
Lebenskunst
7.11. | 07:05 | Ö1
1. ESRA heißt Hilfe - Ein akustischer Rundgang auf dem Areal des Leopoldstädter Tempels
Er war ein wichtiges Zentrum des religiösen und kulturellen Lebens der Wiener Jüdinnen und Juden, der "Große Leopoldstädter Tempel" im zweiten Bezirk Wiens. Die Synagoge, im "maurischen Stil" erbaut, bot rund 3.500 Menschen Platz. Bedeutende Rabbiner und Kantoren wirkten in ihr - bis auch sie in der Pogromnacht von 9. auf den 10. November 1938 zerstört wurde.
Zum Gedenken wird in diesen Tagen wieder die Fassade des Leopoldstädter Tempels rekonstruiert, dank moderner Technik in Form einer bedruckten Plane - ein Zeichen gegen das Vergessen und Verdrängen. Heute befindet sich an diesem Ort das psychosoziale Zentrum "Esra", hebräisch für "Hilfe": Medizinische, psychotherapeutische und soziale Hilfe bietet die Einrichtung seit 27 Jahren für Opfer des Holocaust und ihre Nachkommen sowie auch für andere traumatisierte Menschen. Maria Harmer hat sich ein Bild davon gemacht.
2. "Ich habe Dich bei Deinem Namen gerufen" - Das elektronische Auschwitz-Museum
Eine gemeinsame Erinnerungskultur schaffen, nachdenken und Verantwortung übernehmen: Das möchte auch das "Auschwitz Memorial", der offizielle Twitter-Account der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau - gemeinsam mit seinen gut einer Million Followern. Hier kann Erinnerung "abonniert" werden, denn täglich tweetet "Auschwitz Memorial" Namen, Foto und Herkunft eines Menschen, der an diesem Tag Geburtstag hat und in Auschwitz ermordet wurde. "Ich habe dich bei deinem Namen gerufen", heißt es in der Hebräischen Bibel bei Jesaja. Lena Göbl hat mit der Person hinter dem Twitter-Account gesprochen und nachgefragt, wie es User/innen dabei geht, dem Kanal zu folgen.
3. Reise in Vergangenheit und Gegenwart - Das jüdische Hohenems
Gräber von Jüdinnen und Juden sind für die Ewigkeit, davon erzählt neben anderen der jüdische Friedhof von Hohenems, jener ins Mittelalter zurückreichenden Vorarlberger Stadt an der Schweizer Grenze. Ihr jüdischer Friedhof ist ein wahrhaft friedlicher, fast entrückter Ort: Eingebettet in einen bewaldeten Abhang und gegründet 1617, finden hier bis heute Beerdigungen statt. Für Kerstin Tretina der passende Ausgangspunkt für ihre Reise in die Vergangenheit, in die ehemals vitale jüdische Gemeinde, die weit über die Grenzen Vorarlbergs bekannt war.
4. Wie Frieden klingt - Bibelessay zu Psalm 85
Um die Sehnsucht nach einem Friedensreich, das die jüdische und christliche Tradition "Reich Gottes" nennt, drehen sich jene Texte, die am Sonntag, 7. November, in evangelischen Kirchen zu hören sind. Als Predigttext ist erstmals ein Psalm vorgesehen, also ein Gebet von Menschen aus alttestamentlicher Zeit, in ihrer jetzigen Form ab dem 6. Jahrhundert v. Chr. verfasst. Frieden, wie er in Psalm 85 vorgestellt wird, ist der Geliebte der Gerechtigkeit. Sie küssen sich. Gott, der den Frieden bringt und den man um Frieden anrufen kann, umgibt sich mit Gerechtigkeit wie mit Bodyguards, entwickelt der evangelische Theologe und Pfarrer Johannes Modeß ein Psalmbild weiter.