Frage
Thema Familie: Vor etwa einem Monat waren Sie in Valencia beim Familienkongress. Und wer gut hingehört hat - wir von Radio Vatikan versuchen, das zu tun -, hat gemerkt, dass Sie nie das Wort Homo-Ehe angesprochen haben, nie von Abtreibung, nie von Verhütung gesprochen haben. Aufmerksame Beobachter sagen sich: Interessant! Offenbar ist seine Intention, den Glauben zu verkünden und nicht als Moralapostel durch die Welt zu reisen. Können Sie das kommentieren?
Benedikt XVI.
Ja natürlich. Zuerst muss man sagen: Ich hatte ganze zwei mal zwanzig Minuten Zeit. Und wenn man nur so viel Zeit zur Verfügung hat, kann man nicht gleich mit dem Neinsagen daher kommen. Man muss ja erst wissen, was wir überhaupt wollen, nicht wahr. Und das Christentum, der Katholizismus ist nicht eine Ansammlung von Verboten, sondern eine positive Option. Und die wieder sehen ist ganz wichtig, weil die fast ganz aus dem Blickfeld verschwunden ist. Man hat so viel gehört, was man nicht darf, dass man jetzt hingegen sagen muss: Wir haben aber eine positive Idee, dass Mann und Frau zueinander geschaffen sind, dass sozusagen es die Skala Sexualität, Eros, Agape, die Dimensionen der Liebe gibt und dass auf die Weise dann zunächst Ehe als beglücktes Ineinander von Mann und Frau und dann als Familie wächst. Dass Kontinuität der Generationen geschieht, in der die Versöhnung der Generationen erfolgt und in der dann auch die Kulturen sich begegnen können. Zunächst einmal also herausstellen, was wir wollen, ist einfach wichtig. Dann kann man auch sehen, warum wir irgendetwas nicht wollen. Und ich glaube, man muss ja sehen, dass es nicht eine katholische Erfindung ist, dass Mann und Frau zueinander geschaffen sind, damit die Menschheit weiterlebt - das wissen eigentlich alle Kulturen. Was die Abtreibung angeht, gehört sie nicht ins sechste, sondern ins fünfte Gebot „Du sollst nicht töten!" Und das sollten wir eigentlich als selbstverständlich voraussetzen und müssen immer wieder betonen: Der Mensch fängt im Mutterschoß an und bleibt Mensch bis zu seinem letzen Atemzug. Daher muss er immer als Mensch respektiert werden. Aber das wird einsichtig, wenn zuvor das Positive gesagt ist.






