
Lebenskunst
23./24.5. | 07:05 | Ö1
Ein Fest der Sprache/n – Bibelessay zu Genesis 11,1-9
Ein Fest der Sprache/n, das möchte das Ö1-Sonn- und Feiertagmorgenmagazin LEBENSKUNST fünf Wochen lang seinen Hörerinnen und Hörern bereiten; gerade nach monatelanger COVID-Durststrecke und Theatersperre. Beginnend mit jenen Feiertagen, bei denen es unter anderem stark um Sprache/n geht: Pfingsten. „Eure Söhne und Töchter werden Propheten sein, eure Alten werden Träume haben und eure jungen Männer haben Visionen“, heißt es in einer der biblischen Lesungen zum Fest, dem alttestamentlichen Buch Joel. „Und alle wurden von heiligem Geist erfüllt und begannen, in anderen Sprachen zu reden, wie es der Geist ihnen eingab“, ist in der Apostelgeschichte im Neuen Testament zu lesen. Urerzählung der Sprachenvielfalt ist jene vom Turmbau zu Babel im ersten Buch der Bibel, der Genesis. „Wir alle profitieren von der post-babylonischen Polyphonie“, bemerkt dazu Martin Kušej, Regisseur, Theatermann und Direktor des Wiener Burgtheaters. Aufgewachsen ist er, der Kärntner, in zumindest zwei Sprachen, dem Slowenischen und dem Deutschen. „Die Vielzahl und Vielfalt der Sprachen müssen wir nicht als Verwirrung, sondern als Bereicherung empfinden“, meint er. „Als einen Akt der Befreiung! Ob der jetzt vom Geist Gottes ausgegangen ist oder aus dem Widerstandsgeist der Menschen, muss jeder und jede für sich selbst entscheiden.“ Martin Kušej macht den Anfang: Für die Kolumne Bibelessay in LEBENSKUNST suchen sich Theatermenschen, Schauspielerinnen und Schauspieler jeweils einen der Bibeltexte aus, auf denen die Sonntage und Feiertage zu und nach dem Pfingsten der Westkirche (23./24. Mai) basieren.
Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt – Psalmen, Urschreie der Seele
„Du hast mein Klagen in Tanzen verwandelt“, heißt es in Psalm 30, einem der sogenannten Davidpsalmen, die auf den israelitischen König David verweisen. Worte, die wohl manchen Menschen in den Tagen nach den Lockerungen der COVID-Vorsichtmaßnahmen aus der Seele sprechen. Freude und Dankbarkeit, aber auch Wut und Zorn, Trauer und Leid wird in diesen Zeilen der Weltliteratur, die vor 2500 Jahren und mehr entstanden sind, regelrecht herausgeschrien – und können dadurch auch eine heilsame Wirkung haben. Die 150 Psalmen, also Gebete, Gedichte oder Lieder, sind als erstes Buch der „Schriften“ des Tanach, gewissermaßen der Hebräischen Bibel, des Alten Testaments, festgehalten. Seit Jahrhunderten werden sie in jüdischen und christlichen Gottesdiensten zitiert – und sind dabei durchaus heutig und anschlussfähig für Menschen im 21. Jahrhundert. Kerstin Tretina über die Zeitlosigkeit dieser alten Texte, ihren spirituellen und psychologischen Mehrwert.
