Ruth Steiner
Was ich Dich noch fragen wollte... Eine Christin auf der Suche nach ihrer jüdischen Identität
In dem 160 Seiten umfassenden Buch "Was ich dich noch fragen wollte..." hält Steiner, die mit 18 Jahren zur katholischen Kirche konvertiert ist, einen fiktiven Dialog mit ihrer Großmutter Therese Lindenberg (1893-1980). Sie und ihr jüdischer Mann Ignaz Lindenberg (1875-1952) hatten von 1938-45 unter unvorstellbaren Bedingungen im so genannten "Mischehen-Ghetto" in Wien-Leopoldstadt überlebt.
Kardinal Christoph Schönborn schreibt im Vorwort zu dem Buch, Ruth Steiners Buch sei "eines der berührendsten, das in letzter Zeit herausgekommen ist". Es werfe "ein Licht auf einen oft vergessenen und verdrängten Aspekt der Tragödie der Shoah: Die Situation der Menschen, die nach den Vorstellungen der Machthaber und ihrer akademischen Zuarbeiter in einer so genannten Mischehe lebten". Ruth Steiner zeichne "die entsetzliche Not der Menschen nach, die von einer absurden Ideologie aus ihrem Leben gerissen wurden".
Wie die Autorin schreibt, sei innerhalb der Familie über diese Zeit nie gesprochen worden. In Briefen, Essays und Tagebucheintragungen kommen jedoch Einzelheiten zu Tage, die einen neuen Blick auf die Zeit und das individuelle Schicksal der Eltern- und Großelterngeneration ermöglichen.
Das Buch ist auch ein sehr persönliches Bekenntnis Ruth Steiners. Sie führt damit den Weg weiter, den ihre Großmutter damals begonnen hatte - den "Lebensdialog" zwischen Judentum und Christentum.
Ruth Steiners erstes im Jahr 2000, ebenfalls im Wiener "Dom"-Verlag erschienenes Buch "Daheim in zwei Religionen - Mein Bekenntnis zu Judentum und Christentum" wurde auch ins Englische und Polnische übersetzt. "Daheim in zwei Religionen" ist eine eindrucksvolle Spiegelung der Geschichte Österreichs ab 1938. Ruth Steiner kann mittlerweile auf 200 Veranstaltungen zurückblicken, in denen sie ihr Buch präsentierte und sowohl mit aktiven Katholiken als auch mit jüdischen Österreichern ihre Erlebnisse und Haltungen diskutierte.
Die Autorin wurde 1944 im damals japanisch besetzten Manila als Tochter des Kunsthistorikers Prof. Hans Steiner (1908-1980) und der Botanikerin Prof. Monica Lise Steiner (1915-2000) geboren. Die beiden hatten wie so viele 1938 Wien verlassen müssen; sie lernten einander erst in Manila kennen. Ruth Steiner besuchte 1952-59 in Manila die American School, 1959-63 in Wien die Neulandschule. 1969 schloss sie das Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Wien ab. 1963 trat sie in Wien zum katholischen Glauben über. Sie war von 1969 bis 1973 Leiterin des Internationalen Studentenclubs Wien, arbeitete von 1973 bis 1983 im Internationalen Institut für Angewandte Systemanalyse in Laxenburg (IIASA), und von 1983 bis 1986 in der "Citibank" in Wien. Von 1986 bis zu ihrem Übertritt in den Ruhestand im Jahr 2000 war sie Generalsekretärin der Katholischen Aktion Österreichs (KAÖ).
Ruth Steiner ist in zahlreichen Bereichen ehrenamtlich tätig: U.a. ist sie Vorstandsmitglied des Katholischen Laienrats Österreichs, Vorstandsmitglied im Koordinierungsausschuss für christlich-jüdische Zusammenarbeit, Vorstandsmitglied des Mauthausen-Komitees Österreich und Vizepräsidentin der Österreichisch-Philippinischen Gesellschaft.
Quelle: Kathpress, 10.3.06
Dom-Verlag 2006
ISBN: 3853511953
Preis: 14,90 €






