Vatikan veröffentlichte Programm des Papstes in der Türkei
Vatikanstadt, 12.11.06 (KAP) Der Vatikan hat am Wochenende das Programm der Türkei-Reise des Papstes veröffentlicht, seiner fünften Auslandsreise und seiner ersten in ein mehrheitlich islamisches Land. Vom 28. November bis 1. Dezember wird Benedikt XVI. in der Hauptstadt Ankara das obligatorische Staatsprotokoll absolvieren, die Staatsspitze treffen und vor Diplomaten reden. Danach will er im "Haus Mariens" nahe der antiken Weltstadt Ephesus eine Messe feiern und schließlich - als Höhepunkt der Reise - in Istanbul zum orthodoxen Patronatsfest St. Andreas mit dem Ökumenischen Patriarchen Bartholomaios I. zusammentreffen.
Auch wenn das Programm denkbar knapp vor Reiseantritt erschien, gibt es weiterhin viele weiße Flecken. Aufgelistet wird nur die Abfolge der Besuchspunkte, nicht aber deren Zeitpunkt oder die Fahrroute. Offen bleibt, ob er per Auto oder Hubschrauber reist, wie er sich von Ankara nach Ephesus begibt, wo er übernachtet und wann ein "Bad in der Menge" denkbar ist. Die Planungen seien noch nicht abgeschlossen, hieß es im Vatikan; es bleibe aus Sicherheitsgründen geheim, hörte man aus der Türkei.
Klarheit bring die Veröffentlichung zumindest in einem Dauerstreit: In Ankara wird der Papst nicht mit Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan zusammentreffen, sondern mit einem seiner drei Stellvertreter. Ob Erdogan vielleicht nach der Rückkehr vom NATO-Gipfel in Riga doch zur Verabschiedung des Papstes am Flughafen erscheint, bleibt wie vieles andere offen, gilt aber als unwahrscheinlich.
Im Mittelpunkt der Reise steht nach Staatsprotokoll und Marienwallfahrt der katholisch-orthodoxe Kirchengipfel: In Istanbul begibt sich Benedikt XVI. als erstes zum Sitz des Patriarchats im Phanar, wo er den orthodoxen Primas Bartholomaios treffen wird. Am kommenden Tag nimmt Benedikt XVI. an der orthodoxen Liturgie teil. Anschließend wird eine gemeinsame Erklärung unterzeichnet. Der Besuch des Papstes beim Patriarchen von Konstantinopel gilt für das strenge orthodoxe Protokoll als Voraussetzung für Rom-Besuche anderer östlicher Kirchenführer.
Nächster Programmpunkt ist der lange fragliche Besuch des Papstes im "Hagia-Sophia-Museum". Die frühere größte Kirche Ost-Roms war nach dem Fall Konstantinopels 1453 durch die Osmanen zur Moschee umfunktioniert und im neuen laizistischen Staat 1932 zum Museum geworden. Wie dieser Besuch aussieht, der eigentlich erst kurz vor der Abreise stattfinden sollte, ist weiterhin unklar. Am gleichen Nachmittag trifft Benedikt XVI. noch mit dem armenischen Patriarchen, dem syrisch-orthodoxen Metropoliten und dem Oberrabbiner zusammen.
Die Begegnung mit einem Vertreter der Muslime ist bereits am Ankunftstag in Ankara vorgesehen. Dort trifft Benedikt XVI. den Präsidenten für religiösen Angelegenheiten, Ali Bardakoglu. Dieser hatte sich nach ersten Pressemeldungen über die Regensburger Rede des Papstes überaus kritisch geäußert, hatte dann aber auch die Erklärungen des Papstes zur Ausräumung der Missverständnisse positiv gewürdigt. Ob der Papst in seiner Ansprache bei diesem Treffen wie anschließend vor den Diplomaten nochmals auf diese Rede eingeht, ist unklar. Sicher aber wird er sich grundsätzlich zum Verhältnis von Christen und Muslimen äußern, zu gemeinsamen Aufgaben, zu gegenseitigem Verhalten in Respekt und Toleranz. Und er dürfte dabei auch die Lage der christlichen Minderheit ansprechen, die in der Türkei 150.000 Mitglieder zählen und vielfach benachteiligt sind.
Treffen des Papstes mit Katholiken und anderen Christen sind am Marien-Heiligtum von Ephesus sowie bei einer Messe in der Istanbuler Heilig-Geist-Kathedrale am Rückreise-Tag vorgesehen. Allerdings fasst der hinter hohen Mauern versteckte Kathedralbau in Istanbul nahe dem Hilton-Hotel kaum mehr als 100 Personen. Und die nach Attentatsdrohungen und einem geschmacklosen Papst-Attentats-Triller überstrengen türkischen Sicherheitsvorkehrungen werden kaum große jubelnde Menschenmassen zur Begrüßung des Papstes zulassen.






