Nach aktuell vorliegenden Informationen handelt es sich beim Hochwasser in Pakistan um eine der ganz großen Katastrophen der vergangenen Jahre. Millionen von Menschen wurden obdachlos. Die Flutopfer brauchen dringend Hilfe. Ein Caritas-Mitarbeiter berichtet
![]() » Caritas » Missio |
Die seit Tagen unterversorgten Flutopfer in Pakistan sind zunehmend aufgebracht über die mangelnde Hilfe. Der zurzeit in der schwer betroffenen Provinz Khyber im Nordwesten des Landes eingesetzte Caritas-Katastrophenhelfer Thomas Preindl berichtete in einem Interview für den "Kurier" am Donnerstag, es mache sich Unmut unter den Betroffenen breit, die meist tagelang nichts gegessen und getrunken hätten. Die Menschen fühlten sich im Stich gelassen, es gebe immer wieder Demonstrationen.
Der katastrophenerfahrene 43-jährige Tiroler hilft beim Aufbau einer Zeltstadt für die Flutopfer mit. Preindl und die anderen internationalen Helfer arbeiten bis zur Erschöpfung, verteilen Lebensmittel, Trinkwasser, Hygieneartikel und Decken und sorgen für Notunterkünfte. "Die Hilfe kommt an, aber alles ist zu langsam", so Preindl. Das Dorf Saranina, wo die Caritas im Einsatz ist, sei komplett zerstört. Die Lehmhäuser seien von den Fluten weggerissen worden. Jetzt, da das Wasser zurückgeht, werde das ganze Ausmaß der Zerstörung sichtbar.
Immer noch steht etwa ein Fünftel des Landes unter Wasser. Zehntausende Dörfer sind überflutet. Etwa 20 Millionen Menschen sind betroffen.
Seit Sonntag ist Preindl in Pakistan. Nach einer Einweisung durch Helfer der Partnerorganisationen in der Hauptstadt Islamabad nahm er im Überschwemmungsgebiet seine Arbeit auf. Der aus Tirol stammende frühere Student an der Wiener Universität für Bodenkultur kam über den Zivildienst
|
Naturkatastrophen |
||||
|
|
zur Caritas, in seiner mehr als zehnjährigen Tätigkeit war Preindl schon mehrfach als Nothelfer in verschiedenen Ländern zum Einsatz. Zwei Jahre land half er beim Wiederaufbau im Kosovo, er war in Afghanistan, 2005 kam er im Zuge eines verheerenden Erdbebens in Kaschmir erstmals nach Pakistan. Auch heuer hat Preindl schon Dramatisches erlebt, als er nach dem Beben im Jänner in Haiti einer der Ersten war, der den Hunderttausenden verzweifelten Menschen zu Hilfe kam.
Sauberes Wasser wird "Luxus"
Über die Verteilaktion im 100-Familiendorf Saramina zwei Autostunden nordwestlich von Pakistans Hauptstadt Islamabad berichtete Katastrophenhelfer Preindl: "Die Menschen haben sich extrem gefreut über die Hilfe und sind dankbar für die Zelte, aber die Angst vor der Zukunft sitzt allen im Nacken." Dabei hätten die Menschen dort noch Glück im Unglück: Viele ihrer Felder sind laut Preindl noch intakt, Mais und Gemüse bald erntereif - "ein Hoffnungsschimmer angesichts der enormen Zerstörung".
![]() |
|
Vor einigen Wochen sei Saramina noch ein ganz normales Dorf gewesen, einzige Besonderheit sei der Umstand, dass Muslime, Christen und Hindus dort friedlich nebeneinander lebten. Seit der großen Flut wohnen die rund 100 Familien nicht mehr in ihren Lehmhäusern, sondern Zelt an Zelt - in einem Camp der Caritas und einer lokalen Partnerorganisation. Für sie seien jetzt schon Essen und sauberes Wasser "Luxus", erklärte Preindl: Wie sechs Millionen andere Pakistanis sind sie nach der Hochwasserkatastrophe völlig auf humanitäre Hilfe angewiesen. "Der Bedarf ist so enorm, wir tun, was wir können, aber es ist einfach noch viel mehr Hilfe nötig", hofft der Caritas-Helfer auf weitere Spenden aus Österreich.
Am Donnerstag brach der Tiroler in den Shangla Distict im Norden auf, um das internationale Caritas-Team in Besham in Logistikfragen zu unterstützen. "Die große Fragen sind: Was bekommen wir wo wie her und wer braucht es am dringendsten?", so Preindl.
Papst fordert mehr Hilfe für Pakistan
![]() |
|
Papst Benedikt XVI. hat zu mehr Hilfe für die Flutopfer in Pakistan aufgerufen. Den Betroffenen
dürfe nicht die Solidarität und die konkrete Unterstützung der internationalen Gemeinschaft fehlen, erklärte der Papst bei seiner Generalaudienz am Mittwoch in Castelgandolfo. Den Todesopfern sagte Benedikt XVI. sein Gebet zu und bekundete den Angehörigen und den Geschädigten der Katastrophe seine geistliche Verbundenheit.
Die pakistanische Regierung beziffert die Zahl der Todesopfer durch die Überschwemmungen im Nordwesten des Landes inzwischen mit 1.475. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen benötigen mindestens sechs bis sieben Millionen Menschen sofortige humanitäre Hilfe.











