Auch kirchliche Hilfswerke unzufrieden mit den bisherigen Maßnahmen der Staatengemeinschaft
Port-au-Prince-Wien (KAP) Eine breite Plattform kirchlicher und nichtkirchlicher Organisationen aus aller Welt fordert weiterhin einen vollständigen Schuldenerlass für Haiti. Die Organisationen, darunter auch die Koordinierungsstelle der Österreichischen Bischofskonferenz für Internationale Entwicklung und Mission (KOO), nehmen dabei vor allem den Internationalen Währungsfonds (IWF) in die Pflicht. Anstatt neue Kreditlinien zu vergeben müssten die Schulden Haitis beim Währungsfonds gestundet werden, so die NGOs.
"Die Schulden haben dazu beigetragen unser Land zu zerstören", verweist etwa Camille Chalmers von der haitianischen "Advocacy Platform for Development" (PAPDA) darauf, dass die Basis für die Auslandschulden Haitis aus der Zeit der Militärdiktatur stamme. Die Kredite seit der Unterzeichung der ersten Vereinbarung mit dem IWF 1983 seien vergleichbar mit anhaltenden Erschütterungen, die Haitis Institutionen ausgehöhlt hätten, so Chalmers.
Die sieben führenden Industriestaaten (G7) der Welt haben am Wochenende bei einer Sitzung in der nordkanadischen Provinzhauptstadt Iqaluit beschlossen, dem Karibikstaat alle bilateralen Schulden zu erlassen. Allerdings sind die direkten Schulden Haitis bei den G7-Staaten wegen vorheriger Schuldenerlässe in Summe relativ gering.
Nicht betroffen vom G7-Beschluss sind Haitis Schulden bei internationalen Organisationen wie der Weltbank und dem Internationalen Währungsfonds. Laut Medienberichten liegen die Auslandsschulden Haitis insgesamt bei über einer Milliarde US-Dollar. Den Löwenanteil davon schuldet das Land der Interamerikanischen Entwicklungsbank (IDB) und dem Währungsfonds.
IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn hatte nach dem Erdbeben einen Schuldenerlass für Haiti angekündigt. Ende Jänner vergab der Währungsfonds dann doch einen, allerdings zinslosen, 102-Millionen-Dollar-Notkredit an Haiti, wodurch sich die Schulden des Landes beim IWF mehr als verdoppelten.
Laut Berechnungen des "Europäischen Netzwerks zu Schulden und Entwicklung" muss Haiti ohne weitere Schuldenerlässe in den kommenden neun Jahren rund eine halbe Milliarde US-Dollar an verschiedene Kreditgeber zurückzahlen.






