Benedikt XVI. betonte in seiner ersten großen Rede in Frankreich im Elysee-Palast den Wert einer gesunden Laizität
Paris, 12.9.08 (KAP) Seine Sorge über die globalen ökologischen und entwicklungspolitischen Probleme brachte Papst Benedikt XVI. bei seiner Ansprache im Elysee-Palast zum Ausdruck. Der Papst war um 12.30 Uhr zum zeremoniellen Höflichkeitsbesuch bei Präsident Sarkozy im Pariser Elysee-Palast eingetroffen. Anschließend fand die Begegnung mit den Repräsentanten des französischen Staates im Elysee-Palast statt. Er sei beunruhigt über den Zustand der Welt, die Zeit sei gekommen, "konstruktivere Vorschläge zu machen, um das Wohl der kommenden Generation zu gewährleisten", sagte Benedikt XVI. Der Papst verlangte dauerhafte gerechte Lösungen zugunsten der Armen weltweit. Auch bei der Begegnung mit den staatlichen Autoritäten unterstrich Benedikt XVI. - wie schon bei seiner "fliegenden Pressekonferenz" - den Wert einer gesunden Laizität.
In seiner offiziellen Begrüßungsrede unterstrich Sarkozy sein Konzept einer "positiven Laizität". Der Dialog mit den Religionen sei legitim für eine Demokratie und entspreche dem Grundkonzept der Laizität. Insbesondere die christliche Religion, mit der Frankreich eine lange Geschichte teile, sei ein lebendiges Erbe des Nachdenkens über Gott, den Menschen und die Gesellschaft. "Es wäre verrückt, sich dessen zu berauben. Es wäre ein Vergehen gegen die Kultur und gegen die Vernunft", sagte er. Eine positive, offene Laizität sei eine Einladung zu Dialog, Toleranz und Respekt.
Nichts wäre schlimmer als eine Wiederaufnahme der Religionskriege, warnte der Präsident. Das Gespräch mit und unter den Religionen sei eines der großen Themen des 21. Jahrhunderts. Die politisch Verantwortlichen könnten nicht umhin, sich dafür zu interessieren. Aber sie könnten nur dann zu diesem Dialog beitragen, wenn sie die Religionen respektieren.
Auch Benedikt XVI. würdigte die grundsätzliche Unterscheidung von Religion und Politik. Der Lösungsansatz liege schon in dem Christuswort "Gebt dem Kaiser, was dem Kaiser gehört und Gott, was Gott gehört", so Benedikt XVI. "Gegenwärtig erfreut sich die Kirche in Frankreich einer Ordnung der Freiheit. Das Misstrauen der Vergangenheit hat sich allmählich in einen sachlichen und positiven Dialog verwandelt, der sich zunehmend festigt", sagte der Papst.
Angesichts einer wachsenden Verflechtung der Kulturen sei ein neues Nachdenken über Laizität notwendig, so Benedikt XVI. Eine Trennung zwischen Staat und Kirche garantiere sowohl Religionsfreiheit als auch die Verantwortung des Staates gegenüber seinen Bürgern. Andererseits gelte es, sich "der unersetzlichen Funktion der Religion für die Gewissensbildung bewusst zu werden". Die Religion leiste auch einen wesentlichen Beitrag zur Bildung eines ethischen Grundkonsenses in der Gesellschaft.
Blaise-Pascal-Gesamtausgabe als Geschenk
Beim Höflichkeitsbesuch im Elysee-Palast übergab Sarkozy dem Papst eine Lithographie und eine bibliophile Gesamtausgabe des Werkes von Blaise Pascal. Das Geschenk Benedikts XVI. an den französischen Präsidenten war eine Ansicht der römischen Lateran-Basilika.
Auf Grund eines alten Privilegs ist der jeweilige französische Staatschef Ehrenkanoniker von San Giovanni in Laterano. Sarkozy wurde im Dezember 2007 in dieses Ehrenamt eingeführt. Auch die meisten von Sarkozys Vorgängern nach dem Zweiten Weltkrieg hatten diese Ehrung persönlich entgegengenommen; nur in der "Belle Epoque" und in der Zwischenkriegszeit waren die streng laizistischen Präsidenten dazu nicht bereit.
Nach der Geschenkübergabe erfolgte das Vieraugengespräch zwischen Sarkozy und Benedikt XVI. Der Meinungsaustausch fand in der "Grande Salle des Fetes" des Elysee-Palastes statt.






