Wien (KAP) Haiti braucht einen Schuldenerlass, um wieder auf die Beine zu kommen. Das fordert der Dachverband kirchlicher Hilfsorganisationen (KOO) am Mittwoch in Wien. Die österreichische Bundesregierung müsse sich für eine sofortige, vollständige und bedingungslose Entschuldung Haitis einsetzen, heißt es in einer Aussendung vom Mittwoch.
Der Karibikstaat bat die internationale Gemeinschaft um langjährigen Beistand; sein Land benötige mindestens fünf bis zehn Jahre lang Hilfe beim Wiederaufbau, sagte Ministerpräsident Jean-Max Bellerive nach seiner Rückkehr von der ersten Geberkonferenz, die zu Wochenbeginn in Montreal stattgefunden hatte.
Die notwendigen Mittel werden auf bis zu 15 Milliarden Dollar (knapp elf Milliarden Euro) geschätzt. Vereinbart wurde, dass die nächste Geberkonferenz für das zu den ärmsten Ländern der "Welt gehörende Haiti im März bei den Vereinten Nationen in New York stattfindet.
Mit Blick auf die Konferenz in New York und die Sitzung des Vorstands des Weltwährungsfonds (IWF) fordert die KOO (Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Internationale Entwicklung und Mission) die Bundesregierung auf, sich für die Entschuldung Haitis umgehend einzusetzen. Haiti habe derzeit Auslandsschulden im Umfang von über einer Milliarde Dollar; die internationalen Gläubiger erwarteten für heuer Rückzahlungen im Umfang von 17 Millionen Dollar.
Auf gar keinen Fall dürften Haiti durch Hilfen - wenn sie etwa in Form von Krediten gegeben wird - neue Schulden entstehen, so KOO-Geschäftsführer Heinz Hödl. Er weist auf einige neue Kreditzusagen hin, insbesondere von Seiten des IWF, der sehr rasch 100 Millionen Dollar Zahlungsbilanzhilfe bereitgestellt habe.
IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn habe weiters die Öffentlichkeit überrascht, als er einen praktischen Schuldenerlass für Haiti ankündigte. Allerdings werde ein offizieller Erlass durch mehrere Faktoren verkompliziert; so sei etwa im Falle der Schulden an Taiwan (92 Millionen Dollar) nicht die haitianische Regierung der Schuldner, sondern private Unternehmen.
"Beim IWF werden die Weichen bei der jetzigen Sitzung des IWF-Vorstandes in Washington gestellt werden. Umso enttäuschender ist nun, dass der sich umgehend regende Widerstand im Vorstand des IWF die Initiative sofort zu Fall bringt", so Hödl.
Weiters kritisiert der KOO-Geschäftsführer, dass Strukturanpassungsprogramme des IWF und Handelsliberalisierung die Handlungsfähigkeit des öffentlichen Sektors massiv geschwächt und die lokale Produktion von Nahrungsmitteln fast zum Erliegen gebracht hätten. Angesichts des Notstands explodierten nun die Nahrungsmittelpreise.
(Informationen im Internet: www.koo.at)