Von Mythen und Opfern – Besuch der Azteken-Ausstellung im Wiener Weltmuseum
Seit Kurzem haben die österreichischen Museen wieder geöffnet, und im Weltmuseum in Wien erwartet noch bis 22. Juni eine faszinierende Ausstellung zur sagenumwobenen Kunst und Kultur der Azteken (ca. 1430 – 1521 n. Chr.) die Besucher/innen. Im Fokus dieser Highlight-Schau stehen Tribute und Opferungen, die einen wichtigen Platz im wirtschaftlichen und religiösen Leben der Azteken bildeten. Die Azteken, die sich selbst als Mexica bezeichneten, beherrschten im frühen 16. Jahrhundert einen großen Teil Mesoamerikas. Als ursprünglich nomadisches Volk, dessen mythischer Herkunftsort Aztlán zur Bezeichnung Azteken führte, ließen sie sich schließlich auf mehreren kleinen Inseln im Texcoco-See nieder, wo sie um 1325 Tenochtitlan, das heutige Mexiko-Stadt, gründeten: eine prachtvolle Stadt mit beeindruckenden Palästen und Tempelpyramiden, einem ausgeklügelten System von Brücken, Kanälen und Aquädukten. Doch sie wurde von den spanischen Konquistadoren erobert, die Kultur der Azteken und ihre Tempel 1521 endgültig zerstört. Die Ausstellung im Weltmuseum Wien lässt 500 Jahre nach der Belagerung und Eroberung von Tenochtitlan die Mythen und Opfer der Azteken wiederaufleben. Maria Harmer mit einem akustischen Rundgang.
Vom Schöpfungsgarten bis zum Garten der Religionen – Die Stiftsgärten von Altenburg
Schöpfungsgarten, Apothekergarten, Kreuzganggarten, Garten der Religionen und Garten der Stille – all diese Gärten wurden in den vergangenen Jahren im Benediktinerkloster Stift Altenburg bei Horn, Niederösterreich, liebevoll neu angelegt. Wegeführungen, Bepflanzungen und gestalterische Elemente inspirieren die Besucher/innen, Heilpflanzen und (mittelalterliche) Symbolpflanzen wie Iris, Efeu, Maiglöckchen, Himmelschlüssel, Zyklamen, Pfingstrosen und Rosen erfreuen die Sinne. Jeder Garten hat ein anderes spirituelles, theologisches und/oder existenzielles Thema zum Inhalt, allen gemeinsam ist die Pflege nach den Kriterien der Aktion "Natur im Garten". Lise Abid hat sich vom Prior des Stiftes, Pater Michael Hüttl, anlässlich der Ö1-Gartentage durch die Stiftsgärten führen lassen.
Redaktion & Moderation: Doris Appel
LEBENSKUNST – Begegnungen am Feiertag (Pfingstmontag), 24.5.2021, 7.05-8.00, Ö1
Geist, komm herbei von den vier Winden – Bibelessay zu Ezechiel 37, 1-14
„Geist, komm herbei von den vier Winden, hauch diese Erschlagenen an, damit sie lebendig werden“, lautet es sprachgewaltig im alttestamentlichen Buch Ezechiel: eine der Lesungen, die für das Pfingstfest in der katholischen Kirche vorgesehen sind. Ein Fest der Sprache/n, das möchte das Ö1-Sonn- und Feiertagmorgenmagazin LEBENSKUNST fünf Wochen lang seinen Hörerinnen und Hörern bereiten; gerade nach monatelanger COVID-Durststrecke und Theatersperre. Theatermenschen sind also eingeladen, biblische Texte zu lesen und zu interpretieren. Für den Pfingstmontag hat sich die in Kärnten gebürtige Film-, TV- und Theaterschauspielerin Brigitte Karner den Text, der auf den Propheten Ezechiel zurückgeht, ausgesucht – und sehr persönliche Gedanken dazu preisgegeben.
„Im Einklang“ - Ein Porträt der Buddhistin, Stimm- und Atemtherapeutin Elisha Koppensteiner
Klang sei die Schwingung, die dem ganzen Universum zugrunde liegt. Und im Klang der menschlichen Stimme schwinge die ureigene Harmonie jedes Wesens, davon jedenfalls ist die Stimm- und Atemtherapeutin Elisha Koppensteiner überzeugt: Bei der Geburt ist diese Stimme noch frisch, kann sich entfalten. Im Lauf des Lebens aber tragen viele Faktoren dazu bei, sie zu verdecken und nicht mehr ganz und frei schwingen zu lassen. Seit ihrer Kindheit in Wien und in der italienischen Toskana hat Elisha Koppensteiner durch ihre Mutter eine tiefe Verbindung zu den Dzogchen Lehren des tibetischen Buddhismus vermittelt bekommen. Ihre Studien der Biologie und Ökologie haben das Streben nach mehr Nachhaltigkeit und Achtsamkeit weiter verstärkt. Im Einklang mit sich und der Welt einen Beitrag zum Wohlergehen der Erde und aller Lebewesen beitragen und einfordern, das ist die Vision von Elisha Koppensteiner. Maria Harmer hat sie kurz vor Vesakh, dem höchsten buddhistischen Feiertag im Jahreskreis, besucht.
