08.06.2009 (KAP) "Den wahren Sinn findet man, indem man seine religiösen Wurzeln - die wohl jeder hat - freilegt und wiederentdeckt", sagte Außenminister Michael Spindelegger bei der "Langen Nacht der Kirchen" in der Pfarre Hinterbrühl. Die Wohlstandsgesellschaft mache das nicht leicht, es sei aber notwendig. Für den Außenminister ist klar: Der Humanismus allein sei - "bei all seinen großen Verdiensten in der Vergangenheit" - in der Verantwortung füreinander und für die Welt von morgen "einfach zuwenig". Wer für die religiöse Dimension offen sei, brauche nicht darüber nachzusinnen, "was gut wäre", er "spürt" es. Spindelegger, der selbst in der Hinterbrühl wohnt, räumte ein, dass Politik ein "rauhes Feld" ist, auf dem auch christlich orientierten Politikern "bisweilen die Pferde durchgehen". Grundsätzlich aber gelte: "Argumentation und Kritik können hart sein. Aber menschlich verletzen - das ist verboten". Und wenn es doch einmal passiert, dann "geht es einfach nicht ohne Entschuldigung" - "meist wohl privat und manchmal auch öffentlich". Auf die "Kreuzzugs"-Agitation der FPÖ angesprochen, unterstrich der Außenminister, wie sehr er über diese Art, Politik zu machen, "persönlich entsetzt" gewesen sei. Wörtlich sagte Spindelegger: "Das hat für mich eine Grenze überschritten. Man soll in der Politik Gott aus dem Spiel lassen - und religiöse Symbole ebenso". An diese Grundregel sollten sich alle halten. Auf die Frage, ob die Kirche im politischen Kalkül der Parteien eine Rolle spiele, meinte der Außenminister: "Die Kirche ist heute kein machtpolitischer Faktor mehr". Im Hinblick auf bestimmte Fragen könne ein religiöser Einstieg wichtig sein, "aber in der Positionierung von Parteien ist es kaum noch ein Argument, ob eine bestimmte politische Haltung die Kirche oder die Kirchgänger berührt". Die großen Stimmengewinne würden die Parteien nicht mit Rücksicht auf kirchliche Anliegen machen, das müsse man "so trocken sehen, wie es ist". Zugleich unterstrich Spindelegger aber, dass es zum Beispiel nicht egal sei, mit "welchem Bild von Familie man Politik macht". Ähnliches gelte auch für die Lebensschutzdebatte. Insofern gebe es eine Politik "aus christlicher Verantwortung".






