Wien, 22.01.2010 (KAP) Auch in dem vom Erdbeben nicht betroffenen Norden Haitis ist das Elend groß, weil jetzt viele Betroffene aus der zerstörten Hauptstadt und den Krisenzentren im Süden dorthin geflohen sind. Das berichtete der Alt-Erzbischof von Cap Haitien, Francois Gayot, "Kathpress" gegenüber am Sonntag. Gayot hatte in der Vorwoche als Vertreter der Karibikstaaten an der Tagung der internationalen katholischen Migrantenkommission (ICMC) in Wien teilgenommen, an der auch Kardinal Christoph Schönborn als Repräsentant für Europa mitgewirkt hat. Positiv merkte Gayot an, dass die Phase der Angst und brutalen Hilfsgüter-Plünderungen zu Ende ist. Die Hilfe komme jetzt an. Wichtig sei die Helikopter-Verteilung in den unzugänglichen Gebieten. Im Norden helfe auch das Militär und die Polizei. Der Erzbischof - er war auch viele Jahre Vorsitzender der Bischofskonferenz Haitis - erinnerte, dass die Menschen seiner Heimat Erfahrung mit schrecklichen Katastrophen haben. Allein in den vergangenen zehn Jahren gab es mehrere große Hurrikans; der größte war "Jeanne" (2004), der 2.000 Tote und 200.000 Obdachlose forderte. "Auch mein erstes Jahr als Priester - 1954 - stand im Zeichen der Folgen eines fruchtbaren Zyklonsturms", sagte Gayot. Tausende Menschen seien betroffen gewesen. Haiti sei das ärmste Land Lateinamerikas, und für die Bischöfe habe der Kampf gegen die Armut deshalb einen hohen Stellenwert, betonte der Alterzbischof. Es gebe eine große Auswanderungsbewegung - vor allem in die USA und nach Kanada -, was auch Thema seiner ICMC-Arbeit sei. Auf politischem Gebiet habe es 1986 bis 2004 mehrere große Staatskrisen bzw. mehr oder minder gewaltsame Putsche gegeben. Diese politischen Krisen hätten auch die Kirche herausgefordert, doch sie seien vergleichsweise kurz und die Meinung des Volkes sei im allgemeinen "sehr eindeutig" gewesen, was das Handeln erleichtert habe, erläuterte Gayot. Demgegenüber sei der Kampf gegen das furchtbare Elend und die Errichtung einer einigermaßen tragfähigen wirtschaftlichen Basis für die Menschen "viel, viel mühsamer und langwieriger". Jetzt sei wiederum viel von dem, was in großer Mühe aufgebaut werden konnte, zerstört worden. Hunderttausende "stehen vor dem Nichts", klagte der Erzbischof: "Man braucht einen sehr großen Glauben und große Hoffnung in so einer Situation."






