Ausführlich ging Benedikt XVI. auf die Leiden der Kirche während der vier Jahrzehnte politischer Unterdrückung ein. Er sprach von einem "skrupellosen Versuch der Regierung, die Stimme der Kirche zum Schweigen zu bringen". Dabei verwies er auf die von den Kommunisten verfolgten Kardinäle Josef Beran (1888-1969) und Frantisek Tomasek (1899-1992). Zugleich zollte er den Geistlichen und Laienchristen Anerkennung, die ein "unbeugsames christliches Zeugnis angesichts der Verfolgung" gegeben und "die Flamme des Glaubens in diesem Land lebendig bewahrt" hätten.
"Da nun die Religionsfreiheit wieder hergestellt ist, lade ich alle Bürger dieser Republik ein, die christlichen Traditionen, die ihre Kultur geprägt haben, wieder zu entdecken", sagte Benedikt XVI. Angesichts der Herausforderungen des neuen Jahrtausends müssten die Christen weiterhin ihre Stimme vernehmen lassen. "Die Wahrheit des Evangeliums ist für eine gesunde Gesellschaft unerlässlich", betonte der Papst.
Die beiden von Benedikt XVI. genannten Kardinäle waren Symbolgestalten der tragischen Geschichte der tschechischen Länder im 20. Jahrhundert. Beran, seit 1946 Erzbischof von Prag, war Verfolgter zweier totalitärer Systeme. 1942 wurde er von den Nazis ins Konzentrationslager Theresienstadt eingeliefert und später nach Dachau verlegt. Die Kommunisten stellten ihn ab 1949 unter Hausarrest. Nach seiner Kardinalsernennung erlaubte ihm die Regierung 1965 die Ausreise ins römische Exil, wo er 1969 starb. Beran wurde in der Krypta des Petersdoms begraben - eine Ehre, die normalerweise nur Päpsten zuteil wird. 1999 wurde ein Seligsprechungsprozess eröffnet.
Berans Nachfolger in Prag, zunächst als Apostolischer Administrator und ab 1977 als Erzbischof und Kardinal war Frantisek Tomasek. Er verteidigte unbeugsam die Kirche gegen die scharfe Verfolgung durch die staatlichen Behörden; nicht umsonst wurde er "die tschechische Eiche" genannt. Bei der "sanften Revolution" 1989 stellte er sich auf die Seite der Demonstranten und trat für die Freiheit ein. Auch nach der politischen "Wende" blieb Tomasek bis 1991, im hohen Alter von 92 Jahren, im Amt. Ein Höhepunkt seiner Amtszeit war der Pastoralbesuch von Johannes Paul II. in der Tschechoslowakei 1990.






