Freude in Kirche und Staat über Papst-Zusage zum Mariazell-Besuch
Benedikt XVI. bestätigte in Großinterview am Sonntagabend für 2007 zwei Reisen - Die Einladung der österreichischen Bischöfe zu Mariazell-Besuch für Anfang September 2007 war vor einem Jahr erfolgt
Wien-Castel Gandolfo, 14.8.06 (KAP) In der österreichischen Kirche und im Staat herrscht Freude über die Zusage des Papstes zu einem Mariazell-Besuch 2007. Benedikt XVI. hatte in seinem am Sonntagabend in zahlreichen deutschsprachigen Sendern - darunter ORF und "Radio Stephansdom" - ausgestrahlten Großinterview für das Jahr 2007 zwei Reisen bestätigt: eine nach Brasilien und eine nach Österreich.
Die Reise zum 850-Jahre-Jubiläum des Marienheiligtums Mariazell sei "vereinbart", so der Papst wörtlich: "Das habe ich einfach so ein bisschen leichtsinnig versprochen. Es hat mir so gut gefallen dort, dass ich gesagt habe: Ja, zur Magna Mater Austriae komme ich wieder. Und das war natürlich sofort eine Zusage, die ich auch einhalten werde und gern einhalte."
Die Einladung der österreichischen Bischöfe zu einem Mariazell-Besuch für Anfang September 2007 war vor einem Jahr erfolgt. Der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Kardinal Christoph Schönborn, hatte sie im November 2005 beim Ad-limina-Besuch im Vatikan ausgesprochen.
Papst besucht auch CELAM-Treffen
Die Brasilienreise ist für Ende Mai 2007 anberaumt. Nächstes Jahr treffe sich in Brasilien die CELAM, die Vereinigung der lateinamerikanischen Bischofskonferenzen, so Benedikt XVI. in dem Großinterview: Dort dabei zu sein sei "ein wichtiger Vorgang in dem ganzen Drama, das Südamerika erlebt", aber auch vor dem Hintergrund der ganzen Kraft der Hoffnung zu sehen, die dort wirksam sei.
Im April hatte der Erzbischof von Aparecida, Raymundo Damasceno Assis, Details über den Papstbesuch in Brasilien bekannt gegeben. Demnach wird Benedikt XVI. am 31. Mai 2007 zum Abschluss der 5. Generalversammlung der CELAM in das brasilianische Marienheiligtum "Nossa Senhora da Aparecida" kommen. Die Basilika von Aparecida im Bundesstaat Sao Paulo ist zur Zeit die größte Kirche Brasiliens und ganz Lateinamerikas. Sie fasst 45.000 Personen. Bei der Konferenz in Aparecida versammeln sich vom 13. bis zum 31. Mai kommenden Jahres sämtliche Bischöfe Lateinamerikas. Auch die erste Generalversammlung des lateinamerikanischen Episkopats hatte 1955 in Brasilien stattgefunden.
"Nicht mehr stark genug für viele große Reisen"
Benedikt XVI. will sich aber ansonsten mit Reisen zurückhalten. "Ich muss sagen, ich fühle mich nicht sehr stark, um noch viele große Reisen anzuzetteln", sagte er. Er wolle "ins Heilige Land gehen und hoffentlich es in Frieden betreten können", so der Papst: "Und im Übrigen wird man sehen, was die Vorsehung an mich heranträgt."
Mit Blick auf seinen bevorstehenden Besuch in Bayern rief Benedikt XVI. die Kirche zu einer neuen Verkündigungsoffensive auf. Sie solle ihre Botschaft nicht defensiv, sondern positiv, dynamisch und mit Zuversicht zur Geltung bringen, sagte er in dem Gemeinschafts-Interview von ARD, ZDF, Deutscher Welle und Radio Vatikan. Das Christentum sei nicht eine Ansammlung von Verboten, sondern eine positive Option.
Benedikt XVI. betonte, trotz einer heute verbreiteten Kälte gegenüber Gott gehöre die christliche Lehre "nicht in die Mottenkiste der Geschichte". Vor allem wegen ihrer Erfahrungen in der Theologie, Liturgie und Ökumene sei sie trotz mancher Einbrüche auch in Europa zukunftsfähig.
Das im päpstlichen Sommersitz Castel Gandolfo geführte Gespräch stand im Vorfeld der Reise, die der 79-Jährige vom 9. bis 14. September in seine bayerische Heimat unternehmen will. Er komme in seine Heimat, um noch ein Mal die Orte zu sehen, wo er groß geworden sei, erläuterte der Papst. Er wolle den Menschen danken, die ihn geprägt hätten.
Ökumene: Ethische Richtlinien betonen
Benedikt XVI. sagte zur Ökumene in Deutschland, die Katholiken und die evangelische Kirche, "die ja sehr vielgestaltig ist", sollten in erster Linie die großen ethischen Richtlinien vertreten. Ohne diesen ethischen Zusammenhalt lasse sich Politik mit ihrem Einsatz für Gerechtigkeit, gutes Miteinander und Frieden nicht verwirklichen. Auch wenn man "nicht so schnell zu äußeren Einheiten" komme, werde eine innere Einheit reifen, die eines Tages auch äußere Formen von Einheit bringen könne.
Die Priesterweihe für Frauen lehnte der Papst erneut ab. Die Kirche fühle sich diesbezüglich "durch den Glauben und die Konstitution des Apostelkollegiums bestimmt" und zur Weihe-Erteilung nicht ermächtigt. Aber er glaube - so Benedikt XVI. - die Frauen selber würden "mit ihrem Schwung und ihrer Kraft, mit ihrem Übergewicht sozusagen, mit ihrer 'geistlichen Potenz', sich ihren Platz zu verschaffen wissen. Und wir sollten versuchen, auf Gott zu hören, dass wir wir das auch nicht behindern."
Ausdrücklich verurteilte Benedikt XVI. die Gewalt im Nahen Osten. Krieg sei "stets die schlechteste Lösung für alle". Er bringe "niemandem etwas Gutes, auch nicht dem scheinbaren Sieger". Die Politiker müssten nach Wegen suchen, damit Menschen schnellstmöglich und dauerhaft friedlich zusammenleben können.






