Ökumenischer Patriarch betont innerorthodoxen Vorrang
Bartholomaios I. ist seit 15 Jahren im Amt - Der Patriarch von Konstantinopel hat nicht nur einen Ehrenvorrang=
Ökumenischer Patriarch betont innerorthodoxen Vorrang
Bartholomaios I. ist seit 15 Jahren im Amt - Der Patriarch von Konstantinopel hat nicht nur einen Ehrenvorrang=
Istanbul, 21.11.06 (KAP) Kurz vor dem Besuch von Benedikt XVI. im Phanar hat der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. das Selbstverständnis seines Amtes betont. Er tat das in einem 15-seitigen Dokument mit dem Titel "Die Sendung des Ökumenischen Patriarchats im 20. Jahrhundert". Darin wird neuesten Versuchen zu einer Abwertung des Ökumenischen Patriarchats durch einzelne orthodoxe, aber auch katholische Theologen entgegengetreten, die das Amt des Ökumenischen Patriarchen auf eine reine Ehrenfunktion reduzieren wollen.
Die Schrift steht auch mit dem Amtsjubiläum des Patriarchen im Zusammenhang: Seit genau 15 Jahren - November 1991 - bestimmt Bartholomaios I. die Geschicke des Patriarchats von Konstantinopel und koordiniert die 15 unabhängigen orthodoxen Ostkirchen mit insgesamt rund 350 Millionen Gläubigen. Seitdem verteidigt er mit Elan und zäher Beharrlichkeit am Bosporus deb Bestand des Ökumenischen Patriarchats, hält die von Spaltungen bedrohte Einheit der Orthodoxen zusammen und betont - in einer Zeit ökumenischer Ermüdung - das Ideal der christlichen Einheit. Als "grüner Patriarch" setzt er die tief ökologische Grundhaltung der Orthodoxie in die Tat um.
Dem Patriarchen gelang es seit seinem Amtsantritt vor 15 Jahren, die Einheit der östlichen Kirchenfamilie trotz mancher Spannungen zu erhalten. Die überwiegende Zahl der Orthodoxen blieb der Ökumenischen Bewegung treu. Auf diesem Hintergrund konnte der unterbrochene internationale katholisch-orthodoxe Dialog in diesem Herbst in Belgrad wieder aufgenommen werden.
Allerdings wurde dabei die Führungsrolle des Ökumenischen Patriarchats in Frage gestellt. In seinem aktuellen Dokument tritt Bartholomaios I. deshalb der Ansicht entgegen, es handle sich bei der Sonderstellung des Ökumenischen Patriarchats nur um einen mit der von 330 bis 1453 gegebenen Funktion Konstantinopels als Sitz des römischen Kaisers in Zusammenhang stehenden Ehrenprimat. Dieser wäre nach Auffassung vor allem russisch-orthodoxer Theologen nach der Einnahme Konstantinopels durch die Osmanen 1453 erloschen.
Der Patriarch erinnert daran, dass der Rang Konstantinopel gleich hinter Rom vom Zweiten Ökumenischen Konzil 381 festgelegt wurde; das Vierte Ökumenische Konzil im Jahr 451 stellte das "Neue Rom" sogar mit dem "Alten Rom" gleich. Konstantinopel möge spezielle Verantwortung und Jurisdiktion für die noch nicht kirchlich erfassten Gebiete der Welt wahrnehmen, hätten die Konzilsväter gemeint - einer der Gründe für den Titel "Ökumenisches" (weltweites) Patriarchat.
In dieser Linie führt Bartholomaios dann die besonderen Aufgaben des Patriarchats auf dessen Funktion als ostkirchliche Höchstinstanz in allen Streitfällen und als Jurisdiktionsträger für die orthodoxe Diaspora außerhalb der fest gefügten Patriarchate und "autokephalen" (selbständigen) Kirchen zurück. Daraus habe sich im Lauf der Kirchengeschichte eine Koordination der gesamten Orthodoxie durch Konstantinopel entwickelt. So sei das Ökumenische Patriarchat Beistand all jener Kirchen, die nach Verfolgungen, Spaltungen und inneren Machtkämpfen ihre Probleme allein nicht mehr lösen können.
Bartholomaios I. selbst hat diese Aufgabe u.a. im Hinblick auf die Kirche Georgiens, bei der Wiedererrichtung der orthodoxen Kirche Albaniens, mit seiner Intervention im bulgarischen Kirchenstreit und bei der Absetzung des Patriarchen Irenaios von Jerusalem ausgeübt. Auch ist es Konstantinopel, das die gesamte Orthodoxie in gemeinsamen Anliegen koordiniert und repräsentiert; z.B. im Dialog mit der römisch-katholischen Kirche.