Schreiben und sprechen für ein besseres Leben – Die Lebenskunst der Virginia Woolf
Virginia Woolf und Lebenskunst? Die Autorin und Germanistin Ingrid Pfeiffer meint, ja, das ist kein Widerspruch, auch wenn sich die große Schriftstellerin vor 80 Jahren das Leben genommen hat: Schrieb und sprach sie doch immer für ein besseres Leben. In der Zeit Virginia Woolfs hieß das schreiben und sprechen für ein Leben ohne Krieg. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg machte sie den Pazifismus zur Grundlage ihres Denkens und Handelns. Der Zusammenhalt der sogenannten Bloomsbury-Gruppe, dieses freigeistigen Freundeskreises, half dabei, weil dort alles, selbst die unerschütterlich erscheinenden gesellschaftlichen Verhältnisse kritisch befragt werden konnten. Lebenskunst ist keine Kunst der Fügsamkeit. Lebenskunst ist Widerstand mit den richtigen Mitteln, zeigt sich Ingrid Pfeiffer überzeugt und fügt hinzu: „Wer sagt denn, das sei immer leicht.“ Ein Radioessay.
Der an die Himmelspforte klopft – Bob Dylan und die Religion
Er sei einer, der mit dem nackten Mut des Propheten ans Werk gehe – so wurde Bob Dylans Arbeitsweise einmal beschrieben. Am Pfingstmontag 2021 begeht der Ausnahmekünstler, Protestsänger, Nobelpreisträger, der sich im Laufe seiner jahrzehntelangen Weltkarriere immer neu erfunden hat, seinen 80. Geburtstag. Als Sohn einer jüdischen Einwandererfamilie wurde er in Duluth / Minnesota im US-amerikanischen Mittleren Westen geboren. Doch schon in jungen Jahren hat es ihn nach New York gezogen, wo er mit Künstlerinnen und Künstlern der Beat Generation in Kontakt gekommen ist. Zuerst hat der sich dem Folk zugewandt – unterstützt von der damals viel bekannteren Joan Baez – später dem Rock. Der Rest ist Musikgeschichte. Wortgewaltig und wortkarg – bei Interviews etwa oder im Kontakt mit dem Konzertpublikum – trat und tritt er in Erscheinung: einer, der seinen Weg geht, recht unbeirrt davon, was die Öffentlichkeit über ihn denkt. Auch in Sachen Religion hat er seine ganz eigenen Entscheidungen getroffen: Im Outfit eines orthodoxen Juden, mit Kippa und Gebetsschal zeigt ihn ein bekanntes Foto an der sogenannten Klagemauer in Jerusalem. 1979 ließ er sich taufen, zum Christentum hatte er durch die evangelikale Vineyard-Bewegung gefunden. Die Gaben des Heiligen Geistes, wie Heilung, Zungenreden und Prophetie stehen hier hoch im Kurs. Doch auch aus diesem Umfeld hat er sich heraus entwickelt, freilich ohne Spirituelles aus seinem Leben oder seinen Liedern zu streichen, zu den bekanntesten gehört „Knocking on Heaen’s Door“. Mit verfasster Religion dürfte Dylan freilich heute nicht sehr viel zu tun haben, so schätzt Michael Bünker ihn ein. Der evangelische Theologe und emeritierte Bischof der evangelisch-lutherischen Kirche in Österreich, selbst Band-Mitglied und Schlagzeuger, hat mit Brigitte Krautgartner über seine Sichtweise von Bob Dylan gesprochen.
Moderation: Martin Gross
Redaktion: Doris Appel