Benedikt XVI. betonte vor Diplomaten in Ankara Bereitschaft der katholischen Kirche zur Zusammenarbeit mit anderen Religionsgemeinschaften - Plädoyer für "authentischen Dialog der Religionen"
Ankara, 29.11.06 (KAP) Er sei "als Freund und als Apostel des Dialogs und des Friedens" in die Türkei gekommen, sagte der Papst am Dienstagabend vor dem Diplomatischen Corps in Ankara. Die Kirche suche die Zusammenarbeit mit Repräsentanten aller Religionen und vor allem mit den Muslimen, um gemeinsam Frieden und Freiheit, soziale Gerechtigkeit und moralische Werte zu fördern. Er hoffe, dass seine Reise in die Türkei dafür "reiche Früchte" trage. Der Papst sprach sich für einen "authentischen Dialog der Religionen" aus. Dieser Dialog müsse es den verschiedenen Religionen erlauben, einander besser kennen zu lernen und einander zu respektieren, um den "vornehmsten Zielen des Menschen", der Gottsuche und der Suche nach dem wahren Glück, zu dienen.
Der Vize-Dekan des Diplomatischen Corps, der libanesische Botschafter Georges Siam, sagte zur Begrüßung in der Apostolischen Nuntiatur, der Besuch des Papstes hätte zu keinem günstigeren Zeitpunkt erfolgen können. Die Türkei stehe seit Jahrhunderten für eine Koexistenz von Menschen unterschiedlicher Ethnien, Religionen und Kulturen. Auch jetzt sei die Regierung aktiv bemüht, "den immer breiteren Graben zwischen Ost und West, Christentum und Islam zu überbrücken".
Benedikt XVI. erinnerte daran, dass der Friede nicht einfach "Abwesenheit von Krieg" bedeutet, sondern vielmehr die "Frucht von Ordnung und Gerechtigkeit" sei, wie es das Zweite Vatikanische Konzil formuliert habe. In besonderer Weise unterstrich der Papst die Bedeutung des Nahostkonflikts, der "in Besorgnis erregender Weise" andaure und das internationale Leben belaste. Dieser Konflikt vergrößere das Risiko der Ausbreitung von "peripheren Konflikten" und terroristischen Aktionen.
Der Papst nannte die Türkei in seiner Rede eine Brücke zwischen Asien und Europa und einen Ort der Begegnung zwischen Kulturen und Religionen. Der heutige Staat müsse dem Umstand Rechnung tragen, dass die Bevölkerungsmehrheit muslimisch sei. Die Verfassung betone aber das Recht auf Religionsfreiheit. Jede demokratische Regierung müsse diese Freiheiten wirksam garantieren und den Religionsgemeinschaften gestatten, ihr Leben frei zu organisieren, so der Papst.
Die "aktivePräsenz von Religionen in der Gesellschaft" nannte Benedikt XVI. "eine Quelle des Fortschritts und der Bereicherung für alle". Das setze voraus, dass die Religionen keine direkte politische Machtausübung suchen. Auch müssten sie Gewalt als Ausdrucksmittel entschieden zurückweisen. Ausdrücklich lobte der Papst den Einsatz der katholischen Gemeinde in der Türkei. Sie sei klein an Zahl, trage aber besonders mit Bildungs- und Friedensarbeit zur Entwicklung des Landes bei.
Ausdrücklich betonte Benedikt XVI. die Entscheidung der Türkei für ein System der Laizität, das Zivilgesellschaft und Religion klar unterscheide und damit beiden erlaube, im jeweils eigenen Bereich autonom zu sein.
Der Papst unterstrich erneut seine "große Wertschätzung für die Muslime"; er ermutige Christen und Muslime zum gemeinsamen Einsatz für die menschliche Würde und für das Wachstum einer Gesellschaft, "wo die persönliche Freiheit und die Achtung vor dem anderen es allen ermöglichen, in Ruhe und Frieden zu leben". Die Welt müsse erkennen, dass alle Menschen durch eine tiefe Solidarität miteinander verbunden seien. Benedikt XVI. betonte, die katholische Kirche wolle ihre Kooperation mit der orthodoxen Kirche erneuern. Und er hoffe, dass sein bevorstehendes Treffen mit Patriarch Bartholomaios I. diesem Ziel "konkret dient".






