Lebenskunst
21.6. | 07:05 | Ö1
LEBENSKUNST – Begegnungen am Sonntagmorgen, 21. Juni 2026, 7:05-8:00, Ö1
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Früchte aus dem Lebenskorb
Was wirklich trägt – Aspekte der Bibel
(Matthäus 10, 26-32)
Es ist ein mitunter irritierender Evangelienabschnitt, der für katholische Gottesdienste am 21. Juni vorgesehen ist. Der Verfasser des Matthäusevangeliums hat ihn gegen Ende des ersten Jahrhunderts niedergeschrieben, als die ersten Christinnen und Christen unter starken Druck geraten waren. Viele von ihnen hatten den Kaiserkult der römischen Besatzer und den Militärdienst abgelehnt. Für die katholische Theologin, Bildungswissenschafterin und Psychotherapeutin Helga Kohler-Spiegel enthält indes der Text beim genauen Ansehen Ermutigungen: Er motiviert sie, sich nicht von Angst bestimmen zu lassen, Haltung zu zeigen und darauf zu vertrauen, dass das, was wirklich trägt, ans Licht kommt.
Früchte aus dem Lebenskorb – Eine LEBENSKUNST-Erinnerungsreise
Am längsten Tag des Jahres, am kalendarischen Sommerbeginn, dem 21. Juni, mag das Bild vom Lebenskorb taugen: In ihm sind Sommerfrüchte, Früchte des Lebens, gesammelt worden – und sie dürfen ausgeteilt werden. Das Bild erläutert die Wiener Grande Dame der Logotherapie Elisabeth Lukas, die Maria Harmer interviewt hat. Die Schülerin Viktor Frankls gibt damit das Signal für eine LEBENSKUNST-Erinnerungsreise zu besonderen Orten, ihrer Betrachtung und Verinnerlichung.
So geht es etwa ins sogenannte Drachendorf, ins Kampung Naga, in Westjava; wobei sich Naga („Schlangenwesen“) weniger auf Drachen bezieht als auf „nagawir“, was „in der Schlucht“ bedeutet. Und in diese Schlucht ist Gundi Lamprecht hinuntergestiegen, um mit den Dorfbewohnerinnen und -bewohnern zu sprechen. Sie trotzen der modernen Zivilisation, leben nach dem Vorbild ihrer Ahnen sowie in und mit der Natur. Einmal mehr zeigt sich hier, wie sehr das vom Islam geprägte Land Indonesien auch von vorislamischen, traditionellen Ritualen und Überlieferungen durchdrungen ist. Eine weitere Station ist der Linzer Pöstlingberg mit seiner Marienwallfahrtskirche aus dem 18. Jahrhundert. Andreas Mittendorfer hat dort die vor Kurzem verstorbene große österreichische Medien- und Performancekünstlerin VALIE EXPORT getroffen, die sich an der künstlerischen Gestaltung der neuen Orgel beteiligt hat – unter anderem mit dem Schriftzug: „Wer begreift, hat Flügel“.
Nicht nur für Betende – Notre-Dame, Reflexionsort für alle
Ebenfalls der Heiligen Maria als Schutzpatronin geweiht, ist die Kathedrale „Notre-Dame de Paris“, übersetzt etwa „Unsere Liebe Frau von Paris“. Die nach dem verheerenden Brand von 2019 im neuen Licht erstrahlende Kathedrale hat freilich viele Gesichter: Sie ist spirituelles Zentrum, Raum, in dem sich historische Ereignisse widerspiegeln, in dem Kunst und Kultur erfahrbar werden – und Ort für ganz private Erinnerungen. So auch an das große, farbenprächtige Rundfenster, die beeindruckende Rosette. Sie spielt eine Rolle in Brigittes Krautgartners sehr persönlichen Gedanken.
Weil das Böse erschreckend nah kommen kann – Gedanken zu „Sympathy For The Devil“
Zum Reflektieren laden freilich auch Lieder und ihre Texte ein, so sieht das etwa Wolfgang Rachbauer. Der in Wien lebende Bankmanager und engagierte Katholik schreibt in seiner Freizeit Bücher. Und in seinem vierten und jüngsten Buch „Leben ohne Kompromiss – 30 Gedanken zwischen Leben, Glauben und Management“ verknüpft er Textzeilen aus dreißig ihn prägenden Songs mit persönlichen Erfahrungen und Perspektiven aus seiner beruflichen Tätigkeit. Einer dieser Songs ist „Sympathy For The Devil“ von den Rolling Stones, veröffentlicht 1968. Was es mit diesem Teufel auf sich hat? Wolfgang Rachbauer mutmaßt, dass der Teufel in jedem und jeder stecken kann, denn Gewalt und Unmenschlichkeit begleiten die Geschichte der Menschheit seit jeher. Dabei äußert sich „das Böse“ unter anderem in Menschen, die zögern, abwägen und Verantwortung von sich wegschieben. Also in jenen, die das Richtige erkennen – und sich dennoch für den bequemeren Weg entscheiden. Wolfgang Rachbauer möchte, wie er sagt, Augen und Ohren öffnen – und zu einem anderen Weg einladen.
Wenn Musik Göttliches ahnen lässt – Über das Hören als spirituellen Akt
„Musik hat diese mysteriöse Fähigkeit, uns dorthin zu führen, wo wir sonst nicht hingeführt würden“, so hat es der bald 99-jährige schwedische Dirigent Herbert Blomstedt einmal auf den Punkt gebracht. Er versteht Konzerthaus und Gotteshaus als zwei Seiten einer Medaille. Die metaphysische Dimension des Hörens von Musik kommt auch in den Reflexionen des 1992 verstorbenen US-amerikanischen Komponisten John Cage zum Ausdruck, der mit seiner Musik „innere Sammlung, Stille“ ermöglichen wollte. Musik habe den Zweck, „den Geist zu reinigen und zur Ruhe zu bringen, um ihn für göttliche Einflüsse empfänglich zu machen“. Doch auch abseits der Kirchen und Konzertsäle kann Musik-Hörenden Spirituelles begegnen. Das weiß besonders Martin Gross.
Zum Meer begnadigt – Ingeborg Bachmann, 100
Er steht heute für die Überwindung von Grenzen, ist Frage, Utopie und Hoffnung zugleich, der Topos vom am Meer liegenden Land Böhmen. Was vielleicht als Irrtum oder dichterische Freiheit begann, hat sich zu einem bedeutungsvollen Motiv in Kunst und Literatur entwickelt: Es ist das Böhmen William Shakespeares, auf das sich Ingeborg Bachmann in ihrem berühmten Gedicht „Böhmen liegt am Meer“ unter anderem bezieht. Wird doch in Shakespeares „Ein Wintermärchen“ das Binnenland Böhmen als „ein Wüstenland nahe dem Meer“ („Bohemia, a desert country near the sea“ ) beschrieben. Kurz vor dem 100. Geburtstag der großen österreichischen Schriftstellerin Ingeborg Bachmann (1926-1973) am 25. Juni liest Dörte Lyssewski das Gedicht.
Redaktion & Moderation: Doris Appel
