
Lebenskunst
15./16.8. | 07:05 | Ö1
LEBENSKUNST – Begegnungen am Feiertag, 15. August 2026, 7:05 – 8:00, Ö1
Entschlafung Mariens – Orthodoxe Perspektiven auf einen Marien-Feiertag
Für orthodoxe Christinnen und Christen geht am 15. August eine 14-tägige Fastenzeit zu Ende: So hoch ist der Stellenwert von „Mariä Himmelfahrt“ für sie – dass sie zur Vorbereitung darauf sogar zwei Wochen lang auf Fleisch, Fisch, Eier und Milchprodukte verzichten. Allerdings sprechen sie nicht von einer „Himmelfahrt“ oder von der „Aufnahme Mariens in den Himmel“, sondern schlicht von der „Entschlafung Mariens“. Und statt „Muttergottes“ nennen sie die Mutter des Jesus aus Nazareth lieber „Gottesgebärerin“. Markus Veinfurter hat sich das alte Fest am 15. August – das älteste Marienfest der Christenheit – einmal aus einer orthodoxen Perspektive angeschaut.
Volksfrömmigkeit und Frauengesundheit – Die „Goldhauben-Chefin“ Christine Huber über die „Kräuterbuschen“
Arnika als Schutz vor Feuer, Getreideähren als Symbol für das tägliche Brot, Schafgarbe, Baldrian, Salbei, Kamille – und in der Mitte häufig die Königskerze, die als Zeichen der Marienverehrung zentral platziert wird: „Kräuterbuschen“ gehören in vielen Gegenden Österreichs zum regionalen Brauchtum rund um das Fest „Mariä Himmelfahrt“ Mitte August. Viele der Kräuter spielen auch in der traditionellen Medizin eine wichtige Rolle. Und gerade in der Zeit ab dem 15. August (dem „Großen Frauentag“) bis zum 15. September gelten sie als besonders heilwirkend und daher wird diese Zeitspanne auch „Frauendreißiger“ genannt. Was es zudem mit der genauen – aber von Gegend zu Gegend variierenden – Anzahl der Kräuter im traditionellen Kräuterbuschen auf sich hat und wie das Wissen von Generation zu Generation weitergegeben und gerade in letzter Zeit an Wertschätzung gewonnen hat, das hat sich Maria Harmer von Christine Huber, der Landesvorsitzenden der oberösterreichischen Goldhauben, in ihrem Kräutergarten in Gallneukirchen erzählen lassen.
Wer begreift, hat Flügel – Valie Export und die Orgel vom Pöstlingberg
In den 1960er und 70er-Jahren hat sie unter anderem mit Körperaktionen im öffentlichen Raum sowohl große Aufmerksamkeit als auch Aufregung erzeugt: die international tätige Medien- und Performance-Künstlerin mit Linzer Wurzeln, Valie Export. Die 1940 geborene und dieses Jahr gestorbene, bekennende Feministin hat aber auch künstlerische Spuren in ihrer Heimatstadt hinterlassen. Sie hat die neue Orgel in der Wallfahrtskirche auf dem Linzer Pöstlingberg, die 2023 eingeweiht worden ist, künstlerisch mitgestaltet. Eine neue Orgel war notwendig geworden, weil das alte Instrument kaum mehr spielfähig war. Andreas Mittendorfer hat Valie Export damals unter anderem über ihr Engagement im Bereich kirchlicher Kunst vor das Mikrofon gebeten und die Kirche auf dem Pöstlingberg mit ihrer neuen Orgel besucht.
Selig und mit Glück beschenkt – Aspekte der Bibel
(Lk 11, 27-28)
Anlässlich des Feiertags „Mariä Himmelfahrt“ ist für katholische Gottesdienste u.a. ein Text aus dem Lukasevangelium vorgesehen, der die frühe Verehrung der Mutter des Jesus aus Nazareth belegt – und dazu bereits einen kritischen Kommentar liefert. Erzählt wird von einer Frau, die einen fast euphorischen Jubelruf auf Maria kundtut, und von Jesus, der den Ruf schroff zurückweist und sagt: „Ja, selig sind vielmehr, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ Für die katholische Theologin und Religionssoziologin Regina Polak ist der Text Anlass darüber nachzudenken, was die Bibel der menschlichen Neigung, Menschen und Mächte zu idealisieren, zu bewundern und manchmal sogar zu vergöttlichen, entgegenstellt.
