Christen im Irak: Aufrüttelnder Appell bei der Bischofssynode
Chaldäisch-katholischer Patriarch Emmanuel III.: Situation ist weiterhin "katastrophal" - Evangelische Kirche in Deutschland fordert erneut Aufnahme von irakischen Flüchtlingen in der EU=
Vatikanstadt-Berlin, 14.10.08 (KAP) Das Leben der Christen im Irak ist nach Wort des chaldäisch-katholischen Patriarchen Emmanuel III. Delly ein "Kalvarienberg-Gang". Die Situation sei in Teilen des Landes weiterhin katastrophal und tragisch, es fehle an dem Lebensnotwendigen, sagte der Patriarch vor der Weltbischofssynode im Vatikan. Die Kirche und auch er selbst hätten nichts unversucht gelassen, um für Frieden und Ruhe im Land einzutreten.
Eindringlich schilderte der Kardinal-Patriarch Bedrohungen wie Autobomben, Selbstmordattentate und Entführungen. Insgesamt 16 Priester und zwei Bischöfe seien bisher entführt und später nach Lösegeldzahlungen freigelassen worden. Einige seien aber auch ermordet worden und gehörten nun zu den "Märtyrern im Himmel", unter ihnen der Erzbischof von Mossul, Faraj Rahho.
In dieser Situation bedeute das Leben nach dem Wort Gottes ein "persönliches Zeugnis, das auch das eigene Leben kosten kann", sagte der Patriarch. Allerdings fehlten vielfach auch die Dinge des täglichen Lebens wie Elektrizität, Wasser und Benzin. Telefonieren werde immer schwieriger, Straßen seien blockiert, Schulen geschlossen oder stets gefährdet, der Krankenhausbetrieb eingeschränkt.
Die Aufnahme von irakischen Flüchtlingen in die EU verlangt unterdessen die evangelische Kirche in Deutschland (EKD). Nach der jüngsten Massenflucht von Christen aus dem Nordirak müsse es einen Kurswechsel geben. Die von den EU-Innenministern beschlossene Prüfung der Situation im Nahen Osten dürfe nicht "in eine Verschleppung und Verzögerung von dringend nötigen Hilfsmaßnahmen auf Kosten von Menschen in äußerster Not umschlagen", sagte EKD-Auslandsbischof Martin Schindehütte am Dienstag in Hannover. Die Lage der Betroffenen sei "ausreichend dokumentiert". Nun gehe es darum, zu handeln und Flüchtlinge in der EU aufzunehmen.
In den vergangenen Tagen verließen laut Medienberichten tausende Menschen die Stadt Mossul, nachdem radikale Islamisten binnen zwei Wochen mindestens zwölf Christen ermordet hatten. Viele Flüchtlinge fanden zunächst Unterschlupf bei Familienangehörigen im Umland. Auch die irakischen Nachbarstaaten Jordanien und Syrien nahmen in der Vergangenheit Angehörige der Minderheit auf.
Die Vorfälle seien ein Beleg für die lebensgefährliche Lage der Christen im Irak, so Schindehütte weiter. Zwar könne er grundsätzlich die Position der irakischen Regierung nachvollziehen, die eine Ansiedlung irakischer Flüchtlinge in Europa ablehne. Solange jedoch die verantwortlichen Politiker die Sicherheit von Minderheiten im eigenen Land nicht garantieren könnten, dürfe dieser Standpunkt kein maßgebliches Entscheidungskriterium für die EU-Staaten sein.
Der EKD-Auslandsbischof betonte zugleich, dass sich die Kirchen für alle schutzbedürftigen Menschen der Region ungeachtet ihres Glaubens einsetzen. Tatsache sei aber auch, dass die religiösen Minderheiten und damit auch die Christen besonders stark betroffen seien. Viele von ihnen lebten "seit Monaten und Jahren unter oft unwürdigsten Verhältnissen", so Schindehütte.






