Innsbrucker Theologe: Historische Behauptungen Browns sind "aus historischer und theologischer Sicht blanker Unsinn"
Wien, 10.5.06 (KAP) Der Innsbrucker Dogmatiker Jozef Niewiadomski zeigt Verständnis für die jüngste Äußerung des Präfekten der vatikanischen Gottesdienstkongregation, Kardinal Francis Arinze, rechtliche Schritte gegen den in der kommenden Woche anlaufenden Film "Sakrileg" zu prüfen. Gegenüber der römischen Tageszeitung "La Repubblica" hatte Arinze davon gesprochen, dass es "rechtliche Wege" gebe, um die Rechte der Christen durchzusetzen. Die Person Jesu Christi dürfe "nicht beleidigt werden", so Arinze.
Wörtlich sagte Niewiadomski im Ö1-Mittagsjournal am Mittwoch, wenn der Autor Dan Brown behauptet hätte, sein Roman "Der Da Vinci Code" ("Sakrileg") wäre "nur Fiktion", so könnte man darüber "lachen oder sich langweilen". Wenn er nun jedoch behaupte, er würde in einem Sachbuch genau das gleiche schreiben wie in seinem Roman, so gelte es, gegenüber diesem "Machwerk kulturpolitisch vorsichtig" zu sein. Schließlich müsse man "ja auch mit Klagen rechnen, wenn man so etwas über eine Bank oder Versicherung schreibt", so Niewiadomski.
Die historischen Thesen Browns, insbesondere jene von einer angeblichen Ehe Jesu sowie jene einer "Erfindung" der Verehrung der Person Jesu durch Kasier Konstantin, wertete der Theologe als Unsinn. So sei die Kanonbildung, die Herausbildung der vier kanonisierten Evangelientexte, die von Leben und Werk Jesu berichten, bereits um das Jahr 200 abgeschlossen, "also fast 120 Jahre vor Konstantin". Zwar sei Kaiser Konstantin ein "geschickter Realpolitiker" gewesen, so Niewiadomski, der wusste, das man "Religion als Mittel sozialer Integration benutzen kann". Daraus jedoch die These abzuleiten, dass Kaiser Konstantin der "Erfinder des Christentums" sei, müsse "theologisch als Blödsinn bezeichnet werden".
Auch für die Behauptung des Buches, Jesus sei verheiratet gewesen, gebe es im Neuen Testamten laut Niewiadomski keinen Hinweis. So seien sich selbst die "Profan-Historiker" einig, dass "die verlässlichsten historischen Quellen zur Person Jesus von Nazareth immer noch die kanonischen Evangelien sind". Diese erwähnten eine angebliche Heirat Jesu jedoch an keiner Stelle, so dass man diese Behauptung "aus historischer und theologischer Sicht als blanken Unsinn" bezeichnen könne.






