Das Gedenken steht heuer im Zeichen der bevorstehenden Seligsprechung, die am Nationalfeiertag im Linzer Dom erfolgen wird - Evangelische, anglikanische und katholische Theologen setzen sich mit der Gestalt Jägerstätters auseinander
Linz, 7.8.07 (KAP) Am Donnerstag, 9. August, finden in Ostermiething (Oberösterreich) die alljährlichen Gedenkfeiern für den Märtyrer und Kriegsdienstverweigerer Franz Jägerstätter statt. Die Gedenkfeiern stehen heuer im ganz im Zeichen der bevorstehenden Seligsprechung des Märtyrers, die am heurigen Nationalfeiertag, 26. Oktober, im Linzer Mariendom stattfinden wird. Franz Jägerstätter - geboren am 20. Mai 1907 im oberösterreichischen St. Radegund - wurde am 9. August 1943 von den Nationalsozialisten ermordet. Jägerstätter wäre heuer 100 Jahre alt geworden; seiner inzwischen 94 Jahre alten Witwe Franziska wurden vor kurzem das Goldene Verdienstzeichen der Republik Österreich und das Goldene Verdienstzeichen des Landes Oberösterreich verliehen.
Zum Gedenken am 9. August in Ostermiething werden der Linzer Diözesanbischof Ludwig Schwarz, sein Amtsvorgänger Maximilian Aichern, der Innsbrucker Diözesanbischof Manfred Scheuer - er war Postulator im diözesanen Seligsprechungsverfahren für Jägerstätter - und der Wiener Weihbischof Franz Scharl erwartet. Der Bischofsvikar der Militärdiözese, Werner Freistetter, sowie evangelische, anglikanische und katholische Theologen setzen sich mit "mystisch-politischen Aspekten der Heiligkeit am Beispiel Franz Jägerstätters" auseinander. Der Pilgerweg nach St. Radegund zur Heiligen Messe und die Lichtfeier am Grab des Märtyrers schließen wie alljährlich die Gedenkfeiern ab.
Die Feiern beginnen in der Pfarrkirche Ostermiething um 9 Uhr mit der feierlichen Eröffnung mit Musik, bei der Bischof Schwarz ein Grußwort sprechen wird. Um 9.30 Uhr steht ein Festvortrag des Ordinarius für Dogmatik an der Katholisch-Theologischen Fakultät Innsbruck, Prof. Roman Siebenrock, zum Thema "'Nicht von dieser Welt' - Franz Jägerstätters gelebtes Credo" auf dem Programm.
Um 11 Uhr gibt es ein Podiumsgespräch zum Thema "Mystisch-politische Aspekte von Heiligkeit am Beispiel Franz Jägerstätters", an dem u.a. Bischofsvikar Freistetter, die Ehrenpräsentin des Internationalen Versöhnungsbundes, Hildegard Goss-Mayr, und Bischof Scheuer teilnehmen werden. Um 14.30 Uhr folgt die Ausstrahlung einer TV- und Hörfunkdokumentation zum 100. Jahrestag der Geburt Franz Jägerstätters (in der Musikschule und in der Kirche).
Um 15.30 Uhr beginnt die Gedächtnis zur Todesstunde von Franz Jägerstätter in der Pfarrkirche Ostermiething. Anschließend wird zu Fuß nach St. Radegund gepilgert, wo um 19.30 eine Messe in der Pfarrkirche stattfindet. Danach gibt es eine Lichtfeier am Grab des Märtyrers statt.
Auf Anregung von Franziska Jägerstätter und mit ihrer Unterstützung werden die noch unveröffentlichten Briefe von Franz an seine Frau aus den Jahren 1940/1941 sowie die 52 Briefe von Franziska an ihren Mann für den Druck vorbereitet. Der Band, der auch die Gefängnisbriefe- und Aufzeichnungen enthalten soll, wird - herausgegeben von der Jägerstätter-Biografin Erna Putz - im Herbst im Verlag "Styria" erscheinen.
Im Herbst werden in Oberösterreich Schülerinnen und Schüler aller Alterstufen eingeladen, sich über die Zeitverhältnisse zu informieren, sich einzufühlen und Briefe an die Familie Jägerstätter zu schreiben. Die interessantesten Arbeiten werden öffentlich präsentiert und als Buch erscheinen.
Gedenktag 21.Mai
Der liturgische Gedenktag für Franz Jägerstätter wird im Zug der Seligsprechung auf den 21. Mai festgesetzt. Der 21. Mai ist der Tauftag Jägerstätters. Militärbischof Christian Werner hat in der vergangenen Woche an alle österreichischen Heeresdienststellen ein Rundschreiben verschickt, das positiv zur Seligsprechung Jägerstätters Stellung nimmt. Indirekt nahm der Bischof damit Äußerungen des Militärsuperiors Siegfried Lochner Stellung, der in der Wochenzeitung "Zur Zeit" u.a. von einem "Jägerstätter-Kult" gesprochen und den Zweiten Weltkrieg als "gerechten Verteidigungskrieg" bezeichnet hatte.
"Ein ermutigendes Vorbild"
"Im Evangelium stoßen wir immer wieder auf radikale Worte, in denen Jesus zur Nachfolge ruft. Jägerstätter wurde die Gnade geschenkt, einen Schritt bis zur letzten Konsequenz der Hingabe seines Lebens zu setzen", sagte Raimund Löffelmann, Vorsitzender der Katholischen Männerbewegung Österreich, zur Polemik Lochners gegen die Seligsprechung des oberösterreichischen Kriegsdienstverweigerers. Jägerstätter sei sicher kein Mensch mit "irrendem Gewissen" gewesen.
Wörtlich stellte Löffelmann in einer Presseaussendung fest: "Christen wie Franz Jägerstätter analysieren die politischen Verhältnisse. Sie wollen auch im politischen Bereich Christus treu bleiben. Märtyrer sind ein Licht, das die Wirklichkeit besser sehen und verstehen lässt. Die Erinnerung an sie hilft gegen die Verharmlosung der Zustände. So wird Franz Jägerstätter zum ermutigenden Vorbild für Frauen und Männer, die sich heute als Christen für Frieden in Gerechtigkeit einsetzen. Er zeigt, worum es bei christlicher Weltgestaltung auch in Zukunft gehen muss".
Das Beispiel Jägerstätters sei nicht nur ein innerkirchliches Zeichen. Durch die volle rechtliche Rehabilitierung Jägerstätters vor einigen Jahren gelte der Mesner aus St. Radegund als Widerstandskämpfer. Damit gehöre er zu jenen, die zur Wiedererrichtung der Republik Österreich beigetragen haben.






