Kardinal Martino begrüßt positive Übereinstimmung zwischen Papst Benedikt XVI. und dem französischen Staatspräsidenten Nicolas Sarkozy
Vatikanstadt, 14.9.08 (KAP) Mit dem Fall des Eisernen Vorhangs hat der Präsident des Päpstlichen Rates für Gerechtigkeit und Frieden ("Iustitia et Pax"), Kardinal Renato Raffaele Martino, die jüngsten Erklärungen zum Staat-Kirche-Verhältnis in Frankreich verglichen. Nach der Mauer des Kommunismus sei nun auch diejenige des Laizismus zusammengebrochen, sagte der Kardinal in einem Interview mit der italienischen Tageszeitung "La Stampa". Die "perfekte Übereinstimmung" zwischen Papst Benedikt XVI. und Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy entziehe den letzten Laizisten den Boden unter den Füßen.
Frankreich habe seit 1789 den ideologischen Deckmantel für diejenigen geboten, die eine feindselige und intolerante Haltung gegen die Kirche hegen, sagte der Kardinal. Dies sei nun offensichtlich überwunden. "Die übereinstimmenden Ansichten zwischen dem Vatikan und dem Elysee sind ein Signal, dass niemand zum Glauben gezwungen, aber auch niemand im Glauben gehindert werden darf", sagte der Kardinal. Das Konzept einer "gesunden Laizität" gehe auf Christus selbst zurück, der gefordert habe, dem Kaiser zu geben, was dem Kaiser gehört, und Gott, was Gott gehört. Laizisten verteidigten zwar in Worten die Meinungsfreiheit, faktisch verweigerten sie diese aber bisweilen der Kirche.
Sarkozy hatte sich in seiner Begrüßungsrede an Benedikt XVI. am Freitag zu einer "positiven Laizität" bekannt. Der Papst seinerseits unterstrich im Elyseepalast, eine Trennung zwischen Staat und Kirche garantiere sowohl Religionsfreiheit als auch die Verantwortung des Staates gegenüber seinen Bürgern. Zudem hob er die Rolle von Religionen für die Bildung eines ethischen Grundkonsenses in der Gesellschaft hervor. Auch angesichts der wachsenden Verflechtung der Kulturen sei ein neues Nachdenken über Laizität notwendig, so der Papst.






