Mit rund 40 Fastentüchern verfügt Kärnten über den größten Bestand dieser oft Jahrhunderte alten Kunstwerke Klagenfurt, 15.2.10 (KAP) Sie gehören zu den ältesten Zeugnissen von Glaube, Kultur und Brauchtum: die Fastentücher. Eine besondere Tradition und Vielfalt hat sich mit rund 40 Tüchern in Kärnten erhalten. Ab Aschermittwoch werden die Bildertücher in zahlreichen Kirchen des südlichsten österreichischen Bundeslandes im Chorraum vor dem Hochaltar hochgezogen und verbleiben dort bis zum Mittwoch der Karwoche, mancherorts auch bis zum Karsamstag. Das älteste und zugleich größte der erhalten gebliebenen Fastentücher in Kärnten - das Fastentuch von Gurk - stammt aus dem Jahr 1458 und enthält 99 szenische Darstellungen auf 80 Quadratmeter Leinentuch. Eine Besonderheit des Gurker Fastentuches ist die Einbindung und Darstellung von Menschen aus der Profangeschichte in den Heilsplan Gottes, zum Beispiel von Alexander den Großen, Julius Cäsar oder Kaiser Augustus. Weitere bedeutende Fastentücher sind jene von Haimburg (1504), Reichenfels (um 1520, in Bad St. Leonhard befindlich), Steuerberg (um 1530, Diözesanmuseum) und Millstatt (1593). Die Tradition der Fastentücher geht auf einen kirchlichen Brauch mit einer fast tausendjährigen Geschichte zurück. Dabei wird das Fastentuch zu Beginn der Fastenzeit aufgezogen, um Altar und Kreuze zu verhüllen, und in der Karwoche wieder abgenommen. Die Gründe für die Entstehung der Fastentücher sind vielschichtig. Der ursprüngliche Zweck war die Verhüllung, gleichsam ein "Fasten der Augen". Je dekorativer die anfänglich schmucklosen Tücher im Laufe der Zeit mit biblischen Szenen ausgestaltet wurden, desto mehr dienten sie auch der Glaubensunterweisung. Sie hatten damit eine verhüllende, dekorative und lehrende Funktion. Warum jedoch gerade in Kärnten so viele der ursprünglich europaweit verbreiteten Fastentücher erhalten blieben und bis heute ihren Platz im kirchlichen Festbogen haben, ist nicht bekannt. Von den "jüngeren" Fastentüchern sind jene von Karl Bauer in Klagenfurt-St. Peter (1983), von Peter Brandstätter in Maria Bichl/Lendorf (2000) und aufgrund seines theologischen Konzepts jenes von Villach-Heiligenkreuz (1994/95) zu nennen. Karl Wolschner schuf 1990-94 ein Fastentuch in Seidenbatik-Technik, das nun in Maria Saal zu sehen ist; Mit 35 Quadratmeter ist es das größte Tuch in dieser Technik. 2006 schuf Valentin Oman ein Fastentuch für die Pfarrkirche Latschach/Loce am Faakersee. Das jüngste Fastentuch stammt von Ferdinand Penker. Es ist 2009 entstanden und ist in der Stadtpfarrkirche von Straßburg im Gurktal zu sehen. Im Klagenfurter und im Innsbrucker Dom Im Rahmen der Reihe "Kunst im Dom" wird Diözesanbischof Alois Schwarz bei der Aschermittwochsliturgie im Klagenfurter Dom (Beginn: 19 Uhr) die heurige Fastentuchinstallation unter dem Titel "LEBENdig" des Künstlers Uwe Bressnik präsentieren. Auch in Tirol ist die Tradition der Fastentücher präsent. So wird ein 77 Quadratmeter großes Fastentuch des Osttiroler Künstlers Michael Hedwig am Aschermittwoch im Innsbrucker Dom St. Jakob angebracht. Dabei handelt es sich um ein Auftragswerk des Arbeitskreises "Kunstraum Kirche" der Katholischen Aktion Tirol und der Innsbrucker Dompfarre. Das Tuch zeigt zwei Fastensonntagsmotive: die "Totengebeinvision des Propheten Ezechiel" und die "Verklärung Jesu". Tradition der "Hauslehre" Neben den Fastentüchern wurde in Kärnten mit der "Hauslehre" im vergangenen Jahr eine weitere Tradition zur Fastenzeit wieder entdeckt. Auch heuer lädt der Stiftspfarrer von Gurk, Msgr. Gerhard Christoph Kalidz, wieder zu den als "Hauslehre" bekannten Gesprächen in Gurk. Bei dieser Tradition lädt jeweils eine andere Familie die Nachbarn und den Pfarrer ein, um sprichwörtlich "über Gott und die Welt" zu sprechen. Die erste "Hauslehre" in der Stiftspfarre Gurk findet am Donnerstag, 18. Februar, statt (weitere Informationen erteilt Msgr. Kalidz, Tel: 0664/1817524).
Fastentücher: Lebendige Zeugnisse von Glaube, Kultur und Brauchtum






