Wien, 7.10.05 (KAP) Vor 50 Jahren - am 9. Oktober 1955 - starb der Wiener Kardinal-Erzbischof Theodor Innitzer. Weihbischof Helmut Krätzl zelebriert am Sonntag, 9. Oktober, um 19 Uhr, im Stephansdom die Gedenkmesse für Kardinal Innitzer. Krätzl war 1954 von Innitzer zum Priester geweiht worden.
Kardinal Christoph Schönborn stellte im Gespräch mit "Kathpress" fest, in der katholischen Kirche habe es in der Zeit von 1938 bis 1945 sowohl "Licht" als auch "Schatten" gegeben. Kardinal Innitzer habe versucht, durch Loyalitäts-Erklärungen den Freiraum der Kirche zu erhalten und "zu retten, was zu retten war". Aber das NS-Regime habe natürlich alle Versprechungen gebrochen. Innitzer habe aber bald seinen tragischen Irrtum erkannt, dieser Irrtum sei für ihn eine "große persönliche Wunde" geblieben.
Vor allem habe Innitzer dann sehr konsequent gehandelt, betonte Kardinal Schönborn: "Die Rosenkranz-Feier im Stephansdom am 7. Oktober 1938 war die größte Manifestation geistigen Widerstands im gesamten Dritten Reich". Einen Tag später wurden das Erzbischöfliche Palais und das Curhaus gestürmt, Kardinal Innitzer konnte im letzten Moment in Sicherheit gebracht werden.
Innitzer wurde von den Nationalsozialisten leidenschaftlich gehasst, bei Großkundgebungen wurde sein Name verhöhnt, er wurde bei einer Pfarrvisitation im Viertel Unter dem Manhartsberg auch handgreiflich attackiert. Zudem war Innitzer der einzige Bischof im "Großdeutschen Reich", der in seinem eigenen Haus eine "Hilfsstelle für nichtarische Katholiken einrichtete. Für unzählige verzweifelte Menschen jüdischer Herkunft wurde mit der "Hilfsstelle" in den dunklen Jahren "ein Licht der Nächstenliebe" entzündet, wie Kardinal Schönborn betonte.
Die Hinwendung zu den Schwachen und Armen sei "die innerlichste Haltung des Bischofs und Kardinals Innitzer" gewesen, so Schönborn. Seinem Wahlspruch "In Liebe dienen" sei er zeitlebens "unauffällig und demütig" treu geblieben. Das Erzbischöfliche Palais war unter Innitzer eine Zentralstelle tätiger Nächstenliebe, "ein Umschlagplatz für Lebensmittel, Kleidung und Brennholz, täglich wurden 70 Menschen gespeist".
Die Liebe zu den Menschen habe Innitzer in den schweren Nachkriegsjahren "ungeheure Hoffnungskraft" verliehen. Stellvertretend für seine Bemühungen um das geistliche, geistige und soziale Leben sei sein Einsatz für den Wiederaufbau des Stephansdoms zu nennen.
Auch die wissenschaftliche Rolle Innitzers dürfe nicht vergessen werden, so der Wiener Erzbischof. In seiner Universitätslaufbahn war Innitzer mehrfach Dekan der Theologie und einmal Rektor. Der Dialog zwischen Glaube und Wissenschaft sei ihm ein "Herzensanliegen" gewesen, ebenso die Förderung junger Talente.






