
Lebenskunst
9.8. | 07:05 | Ö1
LEBENSKUNST – Begegnungen am Sonntagmorgen, 9. August 2026, 7:05 – 8:00, Ö1
„Auch du bist eine große Tochter“ – Die Künstlerin Barbara Pacholik im Porträt
„Auch du bist eine große Tochter“, so steht es auf einem Spiegel in der Ausstellung „Heimat großer Töchter“ geschrieben, und jede Besucherin kann ein Foto von sich machen und so ihre ganz persönliche Erinnerung und Ermunterung mit nach Hause nehmen. Die Künstlerin Barbara Pacholik hat Porträts von 20 Frauen gemalt. Frauen, die gesellschaftliche Veränderungen vorantreiben und sich auch nicht von Gegenwind abschrecken lassen. „Es ist mir ein großes Anliegen, dass man sich zumindest eine von den 20 Frauen herauspickt, näher kennenlernt und sich von ihr inspirieren lässt – so wie ich mich habe inspirieren lassen“, so Barbara Pacholik. Die Ausstellung „Heimat großer Töchter“ ist noch bis zum 30. September im Foyer des ÖGB-Catamarans im zweiten Wiener Bezirk zu sehen und wandert danach nach St. Pölten und Baden. Mariella Kogler hat mit Barbara Pacholik gesprochen.
Gotteskünderinnen – Die Bibel und die Frauen, ein Großprojekt von Irmtraud Fischer
Sie kann als die Grande Dame der biblischen Frauenforschung in Österreich bezeichnet werden: Irmtraud Fischer, geboren 1957 in Bad Aussee. 1993 hat sie als erste Frau in Österreich eine katholisch-theologische Habilitation geschrieben. Irmtraud Fischer war Professorin für Alttestamentliche Bibelwissenschaft an den Universitäten in Bonn und Graz. Mit Büchern wie „Gottesstreiterinnen“, „Gotteskünderinnen“ und „Gotteslehrerinnen“ hat sie die Frauen-Figuren im Alten Testament einem bibelinteressierten Publikum nähergebracht. Mittlerweile hat sie ihr Lebenswerk vollendet: Für das internationale Forschungsprojekt „Die Bibel und die Frauen“ hat sie 300 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verschiedener Disziplinen miteinander vernetzt. Das Projekt zeigt u.a. auf, dass Bibelstudium, also fromme wie kritische Lektüre und Interpretation biblischer Schriften, von jeher auch Frauensache war – wenngleich deren Gedanken und Ideen immer wieder in Vergessenheit geraten sind und die offiziell anerkannte christliche Tradition eine männliche war. Stefanie Jeller mit einem kleinen Einblick in das große Projekt „Die Bibel und die Frauen“.
Pessimismus ist trotz allem keine Option – Erika Freeman und ihr Glaube
„Der liebe Herrgott ist ein netter Kerl. Aber Geduld muss man mit ihm haben“, sagt die mittlerweile 99-jährige Erika Freeman. Seit einigen Jahren lebt (und arbeitet!) die US-amerikanisch-österreichische Psychoanalytikerin im Hotel „Imperial“ in der Wiener Innenstadt. Das sei ihre persönliche kleine Rache an Hitler, der das arisierte Hotel am Ring als seine „Wiener Residenz“ bezeichnet hatte, wird Erika Freeman nicht müde zu erinnern. Geboren wurde sie als Erika Polesiuk am 1. Juli 1927 in Wien. Als 12-Jährige ist das Kind einer jüdischen Familie mit Wurzeln in der heutigen Ukraine allein vor den Nazis in die USA geflohen – und dort zur gefeierten Psychoanalytikerin geworden. Marlon Brando, Paul Newman und Marilyn Monroe sollen zu ihren Klientinnen und Klienten bzw. Bekannten gezählt haben. Ihren Glauben – auch an Wunder – und ihren Humor hat Erika Freeman bis heute nicht verloren. Und bis heute setzt sie sich, wo immer sie kann, gegen Antisemitismus zur Wehr. Maria Harmer hat Erika Freeman im Hotel „Imperial“ besucht.
Die Wüste: ein Ort des Sterbens und des Lebens – Aspekte der Bibel
(1 Kön 19, 9ab.11b-13)
Der Prophet Elija zieht sich in der Episode aus dem Ersten Buch der Könige, die nach der katholischen Leseordnung an diesem Sonntag auf dem Programm steht, zum Sterben in die Wüste zurück. Dort begegnet ihm jedoch Gott, in ein „sanftes, leises Säuseln“ gehüllt. Den katholischen Theologen Wolfgang Treitler erinnert die Erzählung an seinen eigenen Besuch in der Wüste, der bis heute tiefe Eindrücke hinterlassen hat. „Die Wüste – ein Ort des Sterbens“ meint er, man sei dort rettungslos allein. Aber die Wüste sei auch ein Ort des Lebens, des „feinfühligen, leisen Hörens“, ein Geheimnis, ähnlich dem Geheimnis, dem Elija in der Erzählung der Bibel begegnet.
Moderation: Martin Gross