – so wie es die beiden Jesus-Jünger erlebt haben, die, laut Lukasevangelium, nach der Kreuzigung ihres Meisters unterwegs von Jerusalem nach Emmaus waren.
