Enquete des "Katholischen Familienverbands Österreichs" (KFÖ) zum Thema "beziehungs-los" in Wien - Familienstaatssekretärin Marek: "Hoffe auf weitere konstruktive Inputs des KFÖ"
Wien (KAP) "Familie hat Zukunft als Lebensmodell", sagte der Präsident des Katholischen Familienverbandes Österreichs (KFÖ), Prof. Clemens Steindl, am 18. September 2009 bei der Eröffnung der Enquete "beziehungs-los". Ziel der Enquete war es, auf wissenschaftlichem Niveau die tatsächliche Lebensrealität heutiger Paarbeziehungen sowie familiäre Lebensrealitäten zu erfassen. Es gehe darum, "Freude an und mit Kindern sowie Freude an und mit Familie" zu vermitteln, so Steindl.
Insgesamt sei das Thema der Zukunftsfähigkeit von Familien und Paarbeziehungen "hochaktuell", betonte der KFÖ-Präsident unter Verweis auf die unlängst erschienene Studie über den Wertewandel in Österreich 1990-2008. Darin komme deutlich zum Ausdruck, dass ein stabiles Beziehungsleben sowie der Wunsch nach Familie ein "hochgradiger Sehnsuchtswert" in der Bevölkerung sei.
Laut Studie gehört für die Hälfte der Österreicher zum Glücklichsein eine Ehe oder eine dauerhafte Beziehung. 80 Prozent der befragten Jugendlichen äußerten den Wunsch, einmal heiraten zu wollen. Gleichzeitig gibt es in Österreich jährlich etwa 20.000 Scheidungen, von denen rund 21.000 Kinder betroffen sind. Angesichts dieser Zahlen müsse man sich fragen, "warum heute Sehnsuchts- und Realitätswerte so weit auseinanderklaffen", so KFÖ-Präsident Steindl.
Politische Rückendeckung bekam Steindl von Familien-Staatssekretärin Christine Marek. Den Familien müsse alle notwendige materielle Unterstützung zukommen, "damit die Beziehungen dauerhaft gelebt werden können". Einen großen Wurf stelle in diesem Zusammenhang etwa die Weiterentwicklung des Kinderbetreuungsgeldes um eine einkommensabhängige Variante zur Erleichterung der Vereinbarkeit von Erwerbs- und Familienleben dar.
Eine weitere wichtige familienpolitische Maßnahme sei die Einführung des Gratis-Kindergartens für Fünfjährige in ganz Österreich sowie der flächendeckende Ausbau von bedarfsgerechter und qualitätvoller Kinderbetreuung. Dazu habe der Bund für die Jahre 2008 bis 2013 bereits rund 370 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Marek verwies darüber hinaus auf die rund 400 vom Familienministerium geförderten Familienberatungsstellen.
Als "erschreckend" bezeichnete Marek die auf 48 Prozent gestiegene Scheidungsrate in Österreich. Dies sei "das eigentliche Drama in unserer Gesellschaft", so die Familien-Staatssekretärin. Daher seien auch alle Veranstaltungen willkommen, die - wie die Enquete des KFÖ - das Thema Beziehungen auf das Tapet bringen. Zugleich hoffe sie "auf viele weitere konstruktive Inputs des KFÖ", so Marek zum Abschluss.
Familienverband zog positives Resümee
Eine durchwegs positive Bilanz zur jüngsten Enquete "beziehungs-los" zieht der Katholische Familienverband Österreichs (KFÖ). Wie KFÖ-Präsident Prof. Clemens Steindl gegenüber "Kathpress" betont, habe die Enquete deutlich werden lassen, dass der Familienverband "am Puls der Zeit und am Puls der relevanten politischen Fragen agiert" und so ein verlässlicher und zugleich innovationsreicher Partner für die Politik sei. Familienstaatssekretärin Christine Marek hatte bei der Enquete dem KFÖ ausdrücklich ihre Hochachtung ausgesprochen und den Verband ermutigt, auch weiterhin produktiv an der Gestaltung der Familienpolitik in Österreich mitzuwirken.
Die Enquete, die am Freitag, 18. September, in Wien stattfand, habe deutlich gemacht, dass Familienpolitik "mehr ist als die Beantwortung der Frage nach materieller Absicherung". Es gehe immer auch um eine "ideelle Aufwertung der Familie", so Steindl. Besondere Freude äußerte Steindl über das hohe Publikumsinteresse, das dazu führte, dass man die Veranstaltung in einen größeren Raum verlegen musste. "Wir werten den Zuspruch als Zeichen der Brisanz und der Dringlichkeit, die den Themen Familie und Beziehung zukommt", so der KFÖ-Präsident.
Die Politik sei nun gehalten, dies in politisches Handeln zu übersetzen, so Steindl weiter. Als Anregung gab er daher der Familienstaatssekretärin die Forderungen des KFÖ nach einer Valorisierung der Familienleistungen, nach einer Aufnahme der Kinderrechte in die Bundesverfassung sowie nach einer Entlastung des Familienlastenausgleichsfonds (FLAF) von nicht familienbezogenen Ausgaben wie etwa Pensionszahlungen. In den Gesprächen am Rande der Enquete seien diese Themen von den Teilnehmern immer wieder angesprochen und diskutiert worden. Hier werde der KFÖ weiterhin Druck ausüben, kündigte Steindl an.
Neben der statistisch-empirischen Vertiefung, die die Wiener Familiensoziologin Prof. Ulrike Zartler bei der Enquete vornahm, hob Steindl insbesondere den Vortrag des Bochumer Sozialpsychologen Prof. Hans-Werner Bierhoff hervor, der das Phänomen frühkindlicher Bindung und dessen Auswirkung auf die Bindungsfähigkeit im Erwachsenenalter beleuchtete. Diese wissenschaftlichen Erkenntnisse zeigten laut Steindl, dass der Familienverband "auf dem richtigen Weg" ist, wenn er einen engen Konnex zwischen einem gelingenden Familien- und einem gelingenden Beziehungsleben sieht.
Schließlich sprach sich Steindl für die Einrichtung regelmäßiger Foren zu familienpolitischen Fragestellungen aus. Die jüngste Enquete könne als erster Testballon zur Institutionalisierung eines solchen familienpolitischen "Think Tanks" verstanden werden, so Steindl. Der KFÖ werde diesen Weg konsequent weiter beschreiten und daher im Frühjahr des kommenden Jahres zu einer weiteren Veranstaltung zum Thema "Familien unter Druck" einladen, bei der die verschiedenen familiären Belastungsformen wie Schule, Wirtschaft oder Beruf diskutiert werden sollen.






