Frage
Als Bischof von Rom sind Sie Nachfolger des Heiligen Petrus. Wie könnte denn das Petrusamt heute zeitgemäß aussehen. Und sehen Sie einen Spannungsbogen auch zwischen einerseits dem Primat des Papstes und andererseits der Vorstellung von der Kollegialität der Bischöfe?
Benedikt XVI.
Ein Spannungsbogen ist es natürlich, und soll es auch sein. Vielheit und Einheit müssen immer wieder zueinander finden, und dieses Zueinander muss in den wechselnden Weltsituationen auch immer neu eingespielt werden. Ja, heute haben wir eine neue Polyphonie der Kulturen, in der nicht mehr Europa allein determiniert, sondern die Christengemeinden der verschiedenen Kontinente ihr eigenes Gewicht, ihre eigene Farbe annehmen. Dieses Zusammenspiel müssen wir immer wieder neu lernen. Wir haben dafür verschiedene Instrumente entwickelt. Die so genannten Ad-Limina-Besuche, die es immer gab, werden jetzt viel mehr genutzt, um wirklich mit allen Instanzen des Heiligen Stuhls und eben auch mit mir zu reden. Ich spreche mit jedem einzelnen Bischof persönlich. Ich habe inzwischen mit fast allen Bischöfen Afrikas und vielen aus Asien sprechen können. Jetzt wird Mitteleuropa, Deutschland, Schweiz dran sein, und in solchen Begegnungen, wo dann eben wirklich Zentrum und Peripherie einander treffen und freimütig austauschen, wächst dann das richtige Ineinander in diesem Spannungsbogen. Dann haben wir weitere Instrumente: die Synode, das Konsistorium, das ich jetzt regelmäßig halten werde und entwickeln möchte, wo man ohne große Tagesordnung anstehende Probleme miteinander bespricht und nach Lösungen sucht. Wir wissen einerseits, dass der Papst kein absoluter Monarch ist, sondern sozusagen das Ganze verkörpern muss in dem gemeinsamen Hinhören auf Christus. Aber das Bewusstsein dafür, dass es sozusagen eine vereinigende Instanz braucht, die auch Unabhängigkeit von den politischen Kräften verschafft und die dafür sorgt, dass sich Christianismen nicht zu sehr mit Nationalitäten identifizieren: diese Einsicht, dass es eine solche übergreifende Instanz braucht, die im Zusammenspiel des Ganzen Einheit schafft und andererseits die Vielheit aufnimmt, annimmt und fördert, die ist sehr stark. Insofern gibt es in dem Sinn, glaube ich, wirklich auch eine innere Zustimmung zum Petrusamt in dem Willen, es so weiter zu entwickeln, dass es dem Willen des Herrn und den Anforderungen der Zeit entspricht.






