Wien, 01.02.2010 (KAP) Über die "derzeit schwierige Übergangssituation" in Haiti berichtete die jüngst aus dem Erdbebengebiet nach Wien zurückgekehrte Caritas-Katastrophenhelferin Ruth Schöffl: "Auf der einen Seite leisten wir weiterhin Sofort- und Nothilfe, auf der anderen Seite haben die Planungen für einen mittel- und langfristigen Wiederaufbau begonnen", sagte Schöffl am Wochenende im Gespräch mit "Kathpress". Gemeinsam mit zwei weiteren Helfern war sie zwei Wochen lang vor Ort im Einsatz und half bei Verteilaktionen mit, begleitete "Rescue-Teams" und leistete Vorarbeiten für das weitere Schwerpunktengagement der Caritas in Leogane rund 30 Kilometer westlich der Hauptstadt Port-au-Prince. Selbst mehr als zwei Wochen nach dem verheerenden Erdbeben in Haiti könne man von Alltag in der Form, wie man ihn etwa in Europa kenne, nicht sprechen. Zwar haben bereits zahlreiche Geschäfte und Märkte wieder geöffnet und Banken ihre Filialen geöffnet, aber es ist "nicht mehr als die Rückkehr in das bereits zuvor existierende Chaos", so Schöffl. Auch gebe es immer noch "mehr als genug an Soforthilfe zu leisten". Zu einem immer größeren Problem werde etwa die Versorgung der zahlreichen Waisenkinder - UNICEF geht von rund einer halben Million haitianischer Waisen aus. Hier habe die Caritas Soforthilfe geleistet und werde sich auch weiterhin um den Wiederaufbau von Waisenhäusern kümmern, so Schöffl. Hunderttausende seien außerdem durch das Beben obdachlos geworden. Um Abhilfe zu schaffen, stellt die Caritas nun 5.000 Zelte zur Verfügung. Unbefriedigend gestalte sich derzeit die Zusammenarbeit mit den Regierungsstellen. Nachdem die Regierung anfangs "gänzlich abgetaucht" war, versuche sie sich derzeit wieder "in den Vordergrund zu bringen", so Schöffl. Doch obwohl die öffentlichen Stellen nicht durchsetzungsstark seien, sollten sie in die Planungen zum Wiederaufbau unbedingt eingebunden werden, so die Caritas-Katastrophenhelferin: "Denn das Schlimmste, was jetzt passieren könnte, wäre, wenn sich die Regierung gegen die Hilfsorganisationen stellen sollte." Wichtiges pfarrliches Hilfsnetz Ein wichtiges, bislang von der Öffentlichkeit wenig beachtetes, aber von der Caritas intensiv genutztes Hilfsnetz stellten die noch intakten Pfarrgemeinden in Haiti dar. "Die Menschen in den Pfarren sind gut vernetzt und wissen, wer wo am dringendsten Hilfe benötigt. Da docken wir als Caritas an und organisieren etwa mit Hilfe der Pfarren Verteilaktionen", sagte Schöffl. Nicht nur unter der katholischen Mehrheit des Landes sei die Trauer um den beim Beben verschütteten Erzbischof von Port-au-Prince, Serge Miot, groß gewesen, so Schöffl weiter. Miot galt als "Hoffnungsträger", der sich der offenen Korruption widersetzte und mit den Armen solidarisch zeigte. Den kritischen Stimmen, die aufgrund anfänglicher logistischer Probleme meinten, die Hilfe und entsprechend die Spenden kämen nicht dort an, wo sie gebraucht würden, entgegnete Schöffl: "Die Hilfe kommt an - nur ist halt so wahnsinnig viel Hilfe notwendig." Zugleich müsse die Hilfe organisiert ablaufen: "Man kann nicht einfach einen LKW mit Hilfsgütern öffnen; sonst würden nur jene profitieren, die am stärksten und skrupellosesten sind". Außerdem würden bei so einer Vorgangsweise viele Hilfsgüter letztlich auf dem Schwarzmarkt landen. Dagegen verfolge die Caritas derzeit die Strategie, etwa an bedürftige Familien und Frauen Bons auszugeben, die sie berechtigen, bei der nächsten Verteilaktion auf jeden Fall Hilfsgüter zu bekommen. Ihre eigene Rückkehr nach Österreich betrachtet Schöffl "mit gemischten Gefühlen": "Es gibt noch so viel zu tun, und überall sind lose Enden." Zugleich seien die zwei Wochen vor Ort so intensiv und anstrengend gewesen, dass sie nun erleichtert sei, durch frische Hilfskräfte ersetzt zu






