Kardinal Schönborn erinnert bei "Maria-Namen-Feier" in der Stadthalle daran, dass Europa heute weithin "Missionsland" geworden ist - Bundeskanzler Schüssel unter den Teilnehmern der "Maria-Namen-Feier"
Wien, 10.9.06 (KAP) In der Erzdiözese Wien wird in den nächsten Jahren "Mission" das zentrale Thema sein. Dies kündigte Kardinal Christoph Schönborn am Samstagabend bei der "Maria-Namen-Feier" in der Wiener Stadthalle an. Europa sei die Quelle der weltweiten Verbreitung des Evangeliums gewesen, heute sei der Kontinent aber weithin ein "Missionsland" geworden. Kardinal Schönborn rief die Christen seiner Diözese auf, in den kommenden Jahren vorzuleben, dass das Evangelium jenes "lebendige Wasser" ist, nach dem sich die Menschen sehnen. Das Leben jedes Christen könne zur "Quelle der Gnade" für andere Menschen werden.
Die "Maria-Namen-Feier" am Sonntag leitete der Vorsitzende der russischen katholischen Bischofskonferenz, Bischof Iosif Werth (Nowosibirsk). Er erinnerte in seiner Predigt an die Situation der Christen hinter dem Eisernen Vorgang. Wer meine, die Geschichte der Welt werde von "Helden" und großen Gestalten gestaltet, begehe einen Irrtum. Gerade der Rückblick auf das 20. Jahrhundert zeige, dass die einfachen beteten Menschen "stärker als die wahnsinnigen Tyrannen" seien.
Die Christen hinter dem Eisernen Vorhang hätten "am eigenen Leib die brutale Macht der gottlosen Maschinerie erfahren". "Heute sind wir aber frei", so Bischof Werth. Es habe also eine geistliche Macht gegeben, die stärker als jede weltliche Macht gewesen sei. Umso mehr verbeuge er sich in Dankbarkeit vor den Betenden in aller Welt. Denn das Gebet sei notwendig, damit Gott in das Schicksal einzelner und ganzer Völker eingreifen könne.
Der Wiener Weihbischof Franz Scharl beschrieb bei der "Maria-Namen-Feier" am Sonntag seien persönlichen Weg zur Kirche. Seine Beziehung zur Kirche sei zunächst "distanziert", seine Beziehung zu Jesus aber stets lebendig gewesen. Eines Tages habe sich ihm in einer Kirche die Frage gestellt, warum er nicht den Weg zum Priesteramt beschreite.
Mit der Bitte um das Gebet für den Besuch Papst Benedikts XVI. in Bayern erinnerte Kardinal Schönborn an den im September des kommenden Jahres bevorstehenden Papstbesuch in Österreich. Der Wiener Erzbischof lud die Katholiken ein, sich in den kommenden Monaten auf die Begegnung mit Benedikt XVI. vorzubereiten: "Wir wollen neun Monate, vom kommenden 8. Dezember bis zum 8. September 2007, mit Maria auf dieses Ereignis zugehen". Diese große "Novene" sei zugleich "ein Gebet für Österreich, für Europa und für den Frieden".
Bei der "Maria-Namen-Feier" wurde ein Grußwort des Papstes verlesen, in dem Benedikt XVI. um das Gebet "für die große Gabe des Friedens für alle Völker der Welt" bittet.
Die Stadthalle wurde bei der "Maria-Namen-Feier" wieder zum "größten Dom Österreichs". Unter den Teilnehmern des großen Glaubensfestes waren auch Spitzenvertreter des öffentlichen Lebens, so Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, Gesundheitsministerin Maria Rauch-Kallat und Caritas-Präsident Franz Küberl. Die Initiative für die "Maria-Namen-Feier" geht auf den Wiener Franziskanerpater Petrus Pavlicek zurück, für den das Seligsprechungsverfahren im Gang ist.






