Tausende Gläubige bei der Maria-Namen-Feier in der Wiener Stadthalle - Nuntius Erzbischof Farhat überbrachte Segensgrüße des Papstes
Wien, 15.9.08 (KAP) Angesichts der bevorstehenden "großen politischen Entscheidungen" hat Kardinal Christoph Schönborn bei der Maria-Namen-Feier in der Wiener Stadthalle zum Gebet aufgerufen. Der Wiener Erzbischof lud die in der Stadthalle versammelten Gläubigen zum Gebet "für Österreich" ein. Dieses Gebet gelte allen, "die Verantwortung tragen", aber auch den großen Anliegen "des Schutzes des ungeborenen, des behinderten, des alten Lebens", den Familien, denen eine "berechtigte Vorrangstellung" zukomme, schließlich den geistlichen Berufungen. Beinahe auf den Tag genau vor 50 Jahren - am 13. September 1958 - hatte die Maria-Namen-Feier erstmals in der Wiener Stadthalle stattgefunden. Seither wird die Stadthalle alljährlich zum Fest Maria Namen zur größten Kathedrale Österreichs.
Bei der Maria-Namen-Feier war auch der Apostolische Nuntius, Erzbischof Edmond Farhat, anwesend, der die Segensgrüße von Papst Benedikt XVI. überbrachte, der sich zum selben Zeitpunkt in Lourdes aufhielt. In Christus könnten Gebet, Opfer und gute Werke zum "Heil der Mitmenschen" beitragen, zitierte der Nuntius den Papst. Der neue Bischof von Leiria-Fatima, Antonio Augusto dos Santos Marto, war erstmals bei der Maria-Namen-Feier; er betonte, dass die Botschaft von Fatima eine "Botschaft des Erbarmens, des Trostes und des Friedens" sei.
An der traditionsreichen Feier, die auf den Wiener Franziskanerpater Petrus Pavlicek zurückgeht, nahmen Tausende Gläubige aus Österreich und den Nachbarländern teil. Unter den Konzelebranten waren der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz und die Wiener Weihbischöfe Franz Scharl und Stephan Turnovszky. Auch Repräsentanten des öffentlichen Lebens waren anwesend, so der 2. Nationalratspräsident Michael Spindelegger, der VP-Klubobmann (und frühere Bundeskanzler) Wolfgang Schüssel, der frühere Nationalratspräsident Andreas Khol, Caritas-Präsident Franz Küberl und der Präsident des Katholischen Laienrats, Wolfgang Rank.
Gebet und Sühne
Die Bedeutung des Festes Kreuzerhöhung stellte der Heiligenkreuzer Zisterzienser P. Karl Wallner in den Mittelpunkt seiner Predigt. Das Kreuz sei in der Antike ein "abscheuliches Tötungsinstrument" gewesen; durch Christus sei es aber zu einem "Symbol der siegreichen Liebe Gottes" geworden. "Durch das Kreuz wollte Gott das Böse wegschaffen", betonte P. Wallner. Daher gehöre dieses Zeichen auch in die öffentlichen Gebäude, vor allem in die Klassenzimmer, betonte er unter dem Beifall der Gläubigen.
Maria habe in Fatima von den Seherkindern zwei Dinge verlangt: Gebet und Bereitschaft zur Sühne. Der Gedanke der Sühne sei heute schwer vermittelbar, erinnerte P. Wallner. Sühne bedeute stellvertretenden Kampf gegen die Sünde in großer Liebe zu den Mitmenschen. Auf keinen Fall bedeute Sühne etwas wie "Masochismus oder übertriebenen Asketismus". "Gott will nicht, dass die Menschen leiden", betonte der Zisterzienser, der auch Rektor der Päpstlichen Hochschule Heiligenkreuz ist. Aber die Annahme des Leids könne bedeuten, aus den "Gebrechen des Alltags" ein "Für" zu machen, Sinnloses in Heilsames zu verwandeln.
Als "Zeuge" der Barmherzigkeit Gottes trat bei der Maria-Namen-Feier der 47-jährige Torsten Hartung auf. Er stammt aus der Ex-DDR; er war in einer von Atheismus, Streit und Gewalt geprägten Familie aufgewachsen. Als junger Mann kam er in Kontakt zur baltischen Mafia; schließlich erschoss er einen "Konkurrenten".
In der Stadthalle schilderte Hartung eindrücklich sein Abgleiten ins Verbrechen, aber auch seinen Weg zu Gott. Er vernahm in seinem Gewissen die Stimme Gottes, die ihn veranlasste, sein Verbrechen einzugestehen und eine 15-jährige Gefängnisstrafe auf sich zu nehmen. Im Gefängnis vertiefte er sich immer mehr in die Heilige Schrift, im Juni 2000 wurde er getauft und empfing die Erstkommunion. Als er vor zwei Jahren entlassen wurde, gründete er den Verein "Maria hilft", der sich seelsorglich um Inhaftierte kümmert, derzeit in einem großen Jugendgefängnis.






