Istanbul-Ankara, 24.11.06 (KAP) Der türkische Ministerpräsident Recep T. Erdogan hat den Demonstranten gegen den Papstbesuch eine harte Abfuhr erteilt. "Milliyet" zitierte den Premier am Freitag mit den Worten: "Gerade, wo wir uns um den Dialog der Kulturen und Religionen bemühen, versuchen einige, uns an diesem Vorhaben zu hindern. Das stimmt mich traurig. Die Haltung dieser Randgruppen repräsentiert nicht unsere Einstellung".
Die Aktionen der Anti-Papst-Demonstranten werden allerdings im Ausland überbewertet, heißt es in Ankara. Das gelte auch für das von der nicht im Parlament vertretenen Splitterpartei "Saadet Partisi" (SP/Glückseligkeitspartei) für Sonntag angekündigte "Anti-Papst-Meeting". Bei den letzten Parlamentswahlen hatte die "Saadet Partisi" nur ein Prozent der Stimmen erlangt.
Die Polizei in Istanbul hat für das Meeting keine Genehmigung erteilt. Der Generalsekretär der Partei, Recai Kutan, soll daraufhin Innenminister Abdülkadir Aksu telefonisch beschimpft haben. Die Tageszeitung "Sabah" zitiert Kutan mit den Worten: "Auch wenn die Regierung keine Genehmigung erteilt: Das Meeting wird stattfinden. Es ist nicht akzeptabel, dass Homosexuelle und Alkoholiker demonstrieren dürfen und gleichzeitig uns die Genehmigung für ein 'Anti-Papst-Meeting' verweigert wird".
Obskure Gruppe in der Hagia Sophia=
Auch die Aufsehen erregende "Besetzung" der Hagia Sophia durch 39 Demonstranten (davon die Hälfte Minderjährige) der obskuren nationalistischen Splittergruppe "Alperi Ocaklari" wurde von der türkischen Politik verurteilt. Kulturminister Attila Koc fand scharfe Worte für die Demonstranten. Die Polizei setzte Gummiknüppel und Reizgas ein, um die Aktion zu beenden.
Die Demonstranten hatten sich als Touristen getarnt einzeln in die Hagia Sophia eingeschlichen. Im Inneren fanden sie sich zusammen, um zu beten und Slogans gegen den Papst-Besuch zu rufen. Die Museumsbediensteten verständigten sofort die Bereitschaftspolizei, die Minuten später am "Tatort" eintraf.
Der Vorsitzende der "Alperi Ocaklari", Serkan Tüzun, wurde in türkischen Zeitungen mit den Worten zitiert, der Papst habe die islamische Welt durch die "Regensburger Rede" zutiefst beleidigt.