Moderation: Brigitte Krautgartner
LEBENSKUNST – Begegnungen am Sonntagmorgen, 16. August 2026, 7:05 – 8:00, Ö1
Lebenstiefe ist mehr als Lebensqualität – Clemens Sedmak und eine jesuanische Lebensschule
Fürs Leben kann man durchaus von Jesus aus Nazareth lernen, meint Clemens Sedmak. Der katholische Theologe, Philosoph und Sozialethiker fragt in seinem jüngsten Buch „Wie leben? Von Jesus lernen“ nach Lebenstiefe und findet Anregungen bei den Autoren der vier Evangelien im Neuen Testament der Bibel. Lebenstiefe, das betont der mehrfache Vater Clemens Sedmak, hängt besonders mit den Bindungen zusammen, die Menschen eingehen. Dazu gehört auch das Übernehmen von Verantwortung, die diese Bindungen verlangen, was keineswegs immer einfach ist. Dass Lebenstiefe mehr ist als Lebensqualität, zeigt etwa das Leben des österreichischen Wehrdienstverweigerers Franz Jägerstätter (1907-1943), für den Christentum und Nationalsozialismus nicht vereinbar waren und der deshalb die Todesstrafe erlitt. Themen, über die Lisa Ganglbaur mit Clemens Sedmak gesprochen hat.
Vom Atem als Brücke und vom inneren Feuer – Tulku Lobsang und das Tibetische Heilyoga
Arme heben und während des Ausatmens die Arme bis zu den Hüften senken, dabei mit einem leisen HA-Laut alle Unreinheiten des Atems aushauchen. So wird nur eine der vielen Übungen der tibetischen Bewegungslehre Lu Jong beschrieben. Diese sehr alte und ursprüngliche Form des Yoga hat der buddhistische Lehrer Tulku Lobsang auch modernen Menschen erschlossen. Gundi Lamprecht hat bei einem seiner Besuche in Österreich an einem Workshop des tibetischen Meisters teilgenommen.
Lebenssinn und Achtsamkeit – Elemente von „Longevity“
Ernährung spielt eine große Rolle, ebenso Bewegung, Schlaf und andere Lebensgewohnheiten: „Longevity“, Langlebigkeit bei physischer und psychischer Gesundheit, ist in aller Munde. Doch auch Sinn und Achtsamkeit sind wichtige Bausteine für Longevity, meint der österreichische Mediziner und Pharmaforscher Hubert Trübel. Maria Harmer hat mit ihm unter anderem darüber gesprochen, wie ein Lebenssinn gefunden werden kann - und was er von seiner Reise nach Bhutan zurück nach Österreich mitgenommen hat.
„Die kleinen Hunde essen von den Brotkrumen ihrer Herren“ – Aspekte der Bibel
(Mt 15, 21-28)
Dass Jesus, ein Jude aus Nazareth, als Messias, als der Gesandte Gottes gilt, wird besonders im Evangelium nach Matthäus, entstanden etwa 90 nach unserer Zeitrechnung, betont. In der Textstelle, die an diesem Sonntag in katholischen Gottesdiensten auf dem Programm steht, macht Jesus klar, dass er sich als Prophet für das Volk Israel versteht und vergleicht Nicht-Jüdinnen und Nicht-Juden gar mit kleinen Hunden. Als ihn jedoch eine Frau aus Kanaan beharrlich um die Heilung ihrer Tochter bittet, gibt er nach. Christinnen und Christen, so meint der katholische Theologe und Judaist Gerhard Langer, täten gut daran „sich daran zu erinnern, was Matthäus deutlich aussprach.“ Das Christentum könne nie losgelöst werden „vom Judentum, seiner Basis und Wurzel“.
Moderation: Martin Gross