In seiner Predigt in der römischen Basilika San Paolo fuori le Mura ging Benedikt XVI. auf die Bedeutung des Glaubens für das Zusammenleben der Menschen ein: "Wenn sich der Mensch Gottes entledigt und sich selbst zum Alleininhaber der Schöpfung proklamiert, kann er dann wirklich eine Gesellschaft aufbauen, in der Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden regieren?"
Vatikanstadt-Rom, 5.10.08 (KAP) Mit einer Papstmesse in der römischen Basilika San Paolo fuori le Mura hat am Sonntag die 12. Weltbischofssynode begonnen. Bis zum 26. Oktober beraten 253 Bischöfe aus allen Kontinenten sowie mehr als 100 weitere Experten und Beobachter über die Bedeutung der Bibel für das Leben und die Sendung der Kirche. In seiner Predigt unterstrich Benedikt XVI. die Bedeutung des Glaubens für das Zusammenleben der Menschen. Wörtlich sagte er: "Wenn sich der Mensch Gottes entledigt und sich selbst zum Alleininhaber der Schöpfung proklamiert, kann er dann wirklich eine Gesellschaft aufbauen, in der Freiheit, Gerechtigkeit und Frieden regieren? Ist es nicht vielmehr so - wie das Tagesgeschehen beweist -, dass sich Machtwillkür, egoistische Interessen, Ungerechtigkeit und Ausbeutung, Gewalt in jeder Form ausbreiten?" Letztlich fühle sich der Mensch dann einsamer und die Gesellschaft werde gespalten und verwirrt.
Die Synode müsse in den kommenden drei Wochen beraten, wie das Wort Gottes heute noch wirksamer verkündet und verbreitet werden soll, sagte der Papst in seiner Predigt. Die Bibel müsse im Mittelpunkt jedes christlichen Lebens stehen und alle Bereiche erfassen: Familie, Schule, Kultur, Arbeitswelt und Freizeit. Denn nur das Wort Gottes könne letztlich die Herzen der Menschen erreichen und verändern. Die Synode müsse deutlich machen, wie die Kirche vom Wort Gottes lebt und abhängt. Daher sei es unverzichtbar, dass die Kirche diese Botschaft kennt und glaubwürdig lebt und weitergibt - trotz der Schwäche und Unvollkommenheit ihrer Mitglieder.
Viele hätten das Wort Gottes noch nicht gehört, andere würden es nur oberflächlich kennen, wieder andere praktizierten den Glauben nicht mehr. Daher sei eine neue Verkündigung der christlichen Botschaft unverzichtbar.
In langer Reihe waren die Synodalen - von den insgesamt 253 Synodenvätern waren 241 als Konzelebranten anwesend - zu Beginn der Messfeier in die Papstbasilika über dem Grab des Völkerapostels Paulus eingezogen. Anlässlich des Paulus-Jahres war das eindrucksvolle Gotteshaus an der römischen Ausfallsstraße nach Ostia für den Eröffnungsgottesdienst ausgewählt worden.
Bischof Leichtfried ist der jüngste Synodale
Die eigentlichen Sitzungen der Synode werden am Montag beginnen. Die Synode dauert bis zum 26. Oktober. Mit den 253 Synodenvätern nehmen auch 41 "Experten" (unter ihnen sechs Frauen) und 37 "Auditoren" (unter ihnen 19 Frauen) sowie Beobachter aus anderen Kirchen an der Synode teil. Unter den Synodenvätern ist der Repräsentant der Österreichischen Bischofskonferenz, der St. Pöltner Weihbischof Anton Leichtfried, mit 39 Jahren der jüngste. Der älteste Synodenvater ist mit 88 Jahren der maronitische Patriarch von Antiochien, Kardinal Nasrallah Butros Sfeir.
Benedikt XVI. betont synodale Dimension
Papst Benedikt XVI. hat beim Angelusgebet am Sonntagmittag die hohe Bedeutung der Bischofssynode für den Zusammenhalt der katholischen Weltkirche unterstrichen. "Die synodale Dimension ist grundlegend für die Kirche", sagte er vor mehreren Zehntausend Menschen, die sich auf dem Petersplatz versammelt hatten. Synode bedeute, dass Menschen aus unterschiedlichen Völkern und Kulturen "zusammen auf dem Weg sind". Es gehe um die Einheit und Zusammenarbeit zwischen dem Papst und den Bischöfen aus aller Welt, aber auch um direkte und exakte Informationen über die Lage und die Probleme der Weltkirche, um die Förderung des Einvernehmens über Lehre und Seelsorge und um die Antwort auf aktuelle Fragen.
Der Papst rief die Gläubigen zum Gebet für einen erfolgreichen Verlauf des Kirchentreffens auf.