Schließlich nimmt Bartholomaios I. für sich zwar keine Unfehlbarkeit, wohl aber die Sendung eines gesamtorthodoxen "Verkünders der Wahrheit" in Anspruch. So präsentiert sich der Ökumenische Patriarch dem päpstlichen Besucher (der selbst seinen abendländischen Patriarchentitel abgelegt hat) nicht nur als Oberhirte einer der orthodoxen Schwesterkirchen, sondern als Koordinator und Sprecher der gesamten Orthodoxie. Das war schon das Fundament erster Annäherung zwischen Johannes XXIII. und Athenagoras I. und blieb die Grundlage aller weiteren Begegnungen zwischen römischen Päpsten und Ökumenischen Patriarchen.
Als der künftige Patriarch am 29. Februar 1940 auf der Insel Imbros vor den Dardanellen geboren wurde, war diese fast nur von orthodoxen Christen bewohnt. Insgesamt zählte das Patriarchat Konstantinopel in der Türkei noch an die 160.000 Gläubige, in Istanbul wirkte der spätere Papst Johannes XXIII. als Apostolischer Delegat. Für den jungen Dimitrios Archondonis war es nicht vorauszusehen, dass er zum Steuermann der Orthodoxie in stürmischen Zeiten bestimmt war.
Doch ist jetzt zu seinem 15-Jahr-Jubiläum als Patriarch auch eine türkische Festschrift mit dem Titel "Bir Patrik Cocukken" (Ein Patriarch als Kind) mit Aufsätzen aus seiner Schulzeit auf Imbros und in Istanbul erschienen. Die Aufsätze lassen bereits die spätere Karriere des hoch begabten jungen Menschen erahnen.
Die ausgedehnten Studien auf Chalki, in Rom, München und Genf weiteten den Horizont des jungen Dimitrios Archondonis. Sein Bild von Kirche wurde ganz wesentlich von Metropolit Chrysostomos (Konstantinidis) bestimmt, der bis zuletzt Weggefährte von Bartholomaios I. als Theologe, Bischof und Patriarch geblieben ist. Erst im Oktober verstarb Metropolit Chrysostomos hochbetagt in Iraklion auf Kreta.
Nach seinem Amtsantritt als Ökumenischer Patriarch Ende 1991 versammelte Bartholomaios I. schon im März des folgenden Jahres die Oberhirten aller orthodoxen Ostkirchen zu einer "Synaxis", einer panorthodoxen Versammlung. Er wollte erreichen, dass die vom Joch des Kommunismus befreiten Orthodoxen Ost- und Südosteuropas ihre neue Freiheit in Verantwortung gegenüber den Schwesterkirchen leben und allen Versuchungen des Nationalismus widerstehen, der vom Ökumenischen Patriarchat bereits 1872 unter der Bezeichnung "Philetismus" verurteilt worden war.
Bartholomaios I. ist seit 15 Jahren im Amt - Der Patriarch von Konstantinopel hat nicht nur einen Ehrenvorrang=
Istanbul, 21.11.06 (KAP) Kurz vor dem Besuch von Benedikt XVI. im Phanar hat der Ökumenische Patriarch Bartholomaios I. das Selbstverständnis seines Amtes betont. Er tat das in einem 15-seitigen Dokument mit dem Titel "Die Sendung des Ökumenischen Patriarchats im 20. Jahrhundert". Darin wird neuesten Versuchen zu einer Abwertung des Ökumenischen Patriarchats durch einzelne orthodoxe, aber auch katholische Theologen entgegengetreten, die das Amt des Ökumenischen Patriarchen auf eine reine Ehrenfunktion reduzieren wollen.
Die Schrift steht auch mit dem Amtsjubiläum des Patriarchen im Zusammenhang: Seit genau 15 Jahren - November 1991 - bestimmt Bartholomaios I. die Geschicke des Patriarchats von Konstantinopel und koordiniert die 15 unabhängigen orthodoxen Ostkirchen mit insgesamt rund 350 Millionen Gläubigen. Seitdem verteidigt er mit Elan und zäher Beharrlichkeit am Bosporus deb Bestand des Ökumenischen Patriarchats, hält die von Spaltungen bedrohte Einheit der Orthodoxen zusammen und betont - in einer Zeit ökumenischer Ermüdung - das Ideal der christlichen Einheit. Als "grüner Patriarch" setzt er die tief ökologische Grundhaltung der Orthodoxie in die Tat um.
Dem Patriarchen gelang es seit seinem Amtsantritt vor 15 Jahren, die Einheit der östlichen Kirchenfamilie trotz mancher Spannungen zu erhalten. Die überwiegende Zahl der Orthodoxen blieb der Ökumenischen Bewegung treu. Auf diesem Hintergrund konnte der unterbrochene internationale katholisch-orthodoxe Dialog in diesem Herbst in Belgrad wieder aufgenommen werden.
Allerdings wurde dabei die Führungsrolle des Ökumenischen Patriarchats in Frage gestellt. In seinem aktuellen Dokument tritt Bartholomaios I. deshalb der Ansicht entgegen, es handle sich bei der Sonderstellung des Ökumenischen Patriarchats nur um einen mit der von 330 bis 1453 gegebenen Funktion Konstantinopels als Sitz des römischen Kaisers in Zusammenhang stehenden Ehrenprimat. Dieser wäre nach Auffassung vor allem russisch-orthodoxer Theologen nach der Einnahme Konstantinopels durch die Osmanen 1453 erloschen.
