30 der 260 Seminaristen waren beim Erdbeben ums Leben gekommen
Port-au-Prince (KAP) Rund drei Monate nach dem verheerenden Erdbeben wird das interdiözesane Priesterseminar in der haitianischen Hauptstadt Port-au-Prince seine Arbeit wieder aufnehmen. Die Arbeit solle in der Woche nach Ostern wieder beginnen, teilte der Vorsitzende der Haitianischen Bischofskonferenz, Erzbischof Louis Kebreau, am Montag mit. Das Seminargebäude war bei dem Beben erheblich beschädigt worden, 30 der 260 Seminaristen kamen ums Leben.
Die Wiedereröffnung des Seminars bezeichnete Erzbischof Kebreau als "Zeichen der Hoffnung für dieses traumatisierte und zerstörte Land". Viele Menschen kämen zu den Geistlichen, um Beistand und Trost zu suchen. Zahlreiche Haitianer stünden wegen des Verlustes von Familienangehörigen noch immer unter Schock. Unter den mehr als 200.000 Toten des Erdbebens waren auch viele Opfer kirchlicher Einrichtungen.
Forderungen nach langfristiger Unterstützung
Vor der am Mittwoch in New York beginnenden internationalen Geberkonferenz für Haiti haben EU, UN und zahlreiche Hilfsorganisationen eine nachhaltige Unterstützung des Landes gefordert. Wie die EU am Dienstag in Brüssel ankündigte, stellen die EU-Kommission und die EU-Mitgliedsstaaten 1,2 Milliarden Euro für den Wiederaufbau und den Entwicklungsprozess Haitis bereit. Insgesamt würden in den kommenden zwei Jahren rund 3,8 Milliarden Euro für den Aufbau benötigt, hieß es.
Die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton betonte, Haiti sei auf die langfristige Hilfe seiner Entwicklungspartner angewiesen. Daher wolle sie sich bei der Geberkonferenz für einen Zehn-Jahres-Wirtschaftsplan einsetzen, der es den Haitianern ermögliche, gestärkt aus der Tragödie hervorzugehen.
UN-Generalsekretär Ban Ki Moon betonte, Haiti brauche keinen Wiederaufbau, sondern einen Neuaufbau. In den kommenden 18 Monaten werde eine Übergangskommission für den Wiederaufbau Haitis rund vier Milliarden US-Dollar für unterschiedliche Projekte und Programme zur Verfügung stellen. Ein UN-Sprecher warnte davor, beim Wiederaufbau Haitis die Rechte der haitianischen Bürger außer Acht zu lassen. Die internationale Gemeinschaft müsse den Zugang der Haitianer zu sozialen, kulturellen und wirtschaftlichen sowie zivilen und politischen Rechten sicherstellen.
Auch der Hilfswerke-Dachverband der Salesianer, Don-Bosco-International, hielt fest, dass es unerlässlich sei, die Bevölkerung in Wiederaufbaupläne miteinzubeziehen. Zudem müsse man im Falle Haitis in Jahrzehnten statt in Jahren denken. Auf der bevorstehenden Geberkonferenz müsse ein "Geist der Solidarität" herrschen.
Die Welthungerhilfe betonte, entscheidend sei nicht allein, welche Summen genannt würden, sondern vor allem die langfristige Einhaltung der Zusagen.
Das UN-Kinderhilfswerk UNICEF warnte unterdessen vor einer Verschärfung der Situation in Haiti während der bevorstehenden Regenzeit. Die Krise in Haiti ist noch nicht vorbei», betonte ein Sprecher. Das Hilfswerk forderte die internationale Gemeinschaft zu massiven Anstrengungen für die Kinder Haitis auf. Sie litten besonders unter den Folgen des Erdbebens und seien während der Regenzeit den Gefahren lebensbedrohlicher Krankheiten ausgesetzt.






