Brasilianische Bischofskonferenz bestätigt Tod von Zilda Arns, der Schwester des bekannten, befreiungstheologisch orientierten Kardinals Paulo Evaristo Arns, bei dem Beben
Port-au-Prince (KAP) Einen Tag nach dem schweren Erdbeben auf Haiti ist das Ausmaß der Katastrophe immer noch unklar. Präsident Rene Preval wollte sich noch nicht zur Zahl der Opfer äußern. Es gebe "viele Opfer", sagte er nach internationalen Medienberichten; "alle Krankenhäuser und Leichenhallen sind voll". Unter den Toten sind auch zahlreiche Priester und kirchliche Mitarbeiter, die kirchliche Infrastruktur ist weitgehend zerstört.
Unter den Todesopfern befindet sich auch der katholische Erzbischof der Hauptstadt Port-au-Prince, Serge Miot. Die Kathedralkirche Notre Dame, der Sitz des Erzbischofs sowie die Priesterseminare der haitianischen Hauptstadt sind völlig zerstört. Gemeinsam mit Miot liegen Dutzende Priester und Theologiestudenten unter den Trümmern begraben. Wie die Brasilianische Bischofskonferenz bestätigte, starb auch die Leiterin der brasilianischen Kinderpastoral, Zilda Arns - die Kinderärztin ist die Schwester des bekannten, befreiungstheologisch orientierten Kardinals Paulo Evaristo Arns -, bei dem Beben.
Haitis Regierungschef Jean-Max Bellerive sagte CNN, die Zahl der Toten könne "deutlich über 100.000" liegen: "Ich hoffe, dass das nicht wahr ist". Es seien jedoch "so viele Gebäude, so viele Gegenden völlig zerstört" worden, dass er mit der hohen Zahl von Opfern rechne.
Zahlreiche Länder haben unterdessen Bergungsteams und Hilfslieferungen entsandt. Der Flughafen von Haitis Hauptstadt Port-au-Prince wurde für den Zivilverkehr gesperrt. Die USA beorderten einen Flugzeugträger mit Transport-Hubschraubern an Bord nach Haiti. Das Rote Kreuz schätzt, dass jeder dritte Haitianer auf Hilfe angewiesen ist. Hilfsorganisationen berichten indes von Plünderungen.
Während in Haiti die Menschen verzweifelt nach Verschütteten graben und Trinkwasser und Lebensmittel knapp werden, sammeln sich im Nachbarland Dominikanische Republik die Hilfsteams aus aller Welt. Der Flughafen Santo Domingo ist jetzt das Drehkreuz für die Helfer. Nahrungsmittel, Medikamente, Zelte und Suchhunde sind auf dem Weg nach Port-au-Prince. Doch der Weg ist mühsam; die Infrastruktur ist zerstört.
Nach Angaben von UN-Generalsekretär Ban Ki Moon starben mindestens 16 Mitarbeiter der Weltorganisation, darunter zehn Blauhelmsoldaten aus Brasilien, drei aus Jordanien und einer aus Haiti. 56 Mitarbeiter wurden verletzt, weitere 150 würden noch vermisst.
Auch Salesianer-Einrichtungen zerstört
Die Salesianer wiederum berichten von drei komplett zerstörten Einrichtungen des Ordens in der Hauptstadt. In den Trümmern der technischen Schule und des Straßenkinderzentrums Lakay seien mehr als 200 Kinder und Jugendliche sowie ein Salesianerpater verschüttet. Auch die Don-Bosco-Einrichtungen in Carrefour, Petion Ville und Gressier seien beschädigt.
Prekär ist nach Angaben der Salesianer die Versorgung der Bevölkerung. "Schon jetzt hatten wir 26.000 Kinder, die in unseren Schulen ihre einzige Mahlzeit am Tag erhielten. Es gibt keinen funktionierenden Katastrophenschutz. Wir müssen mit dem Schlimmsten rechnen", heißt es aus der Ordensleitung.
Helfer vor Ort berichteten von unübersichtlichen und chaotischen Zuständen. Nach Angaben des Malteserordens sind die auf den Hügeln der Hauptstadt gebauten Slums in einer Schlammlawine abgerutscht. Straßen sind blockiert, das Telefonnetz ist zusammengebrochen.
Die zuständige Länderreferentin der Welthungerhilfe, Ute Braun, forderte eine schnelle und langfristige Hilfe für das Land, das als Armenhaus der westlichen Hemisphäre gilt: "Es könnte sonst vielleicht dazu kommen, dass Port-au-Prince völlig unkontrollierbar wird". Plünderungen und gesetzlose Zustände seien angesichts der zuvor schon teilweise chaotischen Zustände auf Haiti durchaus vorstellbar. Dazu komme, dass auch politische Institutionen und Personengruppen von der Katastrophe betroffen seien, die zuständig wären, nun Wege aus dem Desaster zu finden.






