Wiener Caritasdirektor Landau zur EU-weiten Kampagne "Zero Poverty": "Es geht nicht um Ideologie, sondern um konkrete Not" - Diskussion über Vermögensbesteuerung muss geführt werden
Wien, 03.02.2010 (KAP) "Wer von Armut spricht, darf von Reichtum nicht schweigen": Das unterstrich der Wiener Caritasdirektor Msgr. Michael Landau in der Mittwoch-Ausgabe des "Kurier", der breit über die EU-weite Caritas-Kampagne "Zero Poverty" (Null-Armut) berichtete. Obwohl die Europäische Union zu den reichsten Regionen der Welt gehört, müssten viele Menschen einen "täglichen Kampf ums Überleben" führen, das Elend nehme als Folge der Wirtschaftskrise noch zu. 85 Millionen EU-Bürger - 17 Prozent der Gesamtbevölkerung - lebten unter der Armutsgrenze, in Österreich seien eine Million Menschen betroffen.
Landau forderte angesichts dessen eine Debatte über mehr Verteilungsgerechtigkeit: "Es gibt in der EU bedrückende Armut und obszönen Reichtum. Das ist weder fair noch gerecht." Die Caritas wolle mit ihrer Initiative keine Neid-Debatte lostreten, betonte Landau: "Es geht nicht um Ideologie, sondern um die konkrete Not von Menschen und wie anstehende Aufgaben fair und gemeinsam bewältigt werden können." Um eine Diskussion über die Besteuerung von Vermögenserträgen werde man dabei nicht herumkommen, so Landau. Die "schuldlosen Opfer der Wirtschaftskrise" dürften nicht zum zweiten Mal zum Opfer gemacht werden, indem die überlasteten Staatshaushalte auf ihren Rücken saniert werden.
Ziel der Caritas-Kampagne "Zero Poverty" ist eine EU-weite Bürgerinitiative gegen Armut. Solche Referenden sieht der neue Vertrag von Lissabon vor, wenn es dafür eine Million Unterschriften aus mindestens neun Mitgliedsländern gibt. Da die Caritas in allen EU-Staaten vertreten ist, sehen Kommissionsbeamte in Brüssel - wie es im "Kurier" heißt - "kein Problem, dass dieses formale Kriterium erreicht wird".
Alle Stimmbürger der 27 Mitgliedsländer sind aufgefordert, eine Petition zu unterschreiben. Die Kampagne ruft die Öffentlichkeit und die Politik auf, die Kinderarmut bis 2015 zu halbieren, ausreichende Kinderbetreuung und den Zugang zu Gesundheitseinrichtungen zu ermöglichen, ein Mindesteinkommen zu installieren und neue Arbeitsplätze zu schaffen.






