Berlin, 03.02.2010 (KAP) Katastrophenhelfer in Haiti warnen weiterhin vor überstürzten Adoptionen von Kindern aus dem Erdbebengebiet. "Selbst wenn Kinder mit eigenen Augen ansehen mussten, wie ihre Eltern von einstürzenden Häusern erschlagen wurden, müssen sie nicht ohne familiäre Obhut bleiben", schreibt der aus Österreich stammende Geschäftsführer der SOS-Kinderdörfer Deutschland, Wilfried Vyslozil, in einem Gastbeitrag für die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" (Mittwoch). Auslandsadoptionen dürften nur ein "allerletzter Ausweg" sein, selbst wenn diese rechtlich einwandfrei abliefen.
Vyslozil erinnerte an eine von den Vereinten Nationen verabschiedete Richtlinie über die Betreuung von Kindern in Katastrophenregionen. Das Erdbeben in Haiti sei der "erste große und dringende Fall", in dem die Vorgaben umgesetzt werden müssten. Demnach sind die von ihren Familien getrennten Minderjährigen zunächst behördlich zu registrieren. So lange wie erforderlich können die Betroffenen anschließend in familienähnlichen Strukturen betreut werden. Einen Aufenthalt außer Landes gestatten die Richtlinien laut Vyslozil nur in begründeten Ausnahmefällen.
Nach Ansicht des Vertreters der SOS-Kinderdörfer kann es Monate dauern, bis Verwandte von derzeit unbegleiteten Kindern gefunden werden. Mit Adoptionen gelte es also zuzuwarten. "Jedes Kind hat das Recht, in seiner eigenen Sprache aufzuwachsen, in seiner eigenen Kultur und mit seinem eigenen Glauben", erklärte Vyslozil.






