Lebenskunst
11.1. | 07:05 | Ö1
LEBENSKUNST – Begegnungen am Sonntagmorgen, 11. Jänner 2026, 7:05-8:00, Ö1
online:
Sinnlehre statt Sinnleere
Demut und Göttlichkeit – Aspekte der Bibel
(Matthäus 3, 13-17)
In der Ostkirche wird es am 6. Jänner („Theophanie“) – oder nach dem julianischen Kalender am 19. Jänner – begangen; in der Westkirche am Sonntag nach dem 6. Jänner („Epiphanie“ oder „Epiphanias“), also heuer am 11. Jänner: das Fest der Taufe des Jesus von Nazareth, genannt „Taufe des Herrn“. Für katholische Gottesdienste ist ein Text aus dem Matthäusevangelium vorgesehen, der die besondere Begegnung von Jesus mit dem jüdischen Bußprediger Johannes erzählt. Dieser hat laut Überlieferung zur Umkehr aufgerufen und das „Abwaschen von Schuld“ mit dem Eintauchen im Fluss Jordan verbunden. Auch Jesus hat sich dem Ritual unterzogen. Danach, so heißt es, sei seine Göttlichkeit offenbar geworden. Der Himmel habe sich geöffnet, Gottes Geist sei auf ihn herabgekommen und eine Stimme habe gesprochen: Das ist mein geliebter Sohn. Für den katholischen Theologen und Judaisten Gerhard Langer bedeutet der Bibelabschnitt: Nur wer Bescheidenheit und Demut eines fehlerhaften Menschen behält, kann und darf lenken und leiten.
Rückzug in die Welt – Bruder Thomas Hessler und eine Spiritualität, die auch nach außen wirksam ist
Lockiges, braunes Haar, manchmal zum Zopf gebunden, Bart und weißer Kapuzenhabit, entweder als Hoodie zu Jeans oder als Ganzkörperbekleidung: Seit 2024 ist Bruder Thomas Hessler Prior des Benediktinerklosters Gut Aich in St. Gilgen am Wolfgangsee. 1968 in Edlitz in Niederösterreich geboren, führte ihn sein Lebensweg über das Augustiner-Chorherrenstift Reichersberg, dem er 18-jährig beitrat und drei Jahre angehörte, zum Theologiestudium nach Salzburg und Mainz. Das Theologiestudium schloss er ab, ließ sich aber nicht zum Priester weihen. Daneben machte er eine Ausbildung in Bildender Kunst und sammelte Erfahrung im Bereich der Naturheilkunde. 1993 schloss sich Thomas Hessler Pater Johannes Pausch beim Aufbau des Klosters Gut Aich an, das nach dem politischen Umbruchjahr 1989 „Europakloster“ genannt wurde und Öffnung symbolisieren sollte und soll.
Vor Kurzem ist seine Biografie „Mein Rückzug in die Welt. Kloster-Prinzipien für ein erfülltes Leben“ bei Herder erschienen. Anlass für Johannes Kaup, mit Bruder Thomas Hessler über sein Leben zu sprechen.
Lebensbejahend, aber nicht schönfärbend – Zu Besuch im „Viktor Frankl Zentrum“ bei Daniela Philipp
Wenn sich die Decke schwer wie Blei anfühlt, man so gar keinen Grund sieht, aus dem Bett zu steigen und den Tag zu beginnen, dann ist das für Daniela Philipp – diplomierte Lebens- und Sozialberaterin sowie sinnzentrierte Beraterin nach Viktor Frankl – der Moment, sich an den Grundsätzen der Logotherapie zu orientieren. Nach Sigmund Freud und Viktor Adler stellte der Psychiater Viktor Frankl (1905-1997) den Sinn ins Zentrum seiner Lehre, der „Dritten Wiener Schule der Psychotherapie“. „Was sind meine Stärken? Wo bin ich am wenigsten ersetzbar? Was soll noch von mir gelebt werden?“ Es sind ganz grundsätzliche Fragen an jede und jeden, die gestellt werden, wenn es um die Erfüllung der eigenen Lebensaufgabe geht, erinnert Daniela Philipp. Maria Harmer hat sie im „Viktor Frankl Zentrum“, in Frankls ehemaliger Wohnung, in Wien-Alsergrund besucht.
Redaktion & Moderation: Doris Appel
