Interreligiöse Vorkonferenz: Evangelischer Altbischof Sturm wünscht sich klare gemeinsame Stimme von Religionsgemeinschaften und Kirchen - UNAIDS-Vertreterin Beagle: "Brauchen Hilfe der Glaubensgemeinschaften mehr denn je
Wien, 17.07.10 (KAP) Für eine stärkere gemeinsame Stimme von Kirchen und Religionsgemeinschaften im Kampf gegen die Diskriminierung von HIV-Infizierten bzw. Aidskranken hat der österreichische evangelische Altbischof Herwig Sturm plädiert. Bei der Eröffnung der "Multi-Faith Pre-Conference" zur Welt-Aids-Konferenz sagte Sturm am Samstag in Wien, die Veranstaltung der Kirchen und Religionsgemeinschaften sei zwar "nicht so schrill und provozierend wie der Life-Ball", aber auch sie sollte "provozieren", und zwar auf eine "innere Weise". Auch für die weltweit notwendige HIV-Prävention müssten die Glaubengemeinschaften noch stärker zusammenarbeiten.
Es gebe einen sehr guten ökumenischen Dialog in Österreich und eine sehr gute Basis im interreligiösen Gespräch, erklärte Sturm. "Diese Veranstaltung hat uns noch einmal einen Schritt weitergebracht in der Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen und der Zivilgesellschaft."
Das Thema Aids hänge auch mit dem eigenen Glauben und dem Weltbild zusammen: "Es ist eine Herausforderung, diese verheerende Pandemie zusammenzudenken mit einem Gottesbild, zu dem wohl ein letztgültiges Sinn- und Wertgeschehen dazugehört", so der Altbischof. "In meiner christlichen Sprache versuche ich eine Antwort, indem ich von der Leidenschaft Gottes für die ganze Welt ohne weiße Flecke spreche, von der Option für die Armen und Ausgegrenzten, mutig und fantasievoll, und von einem Gott, der rettet und hilft und befreit."
Die Pandemie sollte Menschen weltweit zusammenbringen im gemeinsamen Kampf: "Ich wünsche Ihnen heute und auch weiterhin, dass wir im Geist dieser Weltleidenschaft Gottes und unter der Verheißung einer versöhnenden, befreienden und heilenden Liebe miteinander reden und arbeiten", unterstrich Sturm.
Im Rahmen der Vorkonferenz sei man zusammengekommen, um voneinander zu lernen und "daran zu wachsen", betonte auch Reverend Richard Fee, Vorsitzender der "Ecumenical Advocacy Alliance" (EAA) und Generalsekretär der Presbyterianischen Kirche in Kanada.
Kirchen können "mit Kraft" bewegen
Die Glaubensgemeinschaften seien von Anfang an in den Kampf gegen HIV und Aids eingebunden gewesen; "wir brauchen ihre Hilfe mehr als je zuvor", hob Jan Beagle, stellvertretende Geschäftsführerin des UNO-Aids-Programms (UNAIDS), hervor. "Wir bitten Religionsvertreter nicht, Kondome zu verteilen", aber eine Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Prävention und Behandlung von Aids und HIV sei wichtig. "Sie können soziale Bewegungen mit Kraft versehen", appellierte Beagle. "Unser Erfolg im Kampf gegen Aids hängt von unseren gemeinsamen Bemühungen ab."
Gott im Nächsten sehen
Die erste Diskussionsrunde der Veranstaltung galt der Frage, auf welche Weise die jeweiligen Glaubenstraditionen die Religionsgemeinschaften und Kirchen möglicherweise daran hindern, für einen universellen Zugang Aids-Prävention sowie zur Behandlung, Betreuung und Unterstützung von HIV-Infizierten und Aidskranken einzutreten. Dies sei "eine Frage, die seltsam anmutet", erklärte Olav Fykse Tveit, Generalsekretär des Weltkirchenrats (ÖRK). "Wie kann Glaube etwas anderes sein als unsere Verpflichtung, HIV bzw. Aids zu bekämpfen und keine Hindernisse zu schaffen für jene, die HIV bzw. Aids bekämpfen? Mein christlicher Glaube hilft mir dabei, Gott in unserem Nächsten zu sehen und ihm Hilfe angedeihen zu lassen", hob Tveit hervor.
Ähnlich äußerte sich auch Hany El Banna vom internationalen muslimischen "Humanitarian Forum", der ebenfalls die Verantwortung von Religionsvertretern im Umgang mit der Immunschwäche-Krankheit betonte: "Wenn wir eine Religion haben, soll uns diese auch helfen, humanitäre Hilfe zu verbreiten", so Banna. Die Bereitschaft zu interreligiösen Gesprächen sowie die globale Betrachtung des Themas Aids bzw. HIV seien dabei wichtig.
Gedenken an Verstorbene
Zuvor war die interreligiöse Vorkonferenz mit Gebeten und musikalischen Einlagen von Musikern aus Simbabwe eröffnet worden. Letztere hatten eigens zum Konferenzmotto "Rights here, right now" Songs einstudiert. Nyaradzayi Gumbonzvanda vom globalen Netzwerk "World Young Women's Christian Association" (World YWCA) lud alle Anwesenden ein, aufzustehen, sich an den Händen zu fassen und einen stillen Moment lang all jener Menschen zu gedenken, die bisher bereits an den Folgen von HIV bzw. Aids gestorben sind.






