Damit verschließt Gesundheitsminister Stöger nach den Worten der Lebensschutzbeauftragten der Erzdiözese Wien, Stephanie Merckens, die Augen vor einem gravierenden und kirchlicherseits immer wieder vorgebrachten Einwand gegen die "Pille danach": nämlich auf deren abtreibender Wirkung. Wer diese leugne, gehe offenbar davon aus, dass eine Schwangerschaft erst mit der Einnistung des Embryos beginnt. "Wissenschaftlich ist aber klar, dass bereits ab der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle ein neuer Mensch entstanden ist", stellte Merckens klar. Wer verhindere, dass sich dieses neue menschliche Wesen in der Gebärmutter einnisten kann, beende dessen Leben.
"Es tut weh, wie hier aus ideologischen Gründen falsch informiert wird und selbst Warnungen der Ärztekammer in den Wind geschlagen werden", so Merckens weiter. Die Entscheidung Stögers sei "furchtbar traurig und komplett falsch".
Auch die Hoffnung auf weniger Abtreibungen als Folge der rezeptfreien "Pille danach" kann die Lebensschutzbeauftragte nicht teilen. Zum einen fehle in Österreich jedwedes Datenmaterial darüber, wie viele Abtreibungen es gibt, sowie der Wille, die Fakten zu erheben. "Zum anderen brauchen wir uns nichts vormachen", so Merckens weiter, "die Pille danach ist ein Baustein mehr, der fälschlicherweise suggeriert, dass Sex nichts mit Kinderkriegen zu tun hat". Verantwortung schaue anders aus, und Liebe schon gar, sagte Merckens.
"Armutszeugnis für die Gesundheitspolitik"
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Als "Armutszeugnis für die Gesundheitspolitik" wertete die "Aktion Leben" den Bundesamtsbescheid. "Wir sind bestürzt, dass der Politik zur Prävention ungewollter Schwangerschaften nichts Besseres einfällt, als die 'Pille danach' rezeptfrei abzugeben", erklärte Generalsekretärin Martina Kronthaler. Die "Pille danach" sei mit gutem Grund bislang rezeptpflichtig gewesen. Abhängig vom Zeitpunkt der Einnahme verzögert sie den Eisprung oder aber verhindert die Einnistung einer befruchteten Eizelle.
Die "Pille danach" ist laut Kronthaler "keine Bagatelle", sondern ein Hormonpräparat mit erheblicher Dosierung, das unter ärztliche Aufsicht gehört: "Es ist verantwortungslos gegenüber Frauen, die Warnung der Österreichischen Ärztekammer vor der rezeptfreien Abgabe einfach zu ignorieren!"
Die ethische Frage nach einer möglichen Frühabtreibung müsse sich jede Frau bzw. jedes Paar selbst stellen, betonte Kronthaler: "Der Gesundheitsminister aber muss sich fragen lassen, ob er sich nicht aus seiner Verantwortung für die körperliche und seelische Gesundheit vor allem junger Menschen stiehlt".
Durch die rezeptfreie Abgabe werde ein mechanistisches Weltbild vermittelt, das jungen Menschen keinerlei Orientierung bietet, um Sexualität in Liebe und Beziehung leben zu lernen. Die Maßnahme könne im Gegenteil den Druck auf Mädchen erhöhen, sexuelle Wünsche umgehend zu erfüllen, und untergrabe die Bemühungen um eine partnerschaftliche Verhütung. Die Rezeptfreiheit der "Pille danach" sei somit eine "billige Antwort auf die Versäumnisse der schulischen Sexualerziehung und Aufklärungsarbeit", kritisierte Martina Kronthaler.
Die "Aktion Leben" fordere eine umfassende wertorientierte Sexualerziehung, die den liebenden und Beziehung suchenden Menschen in den Mittelpunkt stellt, sowie individuelle Hilfen für jene, die sich auch zu einem ungeplanten Kind bekennen", erklärte Kronthaler.
Ärzte: Massiver Eingriff in Hormonhaushalt
Nachdem Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek und Gesundheitsminister Alois Stöger vor einigen Wochen einen neuen Vorstoß zur rezeptfreien Abgabe der "Pille danach" angekündigt hatten, war deutlicher Protest von kirchlicher Seite, aber auch aus der Ärztekammer laut geworden. Das Medikament greife "massiv in den weiblichen Hormonhaushalt" ein, begründete etwa der Bundessprecher der Fachgruppe Gynäkologie und Geburtshilfe, Gerhard Hochmaier, die strenge Rezeptpflicht.
Die österreichischen Bischöfe hatten bei ihrer jüngsten Vollversammlung an die Politik appelliert, Schritte zu einem umfassenden Lebensschutz zu setzen, anstatt die rezeptfreie Abgabe der "Pille danach" zu ermöglichen. Die Aufhebung der Rezeptpflicht verursache "eine Verlagerung der Maßnahmen zur Geburtenregelung von der Vorbeugung zur nachträglichen Verhinderung bzw. Frühabtreibung", warnte auch der Katholische Laienrat.
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