Scharfe Kritik der Kirchen an dem FP-Plakatslogan "Abendland in Christenhand"
Wien, 8.5.09 (KAP-ID) Die Wogen gingen hoch, nachdem sich zunächst der Ökumenische Rat der Kirchen in Österreich (ÖRKÖ) und anschließend der Präsident des Katholischen Familienverbandes Österreich (KFÖ), Clemens Steindl, in aller Schärfe von der jüngsten FPÖ-Plakataktion zur Europawahl distanziert hatten. Der Slogan "Abendland in Christenhand" unterschlage, dass "jedes Land in Gottes Hand sei" und stelle letztlich eine "Anti-Botschaft zum Christentum dar, erklärte ÖRKÖ-Pressesprecher Prof. Helmut Nausner in einer Aussendung. KFÖ-Präsident Steindl sprach gar von einem "infamen Missbrauch" des Christlichen.
Zuspruch und Unterstützung für die offenen kirchlichen Worte kam von Seiten der Islamischen Glaubensgemeinschaft in Österreich (IGGiÖ). Der Slogan sei "hetzerisch", pflichtete die IGGiÖ der kirchlichen Kritik in einer Aussendung bei, und er stelle einen eindeutigen Missbrauch von Religion dar. Prompt konterte die IGGiÖ in der Aussendung mit einer eigenen Slogan-Variante: "Abendland nicht in Faschistenhand".
Antiislamisch und antisemitisch
Auch kritisierte die IGGiÖ die in dem Slogan transportierte "andauernde Unterstellung, Muslime würden gleichsam wie 'im Auftrag der Religion' bereits mit ihrer Sichtbarkeit im öffentlichen Leben an einer Art 'Unterwanderung Österreichs' oder gar einer 'Machtübernahme' arbeiten". Dies sei "höchst gefährlich für den gesellschaftlichen und religiösen Frieden im Land", hieß es. Darüber hinaus seien "derartige Phantastereien aus islamisch theologischer Sicht kompletter Schwachsinn".
Der Slogan sei außerdem nicht nur islamfeindlich, sondern auch antisemitisch, erklärte die IGGiÖ mit dem Hinweis darauf, dass "generell alle Menschen nicht-christlichen Bekenntnisses krass ausgegrenzt und stigmatisiert" würden. Sie berichtet von einer Häufung von Übergriffen auf Muslime und wünscht sich eine "breite gesellschaftspolitische Debatte" über "zu Aggression provozierende Plakate".
Medialer Schlagabtausch
Ihren medialen Gegenschlag führte die FPÖ in Form von wohl orchestrierten Presseaussendungen. So rückte zunächst EU-Kandidat Andreas Mölzer aus und erklärte die Kirchenkritik als "feige und mutlos". Für ihn "als Katholik" sei es "schon erschreckend genug, wie die christlichen Kirchen dabei zusehen, dass Europa einer immer stärker werdenden Islamisierung ausgesetzt ist", ebenso erschreckend sei nun jedoch die ÖRKÖ-Kritik an der FPÖ, die als einzige Partei "die christlichen Werte in Europa und in Österreich verteidigen" wolle.
Assistenz bekam Mölzer prompt vom oberösterreichischen FP-Landesparteiobman-Stellvertreter Manfred Haimbucher, der in einer langen Presseaussendung ebenfalls nachweisen wollte, dass die FPÖ "die einzige Partei in Österreich" sei, die sich "die Verteidigung der kulturellen Werte, die auch auf dem Erbe des europäischen Christentums beruhen", auf die Fahnen geschrieben habe. Angesichts einer "drohenden Islamisierung" und einer "gescheiterten Integration" sei die Kritik des ÖRKÖ daher "entschieden zurückzuweisen".
Vollends in den Gegenangriff ging schließlich FP-Generalsekretär Herbert Kickl über, als er formulierte: "Es wäre wünschenswert, wenn jene, die sich stets über einen Schwund an Anhängern beschweren, in wesentlichen Fragen mehr Profil zeigen würden."
Mediale Unterstützung von Parteienseite für die kirchliche Kritik kam einzig von den "Grünen". So wundert sich "Grünen"-Bildungssprecher Harald Walser in einer Aussendung, dass "ausgerechnet die früher streng antichristlich und vor allem anti-klerikal ausgerichteten Anhänger germanischer Kulte nun das Christentum retten wollen". Mit ihren "aggressiven und hetzerischen Plakaten" bediene die FPÖ "nicht nur antiislamische, sondern auch latent antisemitische Vorurteile", so Walser.
"Wehrhafte Christen"
In der österreichischen Presse hat sich die Kontroverse einzig in einem Kommentar von Karin Leitner im "Kurier" (6. Mai) niedergeschlagen. Darin befindet sie die Kirchenkritik als "berechtigt" und zugleich als "bemerkenswert", da sich die Kirche "normalerweise mit Kritik an Parteien zurück(halte)", so Leitner. Durch die kirchliche Kritik sei es nun jedoch "mit der freiheitlichen Nächstenliebe ... vorbei": "Wehrhafte Christen sind wohl nur so lange erwünscht, solange sie sich nicht gegen die Freiheitlichen richten."






