Würdigung des großartigen Glaubenszeugnisses des armenischen Volkes
Istanbul, 30.11.06 (KAP) Papst Benedikt XVI. hat in Istanbul den armenisch-apostolischen Patriarchen von Konstantinopel, Mesrob II. (Mutafyan), besucht. Bei einem Gebetsgottesdienst in der Patriarchalkathedrale in Kumkapi beklagte er am Donnerstagabend den "Skandal" der gespaltenen Christenheit und rief dazu auf, die Wunden der Trennung rasch zu heilen. Die armenisch-apostolische Kirche ist heute die größte christliche Gemeinschaft in der Türkei.
Indirekt ging Benedikt XVI. auch auf den Völkermord an den Armeniern ein. Das armenische Volk habe seinen Glauben "oft unter sehr tragischen Umständen wie denen im letzten Jahrhundert" bezeugt, sagte der Papst. Dem Genozid im Osmanischen Reich fielen im Ersten Weltkrieg - unter der Verantwortung des "Komitees für Einheit und Fortschritt" (Ittihad ve Terakki), das damals die Regierung stellte und mit Berlin und Wien verbündet war - nach Einschätzung von Historikern bis zu 1,5 Millionen Menschen zum Opfer. Die Türkei bestreitet offiziell bis heute, dass es sich um einen Völkermord gehandelt habe.
Benedikt XVI. nannte das Treffen "mehr als eine einfache Gesete ökumenischer Höflichkeit und Freundschaft". Es sei ein Zeichen der gemeinsamen Hoffnung auf eine Vollendung der Einheit aller Christen. Die Kirchenspaltungen bezeichnete er als tragisch und in offenem Widerspruch zum Willen Gottes. Sie beschädigten das heiligste Anliegen des Christentums, die Verkündigung des Evangeliums. Christus habe sein Leben hingegeben, um die Mauern der Trennung niederzureißen.
In der von Konflikten und Spannungen gezeichneten Welt müssten die Christen Hoffnung und Trost ausstrahlen, betonte Benedikt XVI. und fuhr fort: "Wir müssen daher alles nur Mögliche tun, um die Wunden der Trennung zu heilen und die christliche Einheit eilig wieder aufzubauen".