Der Patriarch erinnert daran, dass der Rang Konstantinopel gleich hinter Rom vom Zweiten Ökumenischen Konzil 381 festgelegt wurde; das Vierte Ökumenische Konzil im Jahr 451 stellte das "Neue Rom" sogar mit dem "Alten Rom" gleich. Konstantinopel möge spezielle Verantwortung und Jurisdiktion für die noch nicht kirchlich erfassten Gebiete der Welt wahrnehmen, hätten die Konzilsväter gemeint - einer der Gründe für den Titel "Ökumenisches" (weltweites) Patriarchat.
In dieser Linie führt Bartholomaios dann die besonderen Aufgaben des Patriarchats auf dessen Funktion als ostkirchliche Höchstinstanz in allen Streitfällen und als Jurisdiktionsträger für die orthodoxe Diaspora außerhalb der fest gefügten Patriarchate und "autokephalen" (selbständigen) Kirchen zurück. Daraus habe sich im Lauf der Kirchengeschichte eine Koordination der gesamten Orthodoxie durch Konstantinopel entwickelt. So sei das Ökumenische Patriarchat Beistand all jener Kirchen, die nach Verfolgungen, Spaltungen und inneren Machtkämpfen ihre Probleme allein nicht mehr lösen können.
Bartholomaios I. selbst hat diese Aufgabe u.a. im Hinblick auf die Kirche Georgiens, bei der Wiedererrichtung der orthodoxen Kirche Albaniens, mit seiner Intervention im bulgarischen Kirchenstreit und bei der Absetzung des Patriarchen Irenaios von Jerusalem ausgeübt. Auch ist es Konstantinopel, das die gesamte Orthodoxie in gemeinsamen Anliegen koordiniert und repräsentiert; z.B. im Dialog mit der römisch-katholischen Kirche.
Schließlich nimmt Bartholomaios I. für sich zwar keine Unfehlbarkeit, wohl aber die Sendung eines gesamtorthodoxen "Verkünders der Wahrheit" in Anspruch. So präsentiert sich der Ökumenische Patriarch dem päpstlichen Besucher (der selbst seinen abendländischen Patriarchentitel abgelegt hat) nicht nur als Oberhirte einer der orthodoxen Schwesterkirchen, sondern als Koordinator und Sprecher der gesamten Orthodoxie. Das war schon das Fundament erster Annäherung zwischen Johannes XXIII. und Athenagoras I. und blieb die Grundlage aller weiteren Begegnungen zwischen römischen Päpsten und Ökumenischen Patriarchen.
Als der künftige Patriarch am 29. Februar 1940 auf der Insel Imbros vor den Dardanellen geboren wurde, war diese fast nur von orthodoxen Christen bewohnt. Insgesamt zählte das Patriarchat Konstantinopel in der Türkei noch an die 160.000 Gläubige, in Istanbul wirkte der spätere Papst Johannes XXIII. als Apostolischer Delegat. Für den jungen Dimitrios Archondonis war es nicht vorauszusehen, dass er zum Steuermann der Orthodoxie in stürmischen Zeiten bestimmt war.
Doch ist jetzt zu seinem 15-Jahr-Jubiläum als Patriarch auch eine türkische Festschrift mit dem Titel "Bir Patrik Cocukken" (Ein Patriarch als Kind) mit Aufsätzen aus seiner Schulzeit auf Imbros und in Istanbul erschienen. Die Aufsätze lassen bereits die spätere Karriere des hoch begabten jungen Menschen erahnen.
Die ausgedehnten Studien auf Chalki, in Rom, München und Genf weiteten den Horizont des jungen Dimitrios Archondonis. Sein Bild von Kirche wurde ganz wesentlich von Metropolit Chrysostomos (Konstantinidis) bestimmt, der bis zuletzt Weggefährte von Bartholomaios I. als Theologe, Bischof und Patriarch geblieben ist. Erst im Oktober verstarb Metropolit Chrysostomos hochbetagt in Iraklion auf Kreta.
Nach seinem Amtsantritt als Ökumenischer Patriarch Ende 1991 versammelte Bartholomaios I. schon im März des folgenden Jahres die Oberhirten aller orthodoxen Ostkirchen zu einer "Synaxis", einer panorthodoxen Versammlung. Er wollte erreichen, dass die vom Joch des Kommunismus befreiten Orthodoxen Ost- und Südosteuropas ihre neue Freiheit in Verantwortung gegenüber den Schwesterkirchen leben und allen Versuchungen des Nationalismus widerstehen, der vom Ökumenischen Patriarchat bereits 1872 unter der Bezeichnung "Philetismus" verurteilt worden war.






