Am 5. August feierte der deutsche Theologe Johann Baptist Metz seinen 80. Geburtstag. Er gilt als Begründer der "Neuen Politischen Theologie" und als wichtiger Impulsgeber für die Befreiungstheologie.
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Er gehört zu den bekanntesten und wohl profiliertesten Theologen der Gegenwart: der Münsteraner Theologe und Begründer der "Neuen Politischen Theologie", Johann Baptist Metz. Ende September feierte Metz seinen 80. Geburtstag mit einer "Theologischen Matinee" im münsterländischen Ahaus.
Versucht man, die Impulse der Metz'schen Theologie auf ihre Essenz hin zusammenzuschmelzen, so lässt sich ihre Intention am besten mit dem Begriffspaar "Mystik & Politik" beschreiben. "Mystik" im christlichen Sinne - so betont Metz immer wieder auch gegen seinen Lehrer Karl Rahner - ist immer eine Mystik "der offenen Augen", die sich nicht in spiritueller Versenkung übt, sondern mitfühlend den Leidenden fokussiert. "Politik" ergibt sich daraus notwendigerweise als Imperativ: Handle so, dass Leiden nicht mehr sei!
Wo immer die Spannung aus Mystik und Politik verloren geht, dort verabschiedet laut Metz die Theologie auch ihr unterbrechendes Potential. Denn die kürzeste Defintion von Religion, so sagte Metz einmal, lautet "Unterbrechung".
| Prof. Johann Baptist Metz
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Theologie als Theodizee
Was treibt jemanden dazu, leidenschaftlich Theologie zu treiben? Viele sprechen vom "Fascinosum", von der Ergriffenheit von Gott, die sie zur Theologie getrieben hat. Bei Metz war es stets das Gegenteil, die dunkle Seite Gottes, das "Tremendum", dass ihn bewegte und welches ihn zu einem der innovativsten Theologen der Nachkriegszeit werden ließ: Wo andere Theologen nach Kriegsende zum theologischen Alltagsgeschäft zurückkehrten und die dunklen NS-Jahre gleichsam als historischen "Fehler in der Matrix" übersprangen, wurde für Metz diese Erfahrung zur Unterbrechung und zum Anstoß seiner Rückfrage an Gott.
"Warum", so fragte Metz etwa Karl Rahner, "habt ihr uns von diesen Katastrophen nichts erzählt? Warum sieht man unserer Theologie die Leidensgeschichte der Menschen so wenig an?" Religion "nach Auschwitz", dies ist für Metz fortan nurmehr denkbar im Widerspruch gegen Gott sowie im Widerspruch gegen jene, die im Angesicht der Leidenden gelingendes Leben spirituell umschlungen zelebrieren.
| Prof. Johann Baptist Metz
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"Neue Politische Theologie"
Das theologische Programm, dass Metz seit Anfang der 1960er Jahre in einem fruchtbaren Dialog etwa mit Theodor W. Adorno und - bis heute - Jürgen Habermas entwickelte, benannte er als "Neue Politische Theologie". Ihr Grundimpuls: Wo Leidenserfahrungen die Hoffnung auf eine konsistente Heilsgeschichte Gottes brüchig werden lassen, dort ist der Mensch aufgerufen, sozusagen "Gott zum Trotz" Geschichte endlich als seine eigene Geschichte zu begreifen und Erlösungshoffnung in Befreiungshandeln umzumünzen. (Lebenslauf)
Der Terminus der "Neuen Politischen Theologie" darf dabei nicht auf den Begriff einer realpolitisch informierte Theologie verengt werden. "Politisch" bedeutet vielmehr "öffentlich-belangvoll". Damit richtet sie sich bis heute "gegen die Selbstprivatisierungssymptome in der Theologie und im Christentum", d.h. gegen den Reflex der Einigelung der Theologie in überkommener Heilsrhetorik. Zugleich tritt Metz damit jener alten „Politischen Theologie" des NS-Staatsrechtlers Carl Schmitt entgegen. Hatte dieser unter demselben Begriff ein Konzept der religiösen Legitimation staatlicher Hegemonie und totalitärer Gewalt formuliert, so geht es Metz stets um das Gegenteil: die gesellschaftliche Emanzipation des einzelnen Individuums.
| Prof. Johann Baptist Metz
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Dass man die Metz'sche "Neue Politische Theologie" heute als eine der letzten profilierten Theologien bezeichnen kann, liegt nicht zuletzt darin begründet, dass sie ihre Produktivität ständigen Kämpfen verdankt. Das bekannteste "Scharmützel" ist dabei wohl der seit 30 Jahren andauernde Streit zwischen Metz und dem damaligen Erzbischof von München, Joseph Ratzinger. Dieser hatte Metz 1979 einen Ruf an die Universität München verwehrt. Schließlich lehrte Metz bis zu seiner Emeritierung 1993 in Münster, im Anschluss daran hatte Metz eine Gastprofessur an der Universität Wien inne.
Bleibende Aktualität
Entgegen aller Bestreitungen insbesondere von Seiten einer sich am Freiheits- und Subjektpathos des deutschen Idealismus abarbeitenden Transzendentaltheologie ist die "Neue Politische Theologie" ein Projekt mit Zukunft - dies ist jedenfalls die feste Überzeugung des Metz-Schülers Jürgen Manemann. Gemeinsam mit anderen Schülern hat er die zentralen Impulse weiterentwickelt. Im Zentrum "moderner" Politischer Theologie stehen heute etwa die Fragen nach dem Verhältnis von Religion und Politik, nach der Rolle der Theologie als Disziplin der Kulturwissenschaften oder aber die Frage nach einer "politischen Christologie". Immer jedoch bleibt der alte Unterbrechungsanspruch der Politischen Theologie gegen jede Form der Verzweckung des Glaubens erhalten - eine Mahnung, die Manemann wie folgt auf den Punkt bringt: "Wo immer der 'homo religiosus' wieder gefragt ist, muss der 'homo christianus' auf der Hut sein."







