Kritik an Dan Browns Roman "Sakrileg" ist bereits zahlreich und zum Teil vehement geäußert worden. Im Zentrum der kirchlichen Ablehnung des Romans und der in ihm erhobenen Behauptungen stehen dabei die Thesen rund um die Person Jesu Christi.
Die Anstößigkeit dieser Thesen wird dabei durch den Autor selbst forciert, wenn dieser behauptet: "Sämtliche in diesem Roman erwähnten Werke der Kunst und Architektur und alle Dokumente sind wirklichkeits- bzw. wahrheitsgetreu wiedergegeben". Angeheizt wurde die Diskussion weiterhin durch die Aussage Browns, er würde selbige Thesen auch in einem Sachbuch wiederholen.
Behauptungen/Kritik:
1) Der Roman behauptet, Jesus sei mit Maria Magdalena verheiratet gewesen und diese habe ihm eine Tochter geboren. U.a. über das Haus der Merowinger bestehe bis heute eine auf Jesus zurückführbare Linie.
- In keinem der Evangelientexte, die auch für Profanhistoriker noch immer die authentischste historische Quelle über die Person Jesus von Nazareth darstellen, wird erwähnt, dass Jesus verheiratet gewesen sei. Auch die angebliche Schwangerschaft Maria Magdalenas sei - so der Theologe Jozef Niewiadomski - "blanker Unsinn".
2) Der Roman behauptet, dass die christologische Verehrung des Gottessohnes erst unter Kaiser Konstantin um 325 n.Chr. eingeführt worden sei.
- Allein die Tatsache, dass die frühchristliche Briefliteratur (z.B. der Brief an die Philipper) eine dezidierte Christusverehrung kennt, sowie die Tatsache, dass die Kanonbildung bereits über 100 Jahre vor Kaiser Konstantin abgeschlossen war und als Produkt einer bereits existenten christologischen Verehrung zu verstehen ist, zeigt die Unstimmigkeit dieser These.
3) Das "Opus Dei" wird als innerkirchliche Sekte beschrieben, die selbst vor Bestechung und Mordanschlägen nicht zurückschrecke.
- Das "Opus Dei" hat kirchenrechtlich den Rang einer "Personalprälatur", d.h. es besitzt den Status einer Diözese ohne eigenes Territorium. Damit ist das Opus Dei innerkirchlich klar definiert. Ebensowenig lassen sich angebliche Bestechungszahlungen oder gar Mordkomplotte in irgendeiner Form nachweisen.
4) Die römisch-katholische Kirche trägt die Hauptverantwortung an der Tötung von fünf Millionen Frauen als "Hexen" auf dem Scheiterhaufen
- Zwar ist in keiner Weise an schuldhaften Handlungen der Kirche in diesem Zusammenhang zu zweifeln, jedoch muß zumindest darauf hingewiesen werden, dass seriöse Historiker heute von etwa 50.000 Opfern (entgegen der von Brown behaupteten fünf Millionen) ausgehen
Neben diesen Behauptungen lässt sich weiterhin die bewußt verschwörungstheoretisch aufbereitete Verwebung zahlreicher kirchen- wie kunstgeschichtlicher Mythen kritisieren:
So bildet die bekannte Leonardo Da Vinci-Darstellung des letzten Abendmahls den zentralen Ausgangspunkt der Verschwörungstheorie, insofern Brown auf dem Gemälde sowohl Maria Magdalena als Jüngerin Jesu zu erkennen glaubt, als auch die Elemente der Grals-Legende abgebildet findet.
Weiterhin nimmt Brown den Mythos vom Heiligen Gral auf, in welchem der laut Brown gemeinsam mit der schwangeren Maria Magdalena nach Gallien geflüchtete Anhänger Jesu, Josef von Arimathäa, das Blut Jesu gesammelt haben soll.
Leonardo Da Vinci wird von Brown zu einem hohen Würdenträger des angeblichen Geheimbundes "Prieure de Sion" stilisiert, der zahlreiche Bilder im Auftrag des Vatikan gemalt haben soll. Tatsächlich wurde die Legende des angeblichen Geheimbundes im Jahr 1956 demontiert, insofern ihr "Erfinder" unter Eid aussagte, die Geschichte erfunden und dafür Urkunden gefälscht zu haben.
Quelle: Infofolder "Anmerkungen zu Dan Browns 'Sakrileg'" der Diözese Graz-Seckau & Süddeutsche Zeitung






