Frau des Kriegsdienstverweigerers erhält Goldenes Verdienstzeichen des Landes Oberösterreich
Linz, 14.2.07 (KAP) Franziska Jägerstätter, die Witwe des von den Nazis hingerichteten Kriegsdienstverweigeres Franz Jägerstätter, wird mit dem Goldenen Verdienstzeichen des Landes Oberösterreich ausgezeichnet. Das hat die Landesregierung in ihrer jüngsten Sitzung auf Antrag von Landeshauptmann Josef Pühringer beschlossen.
"Mit dieser Auszeichnung würdigen wir die Verdienste von Franziska Jägerstätter, die es sich zu ihrem Lebenswerk gemacht hat, das Andenken an ihren Gatten zu wahren", so Pühringer. Der Bauer und Mesner Franz Jägerstätter - 1907 in St. Radegund im Bezirk Braunau geboren - hatte sich aus religiösen Gründen geweigert, für Hitler in den Krieg zu ziehen und war dafür als "Wehrkraftzersetzer" von den Nationalsozialisten ermordet worden. Seine Frau sei auch in den ganz schweren Jahren der Gewissensentscheidung treu an seiner Seite gewesen und habe nach seinem Tod allein "in vorbildlicher Weise" für die Familie durch all die Jahre hindurch die Hauptverantwortung getragen, so der Landeshauptmann.
Franz Jägerstätter sei mit seinem Eintreten gegen Willkür und Gewaltherrschaft, gegen Rassismus und Völkermord über die Grenzen des Landes hinaus zu einem Symbol für jenes Österreich geworden, "das zwischen 1938 und 1945 dem braunen Terror die Stirn geboten hat". Die Landesauszeichnung für seine Witwe, die am 4. März 94 Jahre alt wird, soll ein "sichtbares Zeichen der Anerkennung" sein, betonte Pühringer.
Heuer wäre er 100 geworden
Am 20. Mai würde Franz Jägerstätter 100 Jahre alt: Auf diesem Hintergrund setzt das diözesane Bildungszentrum "St. Franziskus" in Ried im Innkreis für April und Mai einen Jägerstätter-Schwerpunkt. Geplant sind u.a. zwei Ausstellungen sowie mehrere Bildungs- und Kulturveranstaltungen.
Am 20. April eröffnet Altbischof Maximilian Aichern um 18 Uhr in "St. Franziskus" eine Ausstellung mit Federzeichnungen von Prof. Ernst Degasperi und Bildern der Friedensbibliothek der Evangelischen Kirche in Berlin. Um 20 Uhr hält die Jägerstätter-Biografin Erna Putz eine Lesung unter dem Motto "Die Vergangenheit ist nicht tot - sie ist nicht einmal vergangen" (William Faulkner). Vorgelesen werden Briefe von Franz und Franziska Jägerstätter; Erna Putz erläutert dazu deren Hintergründe.
Am 10. Mai findet in "St. Franziskus" ein Filmabend statt, bei dem "Der Fall Jägerstätter" gezeigt wird. Der 1972 entstandene Spielfilm unter der Regie von Axel Corti ist ein österreichischer Filmklassiker geworden. Am 20. Mai findet in "St. Franziskus" um 19 Uhr ein Gedenkgottesdienst statt.






