Das Wichtigste ist für Kardinal Franz König immer der Dialog mit Gott gewesen. Das haben die langjährige Leiterin seines Sekretariats, Annemarie Fenzl, und die britisch-österreichische Journalistin Christa Pongratz-Lippitt auf "Radio Stephansdom" betont. In der Sendung "Perspektiven" wurde die deutschsprachige Ausgabe des von Pongratz-Lippitt herausgegebenen Buches "Franz Kardinal König: Offen für Gott - offen für die Welt. Kirche im Dialog" vorgestellt. Pongratz-Lippitt betonte dabei, dass sich König trotz aller kirchlichen Würden immer als bescheidener Seelsorger verstanden habe, der den Dialog mit Gott und den Menschen suchte. Das sei die Hauptaussage seines Lebens und komme auch in dem neuen Buch deutlich zum Tragen.
In neun Kapiteln dokumentiert Pongratz-Lippitt in dem Buch ihre auf Tonband aufgezeichneten Gespräche mit Kardinal König, die sie mit ihm in den letzten Jahren vor seinem Tod führte: vom Zweiten Vatikanischen Konzil, das der Wiener Alterzbischof immer als "Höhepunkt" seines Lebens ansah, über den innerkirchlichen, den ökumenischen und den interreligiösen Dialog (vor allem mit Juden und Muslimen) bis zum Dialog mit den Nichtglaubenden und zum "wichtigsten aller Dialoge", dem Dialog mit Gott. Das letzte Kapitel "Zeit, die Zeichen der Zeit zu lesen" dokumentiert den Vortrag, den Kardinal König im September 1999 beim "Tablet Open Day" in London gehalten hatte.
Ein Kapitel des Buches ist auch innerkirchlichen Reform- und Stukturfragen von der Bestellung von Bischöfen über den Zölibat bis zum Kommunionverbot für wiederverheiratete Geschiedene gewidmet. Kritisch merkte Pongratz-Lippit an, dass in den Rezensionen von deutschsprachigen Medien bisher meist nur dieses Kapitel aufgegriffen wurde. Das sei aber ein Phänomen speziell des deutschsprachigen Raumes. Rezensionen im englischsprachigen Raum - das englische Original ist im Vorjahr unter dem Titel "Open to God, open to the World" im "Continuum"-Verlag erschienen - hätten diesen Passagen hingegen sehr viel weniger Aufmerksamkeit gewidmet - und das entspräche auch den Intentionen und Gewichtungen Königs.
Kardinal König habe bis zuletzt kein Vermächtnis und keine Memoiren schreiben wollen, um alle seine Kräfte der Seelsorge widmen zu können. Sie sei vielen Menschen begegnet, so Pongratz-Lippit, die gerade wegen dieses Lebenszeugnis des Kardinals zur katholischen Kirche konvertierten.
Quelle: Kathpress vom 15.3.06
Herder Verlag 2006
ISBN: 3451288915
Preis: 17,40 €






