„Sakrileg" basiert auf der Annahme, dass außer der bekannten Jesusüberlieferung, wie sie im Neuen Testament bezeugt ist, alternative Facetten des Lebens und der Botschaft von Jesus existieren, die von der Kirche (stets ist die röm.-kath. Kirche angesprochen) gewaltsam unterdrückt worden seien und immer noch werden. Richtig ist aber, dass die gesamte Christenheit der ersten Jahrhunderte kein Interesse hatte, historisch relevante Aussagen über das Leben von Jesus von Nazareth zu verfälschen, zu unterdrücken oder gar zu vernichten. Auch Jesusworte, die kirchenkritisch zu verstehen sind, werden von den Kirchen überliefert.
Das Wissen über Jesus Christus stützt sich zum größten Teil auf die Texte, die zwischen 50 und 150 n. Chr. entstanden und zum Neuen Testament zusammengefasst wurden. Die vier Evangelien (Matthäus, Markus, Lukas, Johannes) wurden zwischen 65 und spätestens 110 n. Chr. verfasst und sind nachweislich unverändert bis heute überliefert. Es gibt auch frühchristliche Schriften, die nicht in die Bibel aufgenommen worden sind. Das heißt aber nicht, dass alle Apokryphen von der Kirche abgelehnt würden. Innerhalb der apokryphen Literatur gibt es zahlreiche Unterschiede. So steht etwa die Didache oder der Clemensbrief innerhalb der kirchlichen Tradition, während Philipper-, Thomas- oder Judasevangelium zu gnostischen, also nichtchristlichen Werken gezählt werden müssen. Ob in den gnostischen Evangelien neue Hinweise auf den historischen Jesus gefunden werden können, wird in der Wissenschaft noch diskutiert.
Quelle: Informationsfolder der Diözese Graz-Seckau






