Linzer Bischof Ludwig Schwarz zelebrierte Festgottesdienst zum 100. Jahrestag der Geburt des Märtyrers in dessen Heimatort St. Radegund - Hohe Auszeichnung der Republik für Franziska Jägerstätte
Linz, 20.5.07 (KAP) Die Botschaft Franz Jägerstätters hat nichts an Wert und Dringlichkeit eingebüßt, betonte der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz am Sonntag bei einem Festgottesdienst in St. Radegund (Oberösterreich) aus Anlass des 100. Jahrestags der Geburt des Märtyrers. An dem Festgottesdienst nahm die Familie Franz Jägerstätters teil; seine Witwe Franziska, seine Töchter, Enkelkinder und Urenkel waren Ehrengäste der Gedenkfeier und gestalteten den Gottesdienst mit. Unter den vielen Teilnehmern waren auch der oberösterreichische Landeshauptmann Josef Pühringer und der Linzer Altbischof Maximilian Aichern.
Der Familienvater, Bauer und Mesner aus St. Radegund in Oberösterreich wurde am 9. August 1943 in Brandenburg an der Havel wegen "Wehrkraftzersetzung" vom nationalsozialistischen Regime ermordet. Der Märtyrer Jägerstätter hatte eine Gewissensentscheidung getroffen: Er stellte sich aus religiösen Gründen gegen den Nationalsozialismus und verweigerte den Kriegsdienst für Hitler. Die Seligsprechung Franz Jägerstätters wird in absehbarer Zeit erwartet.
Bischof Schwarz strich in seiner Predigt hervor, dass am Heimatort Franz Jägerstätters dessen Ausstrahlung immer noch spürbar sei. Gottes- und Nächstenliebe sei der Grundsatz im Leben Jägerstätters gewesen. Die innere Freude Jägerstätters am Glauben sei selbst im persönlichen Karfreitag im Gefängnis nicht erloschen. Die Liebe zu seiner Familie, seiner Frau und den Kindern sei prägend für sein Leben gewesen. Jägerstätter sei ein aufrechter Christ gewesen und habe gleichzeitig die Kirchenvertreter immer vor dem Nationalsozialismus gewarnt. Arme und bedürftige Menschen seien ihm sehr wichtig gewesen. Er habe auch Mithäftlingen kleine Wünsche nach seinen Möglichkeiten erfüllt. Verzeihen und Friede seien dem Märtyrer ein Herzensanliegen gewesen. Immer wieder habe er für den wahren und dauerhaften Frieden gebetet.
Nach der Festmesse überreichte Landeshauptmann Pühringer in Vertretung von Bundespräsident Heinz Fischer an Franziska Jägerstätter das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich. Pühringer hob die Bedeutung Franziska Jägerstätters hervor: "Nach 1945 hat sie mitgeholfen, einen Zugang zum Denken und zur Entscheidungsgrundlage Franz Jägerstätters zu finden". Bundespräsident Fischer übermittelte eine Grußbotschaft, in der er betonte, dass sich Franz und Franziska Jägerstätter gegen ein totalitäres Regime gestellt hatten. Der Name beider sei in die Geschichte Österreichs eingegangen.
Die Gemeinde St. Radegund benannte am Sonntag den Platz bei der Pfarrkirche als "Franz Jägerstätter-Platz", Bischof Schwarz segnete den Platz. Die Kinder der Volksschule St. Radegund erzählten Teile des Lebens Jägerstätters nach, darunter ein Urenkel Franz Jägerstätters, der auch am 20. Mai Geburtstag hat. Große Beachtung fand, dass der Obmann des Kameradschaftsbundes Linz, Benno Schinagl, und Mitglieder der Freiwilligen Feuerwehr St. Radegund beim Gedenkgottesdienst für Franz Jägerstätter Worte der Anerkennung sprachen.
"Ein Märtyrer des Gewissens"
Der Innsbrucker Bischof Manfred Scheuer sagte am Samstag bei der Sternwallfahrt der Katholischen Männerbewegung Österreichs nach St. Radegund, Franz Jägerstätter habe sich durch den Mut zur Wahrheit und zur Gerechtigkeit ausgezeichnet, "obwohl damit die Gefährdung seines eigenen Lebens verbunden war". Sein Gewissen, die Unterscheidung der Geister aus dem Glauben heraus, sei gewissermaßen ein "Frühwarnsystem" gewesen, betonte Scheuer, der auch Postulator beim diözesanen Seligsprechungsverfahren war. Der Gehorsam gegenüber Gott sei für den Märtyrer wichtiger gewesen als die Zustimmung der damaligen Gesellschaft. Wörtlich sagte der Innsbrucker Bischof: "Er ist wie Stephanus, der erste Märtyrer, in Situationen der Resignation vor der Unausweichlichkeit der Gewalt ein Zeuge der Hoffnung, dass Gewalt auch in der Geschichte nicht das letzte Wort hat". Jägerstätters Nein zum Nationalsozialismus sei klar und weitsichtig gewesen. Er habe somit vor Jahrzehnten auch für die Kirche heute wichtige Themen angesprochen.
Die Katholische Männerbewegung hatte aus Anlass des 100. Jahrestages der Geburt Franz Jägerstätters eine Sternwallfahrt nach St. Radegund veranstaltet, an der mehr als 250 Personen teilnahmen. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer pilgerten zu Fuß aus Ostermiething nach St. Radegund oder kamen mit dem Rad aus Linz, Salzburg, Innsbruck, Graz, Klagenfurt, St. Pölten und sogar aus Dornbirn. Die Initiative der Männerbewegung stand im Zeichen des Gebets für eine baldige Seligsprechung des Märtyrers.






