Wiener Erzbischof leitet im April Pilgerreise zum Grabtuch
Rom-Wien (KAP) Hunderte ausländische Pilgergruppen werden im Apri und Mai Turin besuchen, wo nach zehn Jahren wieder eine Ausstellung des berühmten Grabtuchs stattfindet. Aus den italienischen Diözesen und Pfarren kommen weitere geschätzte 1,5 Millionen Pilger. Papst Benedikt XVI. hat sein Kommen für 2. Mai angekündigt. Unter den angemeldeten Diözesanpilgergruppenführern sind Kardinal Christoph Schönborn und Kardinal Andre Vingt-Trois (Paris) die prominentesten, wie die römische katholische Nachrichtenagentur "Zenit" meldet.
Die von Schönborn geleitete diözesane Pilgerreise - insbesondere für die Leser des "Sonntag", der Wochenzeitung der Erzdiözese Wien - beginnt am 10. April und dauert bis 13. April. Ziele sind u.a. die Grabtuch-Ausstellung im "Museo della Sindone" und die Wirkungsstätten des Heiligen und Sozialpioniers Don Giovanni Bosco (1815-88), Gründer des Salesianerordens.
Weiters besucht der Kardinal mit den "Sonntag"-Lesern das Grab des Hl. Antonius in Padua. Die Reise findet in Zusammenarbeit mit der Katholischen Akademie der Erzdiözese Wien statt, die in den Jahren 2002 und 2003 zwei internationale wissenschaftliche Kongresse zum Turiner Grabtuch organisiert hat. Die wichtigsten Ergebnisse der beiden Kongresse sind in dem "Dom-Verlag"-Buch "Das Turiner Grabtuch" zusammengefasst. Herausgeberin ist die Leiterin der Wiener Katholischen Akademie, Elisabeth Maier.
Forschungsergebnisse aus der jüngeren Vergangenheit legen den Schluss nahe, dass das Turiner Tuch tatsächlich aus der Zeit Jesu stammt und nicht aus dem Mittelalter. Die Mittelalter-These kam in Folge des - inzwischen wieder umstrittenen - Radiocarbontests von 1988 auf.
Das 4,36 Meter lange und 1,10 Meter breite Leinentuch zeigt die Abdrücke eines gefolterten Menschen. Der vordere Abdruck zeigt den Kopf und das Gesicht eines Mannes von 1,70 bis 1,80 Metern Größe, mit langen Haaren, Schnurr- und geteiltem Backenbart. In den Haaren und im Gesicht sind Blutspuren sichtbar, die Gesichtszüge lassen auf zahlreiche Verletzungen wie Schwellungen unter dem Auge und am Unterkiefer schließen. Auf der rechten Seite des Oberkörpers sieht man eine Schnittwunde, die einen großen Blutfleck hinterließ. Weiters weist der Körper zahlreiche Verletzungen auf, die von Geißelungen her rühren
Der Erzbischof von Turin, Kardinal Severino Poletto, hatte 2007 mit Benedikt XVI. über die Möglichkeit einer Grabtuch-Ausstellung im "kleinen Jubiläumsjahr" 2010 beraten. Vor zwei Jahren entschied der Papst positiv und gab seine Entscheidung bei der Audienz für eine große Turiner Diözesanwallfahrt im Vatikan bekannt. Er komme damit dem Wunsch des Turiner Erzbischofs entgegen, so der Papst.
Die Ausstellung soll sich in das pastorale Erneuerungsprogramm der Erzdiözese Turin einfügen. Sie galt 2008 der Fernstehenden-Pastoral, 2009 dem "Wort Gottes" und 2010 der "Passion Christi".
Die Vorreservierung der Eintrittskarten zur Ausstellung des Turiner Grabtuchs ist über die Website www.sindone.org möglich. Giuseppe Ghiberti, Vorsitzender des diözesanen Ausstellungskomitees, rät dazu, möglichst einen Werktag für die Besichtigung zu wählen. Dann gebe es "weniger Gedränge und man kann ein paar Augenblicke länger vor dem Tuch verweilen", sagte der Priester der italienischen katholischen Nachrichtenagentur SIR. Die Gruppenanmeldungen konzentrieren sich nämlich vor allem auf Samstage und Sonntage.






