Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe präsentierten Maßnahmenkatalog - Mangel auch mit mehr ausländischen Kräften nicht zu lösen
Wien, 5.8.10 (KAP) Mit einem Aufruf nach mehr Pflegekräften haben sich am Mittwoch in einer Pressekonferenz in Wien die Hilfsorganisationen Caritas, Diakonie, Hilfswerk, Rotes Kreuz und Volkshilfe zu Wort gemeldet. "Der Bedarf an Pflege steigt massiv und wird weiterhin massiv steigen", erklärte Hilfswerk-Präsident Othmar Karas als heuriger Vorsitzender der Bundesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrt (BAG). Gleichzeitig herrsche jedoch Personalmangel: "Es gibt bereits mehrere Tausend offene Stellen in der Pflege."
Um mehr Menschen, vor allem auch junge Leute und Wiedereinsteiger, dazu zu bewegen, in dem Bereich tätig zu werden, brauche es einen Imagewechsel und ein attraktiveres Arbeitsumfeld. Dazu präsentierten die fünf, seit 1995 in der BAG zusammengeschlossenen Hilfsorganisationen ein Maßnahmenpaket mit Forderungen an die Politik.
Der Pflegebereich sei wie kaum eine andere Branche in Österreich in den vergangenen zehn Jahren gewachsen, so die BAG-Organisationen. Allein die Einsatzstunden haben in den letzten zehn Jahren um 29 Prozent zugenommen - von rund 10,5 Millionen Einsatzstunden auf 13,7 Millionen. Der Personalmangel sei daher enorm und auch durch noch mehr ausländische Pfleger allein nicht zu lösen: "Wir brauchen Zuwanderung und die Rekrutierung einheimischen Personals", so Karas. "Wir appellieren an die Menschen, diesen Wachstumsmarkt als Berufschance zu ergreifen."
Am deutlichsten sei der Pflegepersonalmangel beim diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegepersonal zu spüren. Aber auch bei den Sozialbetreuungsberufen und im Bereich der Pflege- und der Heimhilfe gebe es einen Mangel.
"Angemessene Entlohnung"
Um die Pflegeberufe attraktiver zu machen, bedürfe es laut BAG fünf gezielter Maßnahmen: Erstens müsse es Verbesserungen der Arbeitsbedingungen und der -organisation geben, erklärte Erich Fenninger, Geschäftsführer der Volkshilfe und forderte eine "angemessene Entlohnung, die der Verantwortung und den Belastungen der Mitarbeitern gerecht wird". Arbeitsbedingungen müssten z.B. durch regelmäßige Supervisionen, bezahlte Besprechungszeiten und optimierte Dienstpläne unter Einbeziehung der Mitarbeiter verbessert werden.
Weiters müssten die zur psychischen Entlastung notwendigen Zeiten in den Normkostenmodellen der Länder berücksichtigt werden, betonte Fenninger. Auch müsste man für Aufstiegsmöglichkeiten in diesem Bereich sorgen.
Kompetenzerweiterung für Pfleger
Werner Kerschbaum, stellvertretender Generalsekretär des Roten Kreuzes, betonte eine Erweiterung des Kompetenz- und Aufgabenspektrums von Pflegern. "Mehr Verantwortung, klar definierte Zuständigkeiten sowie die intensive Zusammenarbeit mit behandelnden Ärzten und Therapeuten würden die Betreuungsqualität aus der Sicht der Betroffenen und ihrer Angehörigen verbessern", so Kerschbaum. Auch müssten neue Handlungsfelder wie z.B. das "Case- und Caremanagement" von der Politik entsprechend gefördert werden, ebenso wie Weiterbildungen und Spezialisierungen.
Intensivierung der Ausbildung
Eine Reform der Ausbildung forderte Diakonie-Direktor Michael Chalupka: "Die Ausbildung sollte auf das ganze Spektrum an Einsatzbereichen vorbereiten." Eine Schwerpunktsetzung auf rein medizinische Fertigkeiten würde schon lange nicht mehr ausreichen. So müssten auch z.B. Sozialpädagogik, Case-Management und individuelle Spezialgebiete Teil der Ausbildung sein, um im Berufsleben leichter auf- und umsteigen zu können. Dies sei ebenso wie ein leichter Wiedereinstieg ein wesentlicher Punkt, um die Pflegeberufe attraktiver zu machen, betonte Chalupka. Auch derzeitige "Karriere-Sackgassen" müssten abgeschafft werden. Weiters müsse die Ausbildung auch Männer ansprechen, denn nach wie vor sei der Großteil der im Pflegebereich Tätigen weiblich.
Eine "Imageaufwertung der Pflegeberufe" sei dringend gefordert, erklärte auch Caritas-Generalsekretär Bernd Wachter: "Wir Pflegeorganisationen machen Interessenten und Mitarbeitern eine Vielzahl attraktiver Angebote, wie z.B. qualitätsvolle Aus- und Weiterbildung oder auch Maßnahmen im Bereich betrieblicher Gesundheitsförderung." Darüber hinaus bemühe man sich auch, Mitarbeitern Arbeitszeiten zu bieten, die ihren Bedürfnissen gerecht würden: "Unser Spielraum ist allerdings so weit oder so eng, wie die öffentliche Finanzierung es uns erlaubt", erinnerte Wachter. "Pflegeberufe geben Sinn und machen Sinn, es ist ein Arbeitsbereich, der Professionalität mit Menschlichkeit verbindet."
Wachter forderte von Bund und Ländern einen "Attraktivierungsschub" mit drei Komponenten: "Zuckerl für Wiedereinsteiger und Umsteiger, mehr öffentliche Gelder für Langzeitpflege und damit bessere Bezahlungsmöglichkeiten seitens der NGOs, sowie allgemeine Informationsarbeit von Bund und Ländern."
Das gesamte Maßnahmenpaket der BAG ist unter www.freiewohlfahrt.at nachzulesen.






